Spürnasen Primary – Forschen, Staunen, Verstehen
MINT-Kompetenzen sind Schlüsselqualifikationen der Zukunft. Wie Kinder frühzeitig dafür begeistert werden können, zeigt das Pilotprojekt „Spürnasen Primary“, das auf Initiative der Sparte Industrie von der Wirtschaftskammer Kärnten ins Leben gerufen wurde. Das Programm startet an vier Kärntner Volksschulen, eine Ausrollung auf weitere Schulen ist geplant.
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Warum fällt ein Apfel schneller als ein Blatt? Wie misst man, was man nicht sehen kann? Und was passiert, wenn man etwas einfach ausprobiert, statt es erklärt zu bekommen? Genau diese Fragen stehen im Zentrum von „Spürnasen Primary“, dem neuen MINT-Pilotprojekt der Wirtschaftskammer Kärnten für Volksschulen. Das von der WK Salzburg entwickelte und vielfach bewährte Bildungskonzept wurde auf Initiative der Sparte Industrie von der Wirtschaftskammer Kärnten übernommen. Damit wird Kindern frühzeitig ein praxisnaher Zugang zu den MINT-Fächern Mathematik, Informatik, Naturwissenschaften und Technik auf spielerische und praxisnahe Weise ermöglicht.
Lernen wird greifbar und sinnstiftend
Bisher läuft das Projekt an vier Volksschulen in Kärnten, und zwar in St. Andrä, Obervellach, Liebenfels und an der VS 13 Am Spitalberg in Klagenfurt, wo es heute auch vorgestellt wurde. Insgesamt profitieren aktuell 677 Schüler:innen der ersten bis vierten Schulstufe von altersgerecht aufbereiteten Lerninhalten, die sich an den aktuellen Lehrplänen orientieren. „Das Angebot an Materialien ist sehr groß und deckt verschiedene Wissensgebiete ab. Der Einsatz wird in didaktisch wertvollen Unterlagen genau beschrieben. Wir haben den Gebrauch des ,Forscherwagens‘ im Unterricht in einer Modulstunde implementiert. Diese Werkzeuge eröffnen unseren Schüler:innen neue Perspektiven, fördern selbstständiges Forschen und machen naturwissenschaftliche Zusammenhänge greifbar. So gelingt es uns, diese Neugier gezielt aufzugreifen und in strukturierte, sinnvolle Lernprozesse zu lenken“, erklärt Maria Glockner, Direktorin der Volksschule 13 Am Spitalberg stellvertretend für alle Schulleiter:innen, die im Projekt involviert sind.
Besonders wichtig, so die Direktorin, ist dabei der Alltagsbezug: „Die Kinder erleben, dass ihre Fragen ernst genommen werden und dass Lernen nichts Abstraktes ist. Sie sehen, wie Mathematik, Technik oder Naturwissenschaften mit ihrem eigenen Leben zu tun haben. Das steigert die Motivation enorm und wirkt nachhaltig – nicht nur im Unterricht, sondern auch in der Haltung der Kinder zum Lernen insgesamt.“ Auch für das Lehrpersonal bringe das Projekt spürbare Vorteile. Glockner ergänzt: „Die hochwertigen Materialien, die klaren Anleitungen und die begleitenden Fortbildungsangebote geben unseren Pädagog:innen Sicherheit. Sie können MINT-Themen mit Freude und Selbstvertrauen vermitteln und werden zu Lernbegleiter:innen, die Entdeckungen ermöglichen. Für uns als Schule ist es ein großer Gewinn, Teil dieses Pilotprojekts zu sein. Wir sind dafür sehr dankbar.“
Fächerübergreifend, altersgerecht und niederschwellig
Spürnasen Primary ergänzt den Unterricht und verbindet die Fächer Sachunterricht, Mathematik, digitale Grundbildung, Technik sowie Umwelt- und Nachhaltigkeitsthemen in einem fächerübergreifenden Ansatz. Zum Einsatz kommen umfangreiche analoge und digitale Forscher-Materialien: Experimentiergeräte, Messinstrumente, technische Baukästen, Mikroskope, Sensoren und digitale Endgeräte. Ergänzt wird das Angebot durch eine speziell entwickelte Lern-App, mit der Beobachtungen dokumentiert, Messdaten visualisiert und Ergebnisse ausgewertet werden können. Die Materialien sind bewusst altersgerecht, niederschwellig und inklusiv gestaltet, um allen Kindern – unabhängig von Geschlecht oder sozialem Hintergrund – einen Zugang zu MINT-Themen zu ermöglichen.
Präsident Mandl: Die erste Rutsche Richtung Fachkräfteausbildung
WK-Präsident Jürgen Mandl unterstreicht die langfristige Bedeutung des Projekts: „Wir wissen, dass Berufs- und Ausbildungsentscheidungen nicht erst am Ende der Schulzeit getroffen werden. Sie entstehen viel früher – durch Erlebnisse, Erfolgserfahrungen und das Gefühl, etwas zu können.“ Gerade Projekte wie Spürnasen Primary seien deshalb entscheidend: „Wenn Kinder schon in der Volksschule erleben, dass sie technische Zusammenhänge verstehen und selbst Lösungen entwickeln können, stärkt das ihr Selbstvertrauen nachhaltig. Dieses positive Selbstbild ist eine wichtige Grundlage für spätere Bildungs- und Berufsentscheidungen.“ Mandl sieht darin auch eine klare Verbindung zur dualen Ausbildung: „Hier wird der Grundstein für die Fachkräfteausbildung gelegt – altersgerecht, interessant und niederschwellig. Wer früh MINT-Kompetenzen entwickelt, bringt später bessere Voraussetzungen für eine Lehre, eine weiterführende Schule oder ein technisches Studium mit.“ Davon profitiere auch der Wirtschaftsstandort, betont Mandl: „Wir investieren damit nicht nur in junge Menschen, sondern in die Wettbewerbsfähigkeit Kärntens insgesamt. Wer heute früh MINT-Kompetenzen fördert, sichert morgen Innovation, Wertschöpfung und Arbeitsplätze.“
Hoher pädagogischer Mehrwert und messbare Wirkung
Bildungsdirektorin Isabella Penz unterstreicht den hohen Stellenwert der MINT-Fächer im Bildungssystem. „MINT-Fächer haben einen besonders hohen pädagogischen Mehrwert. Sie fördern analytisches Denken, Kreativität, Problemlösungskompetenz und selbstständiges Arbeiten. Fähigkeiten, die weit über den Fachunterricht hinausgehen.“ Zudem zeigen auch aktuelle Zahlen die Wirkung früher MINT-Förderung. „Mit einem Anteil von 8,2 % weist Kärnten im Bundesvergleich den höchsten Anteil an Mädchen auf, die nach Abschluss der Sekundarstufe I eine höhere technische Schule besuchen. Das ist kein Zufall, sondern das Ergebnis kontinuierlicher und vielfältiger MINT-Initiativen bereits in den Volksschulen.“ Projekte wie Spürnasen Primary leisten einen wichtigen Beitrag dazu, früh Interesse zu wecken und stereotype Rollenbilder gar nicht erst entstehen zu lassen. „Je früher Kinder positive Erfahrungen mit MINT machen, desto selbstverständlicher werden diese Bildungswege später.“
Starke Impulse für den Wirtschaftsstandort Kärnten
Ob Digitalisierung, Industrie, Energie, Mobilität oder nachhaltige Technologien: Innovation entsteht dort, wo mathematisch-technisches Verständnis vorhanden ist. „Die Industrie befindet sich mitten in einem tiefgreifenden Wandel“, erklärt Michael Velmeden, Obmann der Sparte Industrie. „Automatisierung, Digitalisierung und neue Technologien verändern Produktionsprozesse rasant. Dafür brauchen wir bestens ausgebildete Fachkräfte – und zwar in allen Qualifikationsstufen. Projekte wie Spürnasen Primary sind deshalb von enormer Bedeutung, weil sie das Fundament legen. Wer früh Interesse an Technik entwickelt, entscheidet sich später eher für eine technische Ausbildung oder ein entsprechendes Studium. Das ist ein klarer Vorteil für den Industriestandort Kärnten.“
Industrie-Initiative
Umso mehr freue es die Kärntner Industrie, dass die Wirtschaftskammer Kärnten das Projekt nun gemeinsam mit der Bildungsdirektion in die Umsetzung bringt und damit eine starke, breit getragene Basis für die Förderung von Technikbegeisterung bereits in der Volksschule schafft. Der Fachkräftemangel im MINT-Bereich zählt zu den größten Herausforderungen für die Kärntner Wirtschaft. Gleichzeitig ist gut ausgebildeter Nachwuchs ein entscheidender Standortfaktor. Spürnasen setzt genau hier an und investiert langfristig in die Fachkräfte von morgen. Velmeden unterstreicht zudem den langfristigen Nutzen: „Für unsere Betriebe ist entscheidend, dass es auch in Zukunft ausreichend qualifizierte Fachkräfte gibt. Frühzeitige Projekte wie Spürnasen Primary sind ein wichtiger Baustein, um junge Menschen für Technik zu begeistern und ihnen Perspektiven aufzuzeigen.“
Bewährtes Konzept mit klarer Perspektive für Kärnten
Für die Wirtschaftskammer Kärnten bildet das Programm Spürnasen Primary die Grundlage für eine verstärkte IT- und MINT-Ausbildung. „Mit Spürnasen Primary erweitern wir bewusst den Ansatz des forschenden Lernens auf die Primarstufe. Uns geht es darum, Neugier nicht dem Zufall zu überlassen, sondern sie strukturiert zu fördern. Wer schon früh erlebt, dass Lernen durch Ausprobieren, Fragenstellen und eigenes Denken funktioniert, entwickelt genau jene Kompetenzen, die später in Schule, Beruf und Wirtschaft entscheidend sind“, betont Andreas Görgei, Leiter der Abteilung Bildungspolitik der Wirtschaftskammer Kärnten. Besonders beeindruckend für Görgei ist es zu sehen, mit welcher Begeisterung Kinder an die Aufgaben herangehen: „Wenn ein Kind sagt: ‚Ich habe das selbst herausgefunden‘, dann ist das ein enormer Lernerfolg. Genau diese Erfahrung wollen wir möglichst vielen Kindern in Kärnten ermöglichen.“
Jede Schule ist mit einem hochwertigen mobilen Labormöbelstück sowie einer umfangreichen Sammlung an altersgerechten Forscherutensilien aus den Bereichen Mathematik, Informatik, Naturwissenschaft und Technik ausgestattet. Ergänzt wird diese Ausstattung durch analoge und digitale Lernmaterialien wie Mikroskope, Messgeräte, Roboter, Elektrobaukästen, Sensoren sowie Tablets mit einer eigenen Spürnasen-App. Die Lernmaterialien enthalten zahlreiche Experimentieranleitungen, Methodenkarten und fertig ausgearbeitete Unterrichtsplanungen. Im Unterricht können die Materialien je nach Klasse flexibel eingesetzt und in den regulären Lehrplan integriert werden. Die Rückmeldungen aus den Schulen zeigen deutlich, dass die innovativen Materialien und klar strukturierten Konzepte sowohl bei Kindern als auch bei Lehrkräften auf große Begeisterung stoßen. Görgei: „Wir investieren mit diesem Projekt in Bildungsqualität, Chancengerechtigkeit und in die Zukunft des Standorts Kärnten. Als Wirtschaftskammer sehen wir es als unseren Auftrag, Bildungsinitiativen zu unterstützen, die nachhaltig wirken. Spürnasen Primary verbindet pädagogische Qualität mit Zukunftsrelevanz – und genau deshalb treiben wir die kärntenweite Ausrollung aktiv voran.” In den kommenden Wochen wird im Testcenter Carinthia eine eigene „Spürnasen-Primary“-Ecke eingerichtet. „Unsere Mitarbeiter:innen werden dafür entsprechend geschult, um interessierten Volksschulen das Projekt näher vorzustellen. Ziel ist es, Volksschulen gezielt anzusprechen und einzuladen, sich vor Ort ein Bild von diesem besonderen Projekt zu machen und es auch selbst auszuprobieren. Für uns ist dies ein wichtiger Schritt, das Testcenter Carinthia bereits für Volksschulkinder zu öffnen.“