Aufschwung über Export - kein Selbstläufer mehr
Informationen der Bundessparte Industrie
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Österreichs Exporte legen leicht zu, doch Marktverschiebungen und Unsicherheit bremsen einen breiten Aufschwung.
Die globalen Rahmenbedingungen haben sich spürbar verändert: Geopolitische Spannungen, steigende Energiepreise und zunehmender Protektionismus verschieben internationale Wertschöpfungsketten und erhöhen die Unsicherheit im Außenhandel. Für eine exportorientierte Volkswirtschaft wie Österreich bedeutet das: Der Export bleibt wichtig, trägt den Aufschwung aber deutlich weniger verlässlich als in der Vergangenheit.
Die Außenhandelsdynamik hat sich zum Jahresauftakt 2026 leicht belebt: Die Warenimporte stiegen auf 50,7 Mrd. Euro (+3,0 %), die Exporte auf 49,5 Mrd. Euro (+3,4 %). Dennoch hat Österreich im ersten Quartal 2026 erneut ein Handelsbilanzdefizit verzeichnet – wie bereits in allen vier Quartalen des Jahres 2025. Zwar verringerte sich das Minus auf 1,2 Mrd. Euro (Q1 2025: −1,4 Mrd. Euro), eine nachhaltige Trendwende im Außenhandel ist damit allerdings nicht in Sicht. Maßgeblich dafür sind strukturelle Ungleichgewichte, insbesondere im Handel mit China, sowie eine abgeschwächte positive Bilanz mit den Vereinigten Staaten.
Verschiebungen innerhalb der Warengruppen
Das Exportplus von 1,6 Mrd. Euro gegenüber dem ersten Quartal 2025 geht vor allem auf Zuwächse in den Bereichen „Perlen, Edelsteine, Schmuck, Edelmetalle, Münzen“ (KN 71; +732 Mio. Euro) sowie „Kernreaktoren, Kessel, Maschinen, Apparate und mechanische Geräte“ (KN 84) zurück. Auch „Zugmaschinen, Kraftfahrzeuge, Traktoren, Motorräder, Fahrräder“ (KN 87), „Kunstgegenstände, Sammlungsstücke und Antiquitäten“ (KN 97) und „Anorganische chemische Erzeugnisse“ (KN 28) trugen spürbar zum Exportanstieg bei. Gleichzeitig zeigen sich Rückgänge in gewichtigen Industriebereichen: Insbesondere „Pharmazeutische Erzeugnisse“ (KN 30), „Mineralische Brennstoffe; Mineralöle, Destillationserzeugnisse“ (KN 27) sowie „Eisen und Stahl“ (KN 72) entwickelten sich rückläufig und dämpften die Exportdynamik.
Der Export stützt sich auf wenige Schlüsselbranchen
Der österreichische Außenhandel wird zu Jahresbeginn 2026 weiterhin maßgeblich von wenigen zentralen Warengruppen getragen: Die fünf wichtigsten Exportsegmente – „Kessel, Maschinen, Apparate und mechanische Geräte“, „Zugmaschinen, Kraftfahrzeuge, Traktoren, Motorräder, Fahrräder“, „Elektrische Maschinen, Apparate und elektrotechnische Waren“, „Pharmazeutische Erzeugnisse“ sowie „Kunststoffe und Waren daraus“ – vereinen gemeinsam bereits rund 48 % der gesamten Ausfuhren auf sich. Die Top 10 Warengruppen kommen gemeinsam auf rund 65 %. Damit bleibt der Export stark auf industrienahe Schlüsselbranchen konzentriert, die die außenwirtschaftliche Entwicklung maßgeblich prägen.
Ein ähnliches Muster zeigt sich auf der Importseite: Auch hier zählen vier dieser Warengruppen zu den wichtigsten Positionen. Anstelle von „Kunststoffe und Waren daraus“ zählen jedoch „Mineralische Brennstoffe; Mineralöle, Destillationserzeugnisse“ zu den bedeutendsten Importgütern – ein Hinweis auf die weiterhin hohe Bedeutung energiebezogener Einfuhren.
Europa bleibt Anker der österreichischen Exporte
Auch regional zeigt sich im ersten Quartal 2026 eine klare Konzentration: Deutschland bleibt mit Abstand wichtigster Absatzmarkt und baut seine führende Position weiter aus. Es folgen Italien, die Vereinigten Staaten, die Schweiz und Frankreich. Gemeinsam nehmen diese fünf Märkte mehr als die Hälfte der österreichischen Exporte auf.
Im Jahresvergleich zeigen sich jedoch Verschiebungen: Während die Exporte in die Vereinigten Staaten zurückgingen und die positive Handelsbilanz geringer ausfällt als im Vorjahr, verzeichneten zentrale europäische Partnerländer Zuwächse. Besonders dynamisch entwickelten sich Deutschland, das Vereinigte Königreich, die Schweiz sowie Italien; auch kleinere Märkte wie Liechtenstein legten zu. Gleichzeitig verstärken wachsende Importe aus China die bestehenden Handelsungleichgewichte. Insgesamt deutet sich damit eine stärkere Ausrichtung auf europäische Absatzmärkte an, während Impulse aus einzelnen außereuropäischen Märkten an Bedeutung verlieren.
Parallel dazu verschieben sich die globalen Handelsströme: Während europäische Absatzmärkte an Bedeutung gewinnen, nehmen die Abhängigkeiten auf der Importseite – insbesondere gegenüber asiatischen Märkten – weiter zu. Zugleich zeigt sich immer deutlicher, wie stark geopolitische Entwicklungen, Handelsunsicherheit und fragile Lieferketten die außenwirtschaftliche Dynamik beeinflussen.
Die aktuelle Entwicklung zeigt, dass sich das internationale Umfeld strukturell verändert hat: Der Welthandel wird geopolitischer, volatiler und schwerer kalkulierbar. Für eine exportorientierte Volkswirtschaft wie Österreich werden damit breiter aufgestellte Absatz- und Beschaffungsmärkte, resilientere Lieferketten sowie wettbewerbsfähige industrie- und energiepolitische Rahmenbedingungen noch wichtiger.
Autorin:
Mag. Sandra Lengauer
E-Mail: sandra.lengauer@wko.at