Wandel und Aufbruch für eine starke Kärntner Bauwirtschaft
Der Campus der FH Kärnten in Villach war heute Treffpunkt der Baubranche: Anlässlich des 5.„Tag der Kärntner Bauwirtschaft“ wurde ein starkes Zeichen für Innovation, Wettbewerbsfähigkeit und Zukunftsorientierung gesetzt.
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Die Bauwirtschaft ist eine tragende Säule der Kärntner Wirtschaft. Rund 5.000 Unternehmen erwirtschaften eine Gesamtwertschöpfung von 2,7 Milliarden Euro und sichern etwa 40.000 Arbeitsplätze. Zudem ist die Branche der größte Lehrlingsausbildner des Landes: Über 2.000 junge Menschen werden in Bau- und Technikberufen ausgebildet – rund ein Drittel aller Lehrlinge in Kärnten. Trotz dieser beeindruckenden Kennzahlen steht die Bauwirtschaft aktuell vor großen Herausforderungen.
Zukunft aktiv gestalten
Unter dem Motto „Wandel und Aufbruch: Die Zukunft der Bauwirtschaft in Kärnten gestalten“ versammelten sich heute beim 5. „Tag der Kärntner Bauwirtschaft“ führende Unternehmen, Entscheidungsträger:innen, Expert:innen sowie der Branchennachwuchs. Diskutiert wurden unter anderem Nachhaltigkeit als Geschäftsstrategie, leistbarer Wohnbau, modulare und hybride Bauweisen, KI-Anwendungen am Bau sowie innovative Finanzierungsmodelle. Damit griff die Veranstaltung zentrale Themen auf, mit denen die Branche konfrontiert ist: steigender Kostendruck, zunehmende regulatorische Anforderungen und ein anhaltender Fachkräftemangel.
Die Bauwirtschaft ist ein wichtiger Konjunkturmotor. WK Präsident Jürgen Mandl: „Wenn sie schwächelt, spürt das die gesamte Wirtschaft. Umso wichtiger ist es jetzt, verlässliche und investitionsfreundliche Rahmenbedingungen zu schaffen. Gleichzeitig stehen wir in Kärnten vor einer historischen Chance: Mit der Koralmbahn und der Entwicklung der AREA Süd entsteht ein neuer, international wettbewerbsfähiger Wirtschaftsraum im Süden Österreichs. Für die Bauwirtschaft bedeutet das enorme Potenziale – vom Infrastrukturausbau über Gewerbe- und Industrieprojekte bis hin zu zusätzlichem Wohnraum entlang der neuen Entwicklungsachsen. Die AREA Süd kann zu einem Wachstumsmotor für Jahrzehnte werden. Damit wir dieses Potential nutzen können, müssen wir dringend die richtigen Weichen stellen: mit Planungssicherheit, schnelleren Genehmigungsverfahren und klaren wirtschaftspolitischen Signalen. Kärntens Bauwirtschaft hat in der Vergangenheit bewiesen, dass sie leistungsfähig, innovativ und krisenfest ist. Sie ist nicht nur ein Wirtschaftsfaktor, sondern auch ein Garant für Ausbildung, Beschäftigung und regionale Stabilität.“
Bürokratie abbauen, Digitalisierung vorantreiben
Die Kärntner Bauwirtschaft steht unter starkem bürokratischem und wirtschaftlichem Druck. Langwierige Genehmigungserfahren und steigende administrative Anforderungen erschweren insbesondere Sanierungen und Umbauten. Bau-Landesinnungsmeister Robert Rauter, sieht dringenden Reformbedarf: „Die Liste der Dinge, die mich nachdenklich stimmen, ist derzeit länger. Der bürokratische Aufwand nimmt stetig zu, und man hat zunehmend das Gefühl, dass Verwaltung und Vorschriften zum Selbstzweck werden. Der Zugang ‚Vorschrift ist Vorschrift‘ verhindert mehr, als er ermöglicht.“
Digitalisierung und Künstliche Intelligenz bieten aus Sicht ausführender Unternehmen einen wichtigen Hebel zur Entlastung. Digitale Bauverfahren können Prozesse beschleunigen, transparenter gestalten und die Planbarkeit für Betriebe verbessern – insbesondere in einem Bundesland mit vielen kleineren Gemeinden. Auch aus Sicht der Kärntner Bauwirtschaft braucht es klare Rahmenbedingungen. Rauter fordert ein gemeinsames Vorgehen: „Digitale Verfahren können nur dann ihre Wirkung entfalten, wenn sie landesweit gedacht werden und nicht an Gemeindegrenzen enden.“
Wie weit digitale Bauverfahren gehen können, zeigt ein Pilotprojekt in Wien, das Harald Kopececk, Geschäftsführer der Zukunftsagentur Bau, vorstellte. Beim Projekt „Brise Vienna“, ursprünglich an der TU Wien entwickelt und mittlerweile von der Stadt Wien betrieben, werden Bauanträge als vollständige 3D-BIM-Modelle eingereicht. Eine KI prüft automatisiert zentrale baurechtliche Vorgaben wie Gebäudehöhe, Brandschutz oder Fluchtwege. Innerhalb von rund 30 Minuten erhalten Antragsteller:innen eine erste Rückmeldung, bevor die behördliche Detailprüfung erfolgt.
Praxis, die Zukunft schafft
Was im Bauforum theoretisch beleuchtet wurde, wird auf der Baustelle tagtäglich gelebt. Die „Lebende Baustelle“ im Foyer machte diese Wechselwirkung unmittelbar erfahrbar. Noah Trettenbrein mauerte gemeinsam mit Polier Harald Spitzer das FH-Logo in eine Steinwand und setzte damit ein sichtbares Zeichen für gelebtes Handwerk und berufliche Exzellenz. Noah, der seine Lehre als Maurer im Vorjahr erfolgreich abgeschlossen hat, zählt zu den drei Kärntner Nachwuchstalenten, die im September bei den Berufsweltmeisterschaften in Shanghai im Bereich Hochbau antreten werden. Er steht exemplarisch für eine neue Generation qualifizierter Fachkräfte – kompetent, präzise und bereit, die Zukunft des Bauens aktiv mitzugestalten.
Gemeinsam für eine starke Bauwirtschaft
Der Tag der Kärntner Bauwirtschaft hat gezeigt, dass die Branche trotz aller Herausforderungen voller Tatendrang ist. Wohnbau- und Arbeitsmarktreferentin LHStv.in Gaby Schaunig verwies auf die aktuelle Sanierungsoffensive des Landes Kärnten als wichtigen Impuls für Bauwirtschaft und Beschäftigung: „Mit unseren Sanierungsförderungen setzen wir bewusst auf den Gebäudebestand, weil jeder investierte Euro gleichzeitig Klimaschutz, regionale Wertschöpfung und sichere Arbeitsplätze in der Kärntner Bauwirtschaft stärkt. Sanieren bedeutet Aufträge für heimische Betriebe und Perspektiven für Beschäftigung in den Regionen. Der Tag der Kärntner Bauwirtschaft ist eine wichtige Plattform für Austausch und gemeinsame Perspektiven – ebenso wie der Kärntner Baugipfel, zu dem das Land regelmäßig einlädt, um die Weiterentwicklung der Bauwirtschaft gemeinsam voranzutreiben.“