Herbst ohne Metaller-KV-Verhandlungen
Informationen der Bundessparte Industrie
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Zur Erinnerung: In den Fachverbänden der Eisen- und Metallindustrie kam es bei der Herbstlohnrunde 2025 zu einem außergewöhnlich raschen Abschluss. Schon am 22. September 2025 wurde ein zweijähriger Kollektivvertragsabschluss erzielt. Dieser frühe Abschluss war auch politisch und sozialpartnerschaftlich bedeutsam, weil er nach konfliktreicheren Jahren ein Signal der Stabilität und Verlässlichkeit senden sollte.
Inhaltlich kombinierte der Abschluss eine vergleichsweise niedrige nachhaltige Erhöhung mit Einmalzahlungen bzw. einer flexiblen Umwandlungsmöglichkeit der Einmalzahlung in nicht nachhaltige Freizeittage auf betrieblicher Ebene. Der nachhaltige Teil der Erhöhung ab 1. November 2025 lag bei den Ist-Löhnen und -Gehältern bei 1,41 %, die Erhöhung der Mindestentgelte bei 2,0 %. Damit lag der nachhaltige Teil der Einigung deutlich unterhalb der rollierenden Inflationsrate, gleichzeitig konnte erstmals der Einsatz einer Einmalzahlung in Form der Kaufkraftsicherungsprämie vereinbart werden.
Für den Abschluss ab 1. November 2026 wurden folgende Parameter vereinbart:
- Die IST-Löhne und -Gehälter steigen um 1,9 %.
- Die KV-Tabelle steigt in der Grundstufe um 2,1 %, die Vorrückungswerte bleiben neuerlich unverändert.
- Die Lehrlingseinkommen und die kollektivvertraglichen Zulagen steigen um 2,1 %.
- Die Reisediäten steigen um 2,1 %.
Dieser Abschluss wurde getätigt unter der Erwartung einer nennenswerten Wachstumsbeschleunigung im Jahr 2026 - die damals aktuelle Prognose des WIFO (Juni 2025) – ging von einem BIP-Wachstum im Jahr 2026 vom 1,2 % aus – und einem Abflachen der Inflation in Richtung des EZB-Zielwertes; das WIFO (Juni 2025) ging von einem Anstieg der Verbraucherpreise im Jahr 2026 um 2,2 % aus.
Tatsächlich hat sich die Konjunktur schwächer als erwartet entwickelt, die WIFO Prognose für 2026 ist im Juni auf unter ein Prozent gerutscht, die Mitte September veröffentlichte Interimprognose der OeNB sieht gar nur noch ein Wachstum von 0,5 %. Gleichzeitig haben die steigenden Energiekosten infolge des Irankrieges die Inflation wieder beschleunigt, die Prognosen erwarten einen Anstieg der Verbraucherpreise im laufenden Jahr von zumindest drei Prozent.
Auch wenn anhand vorlaufender Indikatoren von manchen Wirtschaftsforschern eine gewisse Aufhellung der Lage der Industrie behauptet wird, ist es doch eine Tatsache, dass derzeit eine Stagflation vorliegt: Eine konjunkturelle Stagnation gepaart mit einer, durch externen Faktoren immer wieder befeuerte Inflation. In einer solchen Situation wären Lohn- und Gehaltsverhandlungen extrem schwierig. Der ausgewogene zweijährige Abschluss des vergangenen Jahres versucht unter schwierigen Bedingungen die Kaufkraft möglichst weitgehend zu erhalten und gleichzeitig die Erosion der internationalen Wettbewerbsfähigkeit der österreichischen Industrie zu stoppen.
Detaillierte Konjunkturdaten für die österreichische Industrie liegen für die Monate Jänner bis Mai 2026 vor. Auf den ersten Blick zeigt sich eine positive Entwicklung, nämlich eine Zunahme der abgesetzten Produktion um 8,6 %. Dies ist aber eine nominelle Betrachtung, die durch die stark gestiegenen Preise bei Energie verzerrt ist: 60 % des nominellen Zuwachses entfallen auf den Bereich Gas/Wärme; ohne die Gas- und Wärmeversorgungsunternehmungen sowie die Energierohstoff- und Kraftstoffindustrie liegt das nominelle Plus bei 3,2 %, was im Wesentlichen der österreichischen Inflationsrate entspricht. Auf Ebene der Fachverbände (ohne die genannten Bereiche) steht eine nominell steigende Produktion in drei Fachverbänden (Elektro- und Elektronikindustrie, Metalltechnische Industrie, NE-Metallindustrie) einem nominellen Rückgang in acht Fachverbänden gegenüber.
Ähnlich sieht die Lage bei den Auftragseingängen der Industrie aus: Diese sind insgesamt nominell um 7,2 % bzw. 4,0 Mrd. Euro gegenüber dem Vergleichszeitraum des Vorjahres gestiegen, insbesondere aus Ausland (+ 7,9 % bzw. plus 3,2 Mrd. Euro). Zuwächse gibt es in der Elektro- und Elektronikindustrie, der Metalltechnischen Industrie sowie der NE-Metallindustrie, zudem auch in der Bauindustrie. Die Zuwächse sind aber nominelle Zahlen, die realen Zuwächse sind angesichts der hohen Inflation deutlich niedriger.
Das Gesamtpersonal in der Industrie Österreichs ist in den ersten fünf Monaten des laufenden Jahres um 1,3 % gegenüber dem Vorjahreszeitraum gesunken, somit um rund 5.800 Personen. Noch stärker fällt der Rückgang bei Eigenpersonal aus (um 1,7 % bzw. 7.100 Personen), gleichzeitig wurde der Bestand an Fremdpersonal aufgestockt. Darin zeigt sich das Bemühen der Industrie um größtmögliche Flexibilität angesichts eines schwierigen globalen und europäischen Geschäftsumfeldes.
Insgesamt 12 der 16 Fachverbände der Bundessparte Industrie verzeichnen einen Rückgang beim Eigenpersonal, allein in den Fachverbänden Elektro- und Elektronikindustrie, Fahrzeugindustrie und Metalltechnische Industrie liegt der Rückgang bei rund 4.400 Personen. Gerade diese Fachverbände weisen auch den höchsten Aufbau an Fremdpersonal aus.
Der fortgesetzte Beschäftigungsabbau ist ein deutliches Zeichen für die anhaltend schwierige Lage der österreichischen Industrie, angesichts steigender Energie-, Personal- und Bürokratiekosten.
Autoren: Mag. Thomas Stegmüller, Mag. Sandra Lengauer