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Sparte Industrie

Industrie schafft mehr als Produktion

Informationen der Bundessparte Industrie

Lesedauer: 3 Minuten

21.09.2026
Ein Prozent der Unternehmen erwirtschaftet 35 Prozent des Produktionswerts. Wie eine starke Industrie weit über ihre Grenzen hinaus Wirkung entfaltet.

Die Industrie umfasst regional verwurzelte Familien- und Traditionsunternehmen ebenso wie hoch spezialisierte KMU, Hidden Champions und international tätige Großunternehmen. Gemeinsam verbinden sie Forschung, Produktion und spezialisiertes Know-how und entfalten über ihre Zuliefer- und Dienstleistungsnetzwerke Wirkung weit über den eigentlichen Kern der Industrie hinaus. Die folgenden Kennzahlen richten den Blick zunächst auf ihren unmittelbar messbaren Kern: die direkte Wirtschaftsleistung der Unternehmen im Kammerbereich Industrie. Schon dieser eng abgegrenzte Ausschnitt zeigt, welche außergewöhnliche Bedeutung die Industrie innerhalb der Gewerblichen Wirtschaft hat.

Ein Prozent der Unternehmen erwirtschaftet mehr als ein Drittel des Produktion

Nur rund ein Prozent der Unternehmen der Gewerblichen Wirtschaft ist der Industrie zuzurechnen. Auf sie entfallen jedoch 35 Prozent des Produktionswerts, 21 Prozent der Bruttowertschöpfung, 23 Prozent der Bruttoinvestitionen und 15 Prozent der Beschäftigten der Gewerblichen Wirtschaft. Die Relation macht die hohe Leistungs- und Investitionskraft der Industrie deutlich. Industrielle Leistung entsteht in arbeitsteiligen Strukturen, in denen unterschiedliche Unternehmensgrößen, Branchen und Kompetenzen zusammenwirken.

Grafik in absoluten und Prozent-Zahlen: Anteil der Industrie an der Wirtschaftsleistung und weiteren Kennwerten
© BSI Anm.: Mit Ausnahme der Exportquote und der KMU-Intensität beziehen sich die Anteilswerte auf die Gewerb-liche Wirtschaft. Exportquote = Anteil des Auslandsumsatzes am Gesamtumsatz. Die F&E-Anteilsberechnung findet ohne sonstige nicht der Wirtschaftskammer angehörende Einheiten statt.
Quelle: Statistik Austria, Sonderauswertungen der Leistungs- und Strukturerhebung (Referenzjahr: 2024) bzw. Konjunkturerhebung (R.: 2025 vorläufig) bzw. F&E-Vollerhebung (R.: 2023) in der Kammersystematik

KMU und Großunternehmen bilden gemeinsam industrielle Wertschöpfungsnetze

Die Industrie besteht keineswegs nur aus Großunternehmen. 87 Prozent der Industrieunternehmen sind KMU. Gleichzeitig erwirtschaften die industriellen Großunternehmen mehr als drei Viertel der industriellen Wertschöpfung und tätigen rund 75 Prozent der Bruttoinvestitionen der Industrie. KMU und Großunternehmen sind keine Gegensätze, gemeinsam bilden sie industrielle Wertschöpfungsnetzwerke.

Internationale Erfolge schaffen Wertschöpfung in Österreich

Die österreichische Industrie erwirtschaftet rund sieben von zehn Euro Umsatz im Ausland. Ihre Exportintensität liegt bei 68 Prozent. Diese Exportorientierung bringt internationale Nachfrage nach Österreich. Auslandsaufträge sichern Produktion und Beschäftigung in den Industrieunternehmen selbst und schaffen zugleich Nachfrage bei heimischen Zulieferern und Dienstleistern. Regionale Verankerung und internationale Ausrichtung sind dabei kein Widerspruch. Vielfach ermöglicht erst der Erfolg auf internationalen Märkten die Produktionsstandorte in Österreich zu erhalten, weiterzuentwickeln und langfristig abzusichern. 

Forschung und Entwicklung werden maßgeblich von der Industrie getragen

62 Prozent der F&E-Ausgaben und 57 Prozent der F&E-Vollzeitäquivalente der Gewerblichen Wirtschaft entfallen auf die Industrie. Damit ist sie der zentrale Träger unternehmerischer Forschung und Entwicklung innerhalb der Gewerblichen Wirtschaft. Die besondere Stärke der Industrie liegt in der Verbindung von Forschung, technologischem Know-how und wirtschaftlicher Anwendung. Sie schafft die Voraussetzungen dafür, dass aus wissenschaftlichen und technologischen Erkenntnissen wettbewerbsfähige Produkte, Verfahren und Produktionsmöglichkeiten entstehen und auf internationalen Märkten angeboten werden können.

Schlüsseltechnologien brauchen eine industrielle Heimat

Eine zukunftsgerichtete Industriestrategie muss bestehende industrielle Kompetenzen stärken und gleichzeitig Raum für neue Schlüsseltechnologien schaffen. Technologieoffenheit und wettbewerbsfähige Rahmenbedingungen sind dafür wichtig. Denn Investitionsentscheidungen fallen dort, wo industrielle Produktion langfristig planbar und wirtschaftlich tragfähig ist.

Eine starke Industrie erweitert Österreichs Zukunftschancen

Diese Strukturen der Industrie sind über Jahrzehnte gewachsen. Sie verbinden technisches Wissen mit Produktionserfahrung, regionale Verantwortung mit internationaler Marktpräsenz und Forschung mit konkreter wirtschaftlicher Anwendung. Die zentrale Aufgabe besteht deshalb darin, die industrielle Basis Österreichs nicht nur zu erhalten, sondern weiterzuentwickeln. Denn wo Industrie erfolgreich produziert, investiert und exportiert, entstehen Perspektiven weit über einzelne Unternehmen hinaus.

Eine wettbewerbsfähige Industrie sichert Österreich damit nicht nur wirtschaftliche Substanz. Sie schafft auch den notwendigen Handlungsspielraum, um technologische Veränderungen mitzugestalten und neue Schlüsseltechnologien in Wertschöpfung, Beschäftigung und Wohlstand am Standort zu übersetzen. 

Weitere Daten und vertiefende Auswertungen finden sich in der aktuellen Kennzahlenbroschüre der Sparte Industrie.


Autorin: Mag. Sandra Lengauer

E-Mail: sandra.lengauer@wko.at