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Drei Personen stehen um einen Werktisch in einer großen Werkstatt. Eine der Personen hält ein Holzstück und zeigt es den anderen beiden. Die anderen Personen halten jeweils einen Block und einen Stift
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Sparte Gewerbe und Handwerk

Studie zu Leistungen der österreichischen Ausbildungsbetriebe

Eine qualitative Analyse zur Bildungsfunktion von Lehrbetrieben

Lesedauer: 1 Minute

03.02.2026

Österreichs Ausbildungsbetriebe vermitteln in der Lehrlingsausbildung nicht nur Fachkenntnisse, Fertigkeiten und Erfahrungen, sondern leben in der täglichen Zusammenarbeit im Betrieb Werte, Haltungen und soziale Skills. Eine Studie des Instituts für angewandte Gewerbeforschung (IAGF) rückt diese informellen Leistungen der Unternehmen als Bildungsträger in den Mittelpunkt.

Mehr als Fachwissen: Die Breite der dualen Berufsausbildung

Die duale Berufsausbildung in Österreich ist weit mehr als die strukturierte Vermittlung fachlicher
Inhalte und das Erreichen definierter Qualifikationsziele laut Ausbildungsordnung. Gerade in der betrieblichen Ausbildung im Lehrbetrieb entfaltet sich ein Bereich, der im bildungspolitischen Diskurs oft unterbelichtet bleibt: das "Hidden Curriculum" – jener Teil des Lernens, der nicht explizit gelehrt, sondern implizit erlebt wird.

Es sind nicht nur Werkzeuge, Arbeitsprozesse oder Fachwissen, die in Ausbildungsbetrieben vermittelt werden, sondern auch Werte, Haltungen und das soziale Miteinander, die im täglichen Tun erfahrbar werden.

Wie Betriebe Jugendliche prägen: Verantwortung, Teamgeist und Verlässlichkeit

Hier erfahren die Auszubildenden, was es heißt, Verantwortung zu übernehmen, Zuverlässigkeit zu
leben und sich als Teil eines größeren Ganzen zu verstehen. Diese impliziten oder auch "stillen" Bildungsprozesse wirken oft nachhaltiger als formale Lernziele und reichen von "pünktlich sein", "Vereinbarungen einhalten", "sich auf den anderen verlassen können", "ein guter Teamplayer sein", "Eigeninitiative zeigen", "konzentriert bei der Sache bleiben" bis hin zu Vielem mehr. All diese Kompetenzen sind nicht weniger wichtig als formale Fachkenntnisse. Im Gegenteil: Sie erweisen sich oft als Schlüssel zum Ausbildungserfolg, da sie das Fundament für berufliche Integration und persönliche Reifung legen.

Ausbildungsbetriebe übernehmen damit weit mehr als eine Qualifizierungsfunktion: Sie wirken als
pädagogische Akteure, als Begleiter beim Erwachsenwerden und als emotionale Anker in einer
sensiblen Entwicklungsphase.

Still, aber wirkungsvoll: Informelle Bildungsprozesse als Erfolgsfaktor

Gleichzeitig zeigen bildungspolitische Studien (vgl. Dornmayr, 2024; Bliem et al. 2014, Euler, 2023), dass diese informellen Bildungsleistungen vielfach unsichtbar bleiben. Sie werden weder bildungspolitisch gewürdigt noch systematisch beforscht – obwohl sie maßgeblich den sozialen und persönlichen Erfolg von einer Lehrausbildung prägen.

Daher ist es umso wichtiger, das Konzept des "Hidden Curriculum" in der beruflichen Bildung sichtbar zu machen und als eigenständigen Bildungswert anzuerkennen. In einer Zeit gesellschaftlicher Polarisierung und wirtschaftlicher sowie technischer Transformation kann die duale Ausbildung nicht nur Fachkräfte sichern, sondern auch soziale Kohäsion und eine Wertehaltung fördern – still und wirkungsvoll in den Werkstätten und Büros der Betriebe.

Die Studie: Ein Blick auf das, was im Hintergrund wirkt

Die vorliegende Studie will genau hier ansetzen: Es soll sichtbar werden, was im Hintergrund wirkt. Diese Erhebung rückt jene informellen, sozialen und emotionalen Leistungen in den Fokus, die Ausbildungsbetriebe tagtäglich erbringen – leise und still, aber mit nachhaltiger Bildungswirkung. Damit soll ein Beitrag geleistet werden für eine Lehre, die nicht nur ausbildet, sondern auch prägt, verbindet und verändert.

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