Bildung bleibt Kärntens stärkste Standortgarantie
Die Wirtschaftskammer Kärnten hat heute im Rahmen einer Pressekonferenz ihren Bildungsbericht 2025 präsentiert. Die Bilanz unterstreicht die zentrale Bedeutung von Bildung für den Wirtschaftsstandort: 6.971 Lehrlinge in rund 2.000 Betrieben, mehr als 20.500 Teilnehmende am WIFI Kärnten sowie zahlreiche Initiativen sichern die Fachkräfte von morgen. Kritisch bewertet die Wirtschaftskammer Kärnten in diesem Zusammenhang die Abschaffung der Weiterbildungsförderung durch das Land Kärnten.
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Der Wirtschaftsstandort Kärnten lebt von innovativen Betrieben und qualifizierten Fachkräften. Der Schlüssel dazu liegt in einem starken und durchgängigen Bildungsangebot. Genau hier setzt die Wirtschaftskammer Kärnten mit einer klaren Strategie an: Talente entdecken, Betriebe stärken und nachhaltige Perspektiven schaffen. „Bildung ist der Rohstoff der Zukunft. Jeder einzelne Lehrling, jede absolvierte Weiterbildung und jede bestandene Meisterprüfung ist eine Investition in die Wettbewerbsfähigkeit unseres Landes“, betonte WK-Präsident Jürgen Mandl bei der Präsentation des Bildungsberichts. Gemeinsam mit Andreas Görgei, dem Leiter der Abteilung Bildungspolitik, stellte er die wichtigsten bildungspolitischen Aktivitäten und Ergebnisse des Jahres 2025 vor.
6.971 Lehrlinge – ein starkes Fundament
Die Wirtschaftskammer Kärnten zählt zu den zentralen Bildungsakteuren im Land und leistet einen wesentlichen Beitrag zur Ausbildung qualifizierter Fachkräfte. Die duale Ausbildung bildet dabei das stabile Fundament der Bildungsstrategie. Im Jahr 2025 wurden 6.971 Lehrlinge in rund 2.000 Betrieben ausgebildet. 2.804 Kandidatinnen und Kandidaten traten zur Lehrabschlussprüfung an. Die Erfolgsquote lag bei 84,8 Prozent. Darüber hinaus wurden 550 Meister- bzw. Befähigungsprüfungen abgelegt, das entspricht einen Anstieg um 20 Prozent gegenüber dem Vorjahr. „Die Lehre verbindet Praxis mit fundierter Ausbildung und eröffnet jungen Menschen hervorragende Karrierechancen“, betonte Mandl. „Sie ist kein Plan B, sondern ein eigenständiger und chancenreicher Karriereweg.“
Über 12.000 erreichte Jugendliche – breite Wirkung im ganzen Land
Um die Attraktivität der Lehre weiter zu steigern und zusätzliche Betriebe für die Ausbildung zu gewinnen, setzt die Wirtschaftskammer auf ein breites Maßnahmenpaket zur Berufs- und Bildungsorientierung. Dazu zählen Lehrlingscastings in allen Bezirken, Lehrlingsmessen, Wettbewerbe sowie Initiativen wie „Lehrling des Jahres“. Mandl dazu: „Lehrlingscastings und die Kärntner Lehrlingsmesse mit über 7.500 Besucher:innen bringen Talente und Unternehmen direkt zusammen und zeigen, wie moderne Berufsorientierung funktioniert.“ Auch Görgei betont die strategische Bedeutung dieser Initiativen: „Berufsorientierung ist heute eine zentrale Zukunftsaufgabe. Jugendliche brauchen frühzeitig realistische Einblicke in Berufe und Karrierewege. Genau hier setzen unsere Programme an – praxisnah, flächendeckend und in enger Zusammenarbeit mit den Betrieben.“
WIFI Kärnten: Weiterbildung auf höchstem Niveau
Als größte Erwachsenenbildungseinrichtung des Landes trägt das WIFI Kärnten maßgeblich zur Fachkräftesicherung bei. 2025 wurden an zehn Standorten 20.515 Teilnehmende begrüßt, die dem WIFI Kärnten eine Kundenzufriedenheit von 1,34 Prozent ausstellten. Es wurden 2.174 Kurse, Seminare und Lehrgänge umgesetzt, knapp 900 Lehrende standen im Einsatz. Die Weiterempfehlungsrate liegt bei 95 Prozent. WIFI-Institutsleiter Görgei: „Wir unterstützen und fördern das Bildungsangebot mit einem jährlichen Mitteleinsatz von mehr als drei Millionen Euro. Rund 50.000 Menschen, das sind zehn Prozent der Kärntner Bevölkerung, nutzen jährlich unser Bildungsangebot.“ Er ergänzt: „Lebenslanges Lernen ist längst kein Schlagwort mehr, sondern eine wirtschaftliche Notwendigkeit. Qualifikation entscheidet darüber, ob Betriebe innovativ und wettbewerbsfähig bleiben.“
Leuchtturmprojekt Talentecenter Carinthia
Die Innovationskraft der WK Kärnten zeigt sich auch in den Investitionen in den Bildungscampus: So entstanden etwa der Makerspace in der ehemaligen Postgarage oder neue Lehrwerkstätten für Berufe wie Fleischer, Dachdecker und Maler.
Zentraler Bestandteil des Bildungscampus ist das Testcenter Carinthia (TCC). Mit diesem wurde ein europaweit einzigartiges Instrument der Berufsorientierung geschaffen. Es unterstützt Jugendliche dabei, ihre Stärken objektiv zu erkennen und fundierte Bildungs- und Berufsentscheidungen zu treffen. Görgei: „Gleichzeitig bieten wir Unternehmen eine wertvolle Unterstützung bei der Suche nach passenden Fachkräften und Lehrlingen. In einem strukturierten Testverfahren werden Bewerberinnen und Bewerber hinsichtlich ihrer Basisfähigkeiten, persönlichen Stärken und branchenspezifischen Kompetenzen analysiert.“ Im zweiten Jahr seines Bestehens wurden über 1.000 Erwachsene sowie 3.500 Kinder und Jugendliche getestet. Seit der Gründung haben bereits mehr als 45.000 junge Menschen das Angebot genutzt. Das wissenschaftlich fundierte Testsystem analysiert Stärken und Kompetenzen und schafft so eine objektive Grundlage für Bildungs- und Berufsentscheidungen. Die Investitionen von insgesamt 4,5 Millionen Euro unterstreichen die strategische Bedeutung dieses Projekts.
Talenteakademie
Aufbauend auf dieser Orientierung setzt die Wirtschaftskammer Kärnten gezielt auf Leistungsförderung. Die Talenteakademie begleitet nationale sowie internationale Lehrlingswettbewerbe. Die Erfolge sind messbar: Bei den AustrianSkills 2025 erreichte Kärnten 13 Medaillen – ein neuer Rekord. „Diese Leistungen sind das Ergebnis gezielter Talentförderung, engagierter Ausbildungsbetriebe und eines starken Netzwerks in der beruflichen Bildung. Kärnten zeigt, was möglich ist, wenn Qualität konsequent gefördert wird“, betonte Mandl.
Bildung beginnt früh – und hört nie auf
Die Förderung von Talenten startet nicht erst mit der Lehrlingsausbildung. Mit der „Spürnasenecke Primary“ wurde in vier Kärntner Volksschulen ein MINT-Schwerpunkt etabliert, von dem künftig mehr als 600 Kinder profitieren werden. Altersgerechte Experimente und praxisnahe Aufgabenstellungen sollen so frühzeitig Interesse an Technik und Naturwissenschaften wecken. „Wenn wir Talente fördern wollen, müssen wir früh ansetzen. Begeisterung für Technik entsteht nicht zufällig, sondern durch Erleben, Ausprobieren und positive Erfahrungen“, so Mandl.
Starkes Fördersystem
Damit Betriebe ihre Rolle als Ausbildungsstätten langfristig wahrnehmen können, braucht es stabile Rahmenbedingungen. Ein zentraler Baustein ist daher das Fördersystem der Wirtschaftskammer Kärnten. Im Jahr 2025 wurden über 14.500 Förderfälle abgewickelt, mehr als 18 Milliarden Euro an Lehrlingsförderungen ausbezahlt. „Die Basisförderung bildet dabei den größten Anteil und unterstützt Betriebe bei der Ausbildung, bei Zusatzqualifikationen sowie bei Qualitätsmaßnahmen. Diese Mittel schaffen Stabilität für unsere Ausbildungsbetriebe. Wer in Lehrlinge investiert, investiert in die Zukunft unseres Landes – und braucht verlässliche Rahmenbedingungen“, so Görgei. Ein zusätzlicher Standortfaktor ist die jährliche Förderung der International School Carinthia in Höhe von 400.000 Euro. Sie ermöglicht es insbesondere Industriebetrieben, hochqualifizierte Fachkräfte aus dem Ausland langfristig in Kärnten zu halten. Mandl: „Das ist ein klarer Wettbewerbsvorteil. Andere Bundesländer denken bereits darüber nach, ähnliche Modelle umzusetzen.“
Klare Kritik an Abschaffung der Weiterbildungsförderung
Mit deutlicher Kritik reagiert die Wirtschaftskammer Kärnten auf die überfallsartige Abschaffung der Weiterbildungsförderung des Landes Kärnten. Bisher wurden jährlich rund 1.800 Berufstätige mit einem Fördervolumen von rund 1,9 Millionen Euro unterstützt. Gefördert wurden arbeitsmarktrelevante Qualifikationen, insbesondere für jene mit einem Bruttoeinkommen unter 3.500 Euro monatlich - also genau jene Fachkräfte, die sich mit großem persönlichem Einsatz weiterentwickeln wollten, jedoch nicht über unbegrenzte finanzielle Mittel verfügen.
Die Streichung der Förderung ist daher keine nachhaltige Sparmaßnahme, sondern eine kurzsichtige Budgetentscheidung mit langfristigen negativen Folgen. Die 1,9 Millionen Euro im Landeshaushalt stehen in keinem Verhältnis zum volkswirtschaftlichen Nutzen qualifizierter Fachkräfte. Kärnten ist das einzige Bundesland ohne entsprechende Weiterbildungsförderung – während andere Länder ihre Programme trotz Sparzwangs ausbauen oder gezielt weiterentwickeln. Das sendet ein fatales Signal an Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer ebenso wie an Unternehmen. „Weiterbildung ist kein Luxus, sondern eine wirtschaftliche Notwendigkeit. Gerade jene Menschen, die sich neben dem Beruf weiterentwickeln wollen, brauchen verlässliche Rahmenbedingungen.“ Mandl warnt: „Wer bei Weiterbildung spart, spart am falschen Ende. Fachkräfteentwicklung braucht Stabilität und Verlässlichkeit – keine abrupten Kürzungen.“
Bildung bleibt eine zentrale Zukunftsaufgabe
Die Herausforderungen sind nach wie vor groß: Der demografische Wandel, der anhaltende Fachkräftemangel sowie steigende Anforderungen an Qualifikation und Digitalisierung verlangen konsequentes und entschlossenes Handeln. „Unser klarer Auftrag lautet daher, die Berufsorientierung weiter zu stärken, die Betriebe bei der Ausbildung spürbar zu entlasten und die Qualität sowie Attraktivität der Lehre kontinuierlich zu erhöhen“, so Görgei. Mandl abschließend: „Bildung ist und bleibt die stärkste Standortgarantie für Kärnten.“