Metalltechniker, Bundesinnung

Langeweile ist für diesen Mann ein Fremdwort 

Bundesinnungsmeister der Metalltechniker Harald Schinnerl im Interview

Lesedauer: 4 Minuten

22.09.2023
Porträt Harald Schinnerl
© Foto Schwarzenegger OG Bundesinnungsmeister KommR Harald Schinnerl

Harald Schinnerl, 65, ist seit 2005 Bundesinnungsmeister der Metalltechniker. Hauptberuflich führt er die Firma "Schinnerl Metallbau" mit einhundert Mitarbeitern, außerdem ist der Unternehmer Vizebürgermeister von Tulln.

Wie sein "Alltag" als Bundesinnungsmeister aussieht und mit welchen Herausforderungen er aktuell zu tun hat, hat Harald Schinnerl im Interview verraten. 

NM: Herr Schinnerl, Sie sind ein "Urgestein" in der Bundesinnung der Metalltechniker. Wie sind Sie zu dieser Arbeit gekommen?

Schinnerl: Ich wurde 1995 gefragt, ob ich in der Wirtschaftskammer mitarbeiten möchte und habe mir gedacht: Warum nicht? Anfangs war ich in der Landesinnung tätig. Im Jahr 2000 wurde ich mit gerade einmal 43 Jahren Landesinnungsmeister von Niederösterreich. Geplant hatte ich die Ausübung dieser Funktion(en) nie, doch die Arbeit interessierte mich und ich wollte mich persönlich weiterentwickeln. Fünf Jahre später wurde ich zum Bundesinnungsmeister ernannt und übe dieses Amt mittlerweile in der fünften Legislaturperiode aus. Das war nur deshalb möglich, weil es seit 2005 viele Veränderungen in der Innung gegeben hat. Normalerweise ist das Amt des Bundesinnungsmeisters auf maximal drei Perioden limitiert.

NM: Das heißt, Sie befinden sich aktuell in ihrer letzten Amtsperiode?

Schinnerl: Davon gehe ich aus, ja. Ich bin vor kurzem 65 geworden. Die Arbeit als Bundesinnungsmeister macht mir zwar noch immer sehr viel Spaß, trotzdem wird es schön langsam Zeit für etwas „frischen Wind“ in Form eines jüngeren Nachfolgers. Natürlich werde ich ihn/sie entsprechend „einschulen“.

NM: Was waren denn die Hauptbeweggründe für Ihr Engagement als Bundesinnungsmeister?

Schinnerl: Ich bin ein Mensch, dem die ständige "Wirtshaus-Suderei" zu wenig ist. Wenn wir Österreicher am Wirtshaustisch sitzen, kritisieren wir gern Gott und die Welt. Doch wirklich bereit, sich aktiv einzubringen und etwas zu verändern sind die wenigsten. Dabei macht es definitiv Sinn, in einer Organisation wie der Bundesinnung mitzuarbeiten, immerhin werden hier die Rahmenbedingungen der Branche festgelegt. Außerdem kann ich meinen Branchenkolleg:Innen bei vielen Vorschriften und Richtlinien die nötige Hilfestellung geben. Auch die Weiterbildung ist extrem wichtig, denn der Metallbau befindet sich durch die Digitalisierung stark im Wandel. Je besser die Kolleg:Innen am Ball bleiben, desto höhere Chancen hat unser Berufsstand gegenüber Konkurrenzprodukten wie Holz oder Beton.

NM: Welche aktuellen Themen/Herausforderungen gibt es in der Metalltechnik?

Schinnerl: Da wäre einerseits natürlich die Digitalisierung – Fluch und Segen zugleich. Ein größerer Betrieb tut sich mit der Beschaffung neuester Technik sicherlich leichter als ein kleiner Handwerker, immerhin kostet so eine Maschine hunderttausende Euro. Kleine Betriebe können die Digitalisierung daher leider nur punktuell umsetzen. Nächstes Problem ist der Fachkräftemangel, der sich natürlich auch durch unsere Branche zieht. Außerdem sind die jungen Menschen von der Grundschule her zum Teil schlecht ausgebildet und müssen im Betrieb schulische Grundkenntnisse nachholen, was wiederum Zeit und Geld kostet. Größtes Problem derzeit sind aber definitiv die schwankenden Materialpreise. Wir sind schließlich keine Börse-Spekulanten, sondern Handwerker! Wir kaufen unser Material mit einem relativ geringen Aufschlag zu und können solch riesige Schwankungen natürlich unmöglich ausgleichen. Die gute Nachricht: Zumindest die Beschaffungsproblematik haben wir mittlerweile wieder weitgehendst im Griff. Allerdings kämpfen natürlich auch wir mit den steigenden Energiekosten.

NM: Was sollte ein junger Mensch für die Arbeit in der Bundesinnung mitbringen?

Schinnerl: Interesse an der Branche! Wenn jemand in der Innung mitarbeitet, bekommt er nicht nur die tagesaktuellen Probleme des eigenen Betriebes mit, sondern die Themen der ganzen Branche. Aber genau dieser Wissensvorsprung, dieser Blick über den Tellerrand hinaus ist das große Plus der Innungsarbeit.  Zusätzlich hat man viel Kontakt mit den Kolleg:Innen und baut dadurch ein großes Branchen-Netzwerk auf. Wenn ich etwa einen Auftrag bekomme, der mir zu groß ist, hilft mir vielleicht ein Kollege weiter. Wenn ich etwas nicht weiß, kann ich jemanden fragen. Es entstehen schon viele Vorteile durch die Innungsarbeit.

NM: Wie viel Zeit nimmt Ihre Arbeit als Bundesinnungsmeister in Anspruch, bzw. wie sieht ein „Alltag“ bei Ihnen aus?

Schinnerl: Grob überschlagen sind es wohl so 20 bis 30 Stunden pro Monat, die die Arbeit für die Bundesinnung in Anspruch nimmt, hauptsächlich für Sitzungen und/oder die Vorbereitung dieser. Grundsätzlich lässt sich die Arbeit aber gut in meinen Alltag integrieren.

NM: Was waren besonders gelungene Projekte in Ihrer Zeit als Bundesinnungsmeister?

Schinnerl: Das war definitiv die Einführung der europäisch harmonisierten Norm, die geschweißte und geschraubte Konstruktionen aus Stahl und Aluminium regelt, besser bekannt als „EN 1090“. Als diese Norm eingeführt wurde, taten sich vor allem die kleineren Unternehmen schwer. Deshalb haben wir damals als Bundesinnung sehr stark daran gearbeitet, unseren Mitgliedern die Umstellung zu erleichtern – sowohl fachlich, als auch finanziell. Und ich behaupte, die Umsetzung ist uns sehr gut gelungen. Ein weiterer großer Innungs-Erfolg war die Zusammenarbeit mit niederösterreichischen Berufsschulen, unter anderem wurden neue Schülerheime errichtet und Zusatzkurse angeboten (Schweißen, CNC und CAD). Auch erwähnenswert: Bei den Mädchen rangiert der Metalltechnik-Beruf mittlerweile auf Platz 6 der beliebtesten Jobs, bei den Burschen liegt er unbestritten auf Platz 1.  

NM: Haben Sie als Bundesinnungsmeister noch etwas vor?

Schinnerl: Ja, ich will, dass es künftig einen so genannten Metallbaumeister gibt, der genauso gut qualifiziert ist wie der Holzbaumeister. Denn dieser hat bereits jetzt das Level NQR7 – das kommt einem Master-Abschluss an der Uni gleich.

NM: Was war/ist eine Ihrer größten Herausforderungen als Bundesinnungsmeister?

Schinnerl: Sicherlich die Preissprünge der letzten Zeit. Das fing bereits unter Corona an und ist durch den Ukraine-Krieg völlig eskaliert. Im März 2022 hatten wir teilweise Preissteigerungen zwischen 100 und 150 Prozent!  Die WKO hat deshalb ein Anwalts-Musterschreiben erstellen lassen, damit unsere Mitgliedsbetriebe aus Knebelverträgen herauskommen und/oder sich mit den Kunden einig werden. Sehr herausfordernd sind auch die jährlichen KV-Verhandlungen.