Kommentar von Rudolf Grünanger
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Der heurige Sommer bringt geopolitisch keine Erholung. Russen und Ukrainer greifen gegenseitig agrarische Logistikeinrichtungen und Schiffe an, was die Preisvolatilität auf den Getreidemärkten zu großen Ausschlägen treibt und das Klima verunsichert.
Der erhoffte Waffenstillstand zwischen den USA und dem Iran hat sich wieder in einen Krieg verwandelt. Die Straße von Hormus bleibt ein Nadelöhr der Weltwirtschaft, die Gas- und Düngerpreise ziehen wieder an.
Trockenheit und Dürre durchziehen Europa und auch Österreich. Die Erntemengen liegen unter den Erwartungen, die Preise ebenso.
Auf den Vieh- und Fleischmärkten liegt die Nachfrage unter dem saisonal üblichen Niveau. Die Preise stehen daher Nachfrageseitig und Angebotsseitig unter Druck, weil Kuhschlachtungen wegen Grundfuttermangel zunehmen. Auch die Schweinepreise zeigen keine Erholungstendenzen.
Die wunden Punkte wurden bei der Spartenklausur des Handels Ende Juni in Pörtschach auch klar angesprochen. Der Handel fuhr im 1.Quartal des Jahres ein Minus ein, was sich bis zur Jahresmitte wohl fortgesetzt hat. Politische Unsicherheit verändert das Verbraucherverhalten. Die Transformationstendenzen im Handel sind tief und weitreichend: Kunden sind preissensibler, achten mehr auf Aktionen und verändern ihr Ausgabeverhalten hin zu Freizeit und Reisen. Der Inlandshandel partizipiert nur zu 38% am Online-Handel.
Das raue Klima wird zudem durch fragwürdige politische Maßnahmen verschärft. Die Umsatzsteuersenkung auf ausgewiesene Lebensmittel bringt einem durchschnittlichen österreichischen Haushalt € 8,- pro Monat, entpuppt sich aber als Bürokratiemonster für die beteiligten Betriebe.
Die geplante Gebäude-Effizienzrichtlinie der EU sieht vor, dass zukünftig jeder fünfte Parkplatz mit Ladestation auszuführen sei. Bei bestehenden Parkplätzen wäre jeder zehnte mit Ladestation umzubauen.
Die Paketsteuer gilt zwar nur für Großunternehmen ab € 100 MIO Umsatz, übersieht aber, dass viele heimische Händler auf den großen Marktplätzen anbieten und damit mitbetroffen sind.
Alle Ausführungen wurden von Prof. Teller vom Institut für Handel, Absatz und Marketing der Universität Linz mit Daten und Fakten bestätigt. Zunehmende Preissensibilität bei Konsumenten, geändertes Ausgabeverhalten, Überbewertung der Preissteigerung bei Lebensmitteln und die kognitive Konsonanz, trotz besseren Wissens anders zu handeln.
Der Druck auf den stationären Handel steige, weil man von ihm Beratung und Service erwarte, aber nur sehr eingeschränkt bereit sei, dafür zu bezahlen. Zudem werde der Arbeitsplatz Handel unattraktiver, weil Kunden vielfach Respekt für die Mitarbeiter vermissen lassen.
Bei dieser Gelegenheit darf ich auf unsere Gremialtagung am 31. August verweisen. Im Mittelpunkt der Tagung soll ein Streifzug durch die aktuelle Förder-Landschaft stehen.
Ich freue mich auf Euer Kommen und wünsche eine erholsame Sommerzeit!
Euer Rudi Grünanger, Gremialobmann