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Sparte Industrie

Industrie kämpft 2025 mit Kostendruck und Nachfrageschwäche

Informationen der Bundessparte Industrie

Lesedauer: 5 Minuten

22.01.2026

Österreichs Industrie bleibt mit einer schwachen Auftragslage konfrontiert, steigende Arbeits- und Energiekosten setzen die Unternehmen unter Druck.

Von einer echten Erholung kann in der heimischen Industrie auch im Jahr 2025 keine Rede sein. Zwar liegt die abgesetzte Produktion in den ersten drei Quartalen geringfügig über dem Niveau des Vorjahres – ein Plus von 1,7 Prozent bzw. 2,6 Milliarden Euro in den ersten drei Quartalen –, doch dieser Zuwachs reicht bei weitem nicht aus, um die Einbrüche der Vergangenheit auszugleichen: Zwischen den ersten drei Quartalen 2023 und 2024 hatte die Industrie rund 13 Milliarden Euro an Produktion verloren. Ohne die Gas- und Wärmeversorger sowie die Energierohstoff- und Kraftstoffindustrie (vormals Mineralölindustrie) beträgt das Minus immer noch etwa 8 Milliarden Euro.

Besonders deutlich wird die anhaltende Schwäche beim Blick in die Fachverbände: In der Hälfte der Fachverbände liegt die abgesetzte Produktion im Zeitraum Jänner bis September 2025 unter dem Vorjahreswert. Stark rückläufig bleibt die Situation vor allem in der Energierohstoff- und Kraftstoffindustrie, in der Fahrzeugindustrie sowie in den Bergwerken und der Stahlindustrie. Diese Bereiche verzeichnen nicht nur gegenüber 2024 deutliche Rückgänge, sondern auch schon in der Periode von 2023 auf 2024.

Auf der anderen Seite gibt es einige Fachverbände, die zugelegt haben: Die Chemische Industrie profitiert insbesondere von einer positiven Entwicklung in der Pharmaindustrie. Auch die Gas- und Wärmeversorgungsunternehmen, die Elektro- und Elektronikindustrie sowie die Metalltechnische Industrie konnten wertmäßig zulegen. Allerdings gilt für all diese Fachverbände: Die aktuellen Steigerungen reichen nicht aus, um die erheblichen Produktionsverluste, die es von 2023 auf 2024 in den ersten drei Quartalen gab, wettzumachen.

Damit bestätigt sich: Die österreichische Industrie scheint sich zwar auf niedrigem Niveau zu stabilisieren, doch von einem klaren Aufholprozess ist in den ersten drei Quartalen 2025 noch wenig zu erkennen.

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© Q.: Statistik Austria; Konjunkturstatistik Produzierender Bereich, Sonderauswertung nach der Kammersystematik, bis 2024 endgültig, ab 2025 vorläufig inkl. BSI-Adaptierung

Die Lage bei den Auftragseingängen unterscheidet sich kaum vom Gesamtbild der Produktion: Insgesamt zeigt sich in den ersten drei Quartalen 2025 weitgehend Stagnation. Mit einem Plus von 2,5 Prozent bzw. 2,4 Milliarden Euro bleiben die Auftragseingänge auf einem Niveau, das die Rückgänge der vergangenen Jahre nicht ausgleichen kann.[1] Seit dem deutlichen Einbruch zwischen den ersten drei Quartalen 2022 und 2023 in Höhe von knapp 9 Milliarden Euro hat sich die industrielle Auftragslage nicht breitflächig erholt. Weder zwischen 2023 und 2024 noch im laufenden Jahr ist ein spürbarer Aufschwung erkennbar; die anhaltende Auftragsschwäche belastet unzählige Industrieunternehmen.

Auch konjunkturelle Stimmungsindikatoren zeichnen ein zurückhaltendes Bild: Laut dem UniCredit Bank Austria EinkaufsManagerIndex (EMI) hat sich die Industriekonjunktur zum Jahresende 2025 erneut eingetrübt. Von einer stabilen und nachhaltigen Wachstumsphase ist demnach weiterhin keine Rede.

Auf Ebene der Fachverbände zeigen sich Unterschiede: Während die Auftragseingänge in der Fahrzeugindustrie sowie in den Bergwerken und der Stahlindustrie im Zeitraum Jänner bis September 2025 unter den Vorjahreswerten liegen, können andere Bereiche zulegen. In der Elektro- und Elektronikindustrie sowie in der Chemischen Industrie steigen die Auftragsbestände an. Die positiven Impulse dieser Sektoren reichen jedoch nicht aus, um das gesamtindustrielle Bild markant zu drehen.

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© Q.: Statistik Austria; Konjunkturstatistik Produzierender Bereich, Sonderauswertung nach der Kammersystematik, bis 2024 endgültig, ab 2025 vorläufig inkl. BSI-Adaptierung

In den ersten drei Quartalen 2025 verzeichnet die österreichische Industrie erneut einen deutlichen Rückgang beim Beschäftigtenstand. Das Gesamtpersonal – bestehend aus Eigen- und Fremdpersonal – liegt um 3,4 Prozent unter dem Niveau des Vorjahres. Beim Eigenpersonal ergibt sich ein Minus von 3,0 Prozent, was rund 13.400 Personen entspricht. Beim Fremdpersonal fällt der prozentuelle Rückgang mit 10,1 Prozent bzw. etwa 2.500 Personen noch stärker aus. Insgesamt sind 11 der 16 Fachverbände von einer Reduktion beim Eigenpersonal betroffen.

In vielen Fachverbänden setzt sich damit ein bereits zuvor erkennbarer Trend fort: Mehrere Fachverbände weisen nicht nur in den ersten drei Quartalen zwischen 2024 und 2025, sondern bereits von 2023 auf 2024 rückläufige Beschäftigtenzahlen auf. Dazu zählen etwa die Metalltechnische Industrie, die Fahrzeugindustrie, die Textil-, Bekleidungs-, Leder- und Schuhindustrie, die Stein- und keramische Industrie sowie die Holzindustrie. Die Beschäftigungsentwicklung zeigt auf, wie angespannt die Lage in vielen Bereichen der Industrie bleibt. Parallel dazu sieht sich die Industrie mit strukturellen Wettbewerbsfaktoren konfrontiert, die den Druck zusätzlich erhöhen.

Die Wettbewerbsfähigkeit der Industrie steht derzeit unter starkem Druck. Besonders prägend sind drei Faktoren: hohe Arbeits- und Lohnnebenkosten, die die Kostenstrukturen direkt belasten; steigende Energiekosten, die vor allem in energieintensiven Branchen die Planungssicherheit einschränken; sowie eine vielfach zu geringe Profitabilität, die Investitionen und Innovationsfähigkeit limitiert. In all diesen Bereichen ist die Industrie deutlich stärker betroffen als der österreichische Durchschnitt. Auch globaler Wettbewerbsdruck und Lieferkettenengpässe spielen weiterhin eine Rolle, stehen jedoch nicht so stark im Vordergrund wie Kosten- und Energiefragen.

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© Quelle: WBA-Winter 2025, Sonderauswertung für die BSI, n=85

Um die kurzfristigen Wachstumsaussichten in den kommenden zwölf Monaten zu verbessern, sehen Industrieunternehmen vor allem drei Maßnahmen als vordringlich: die Senkung von Arbeits- und Lohnnebenkosten, die Sicherstellung wettbewerbsfähiger Energiepreise sowie den Abbau bürokratischer Hürden, um Projekte und Investitionen zu beschleunigen.

Für das mittelfristige Wachstumspotenzial über die nächsten drei bis fünf Jahre werden zusätzliche wirtschaftspolitische Schritte als zentral erachtet. Dazu zählen eine verlässliche und kostengünstige Energieversorgung, eine nachhaltige Senkung der Steuer- und Abgabenquote sowie tiefgreifende Strukturreformen in Bereichen wie Pensionen, Bildung, Gesundheit oder Föderalismus. Gleichzeitig betonen Industrieunternehmen die Bedeutung der Nutzung digitaler und KI‑basierter Technologien, eine aktive europäische Handelspolitik, eine Stärkung von Forschung, Technologie und Innovation sowie eine gezielte Qualifizierungsoffensive zur Eindämmung des Fachkräftemangels.

Erst wenn wirtschaftspolitische Hebel greifen und geopolitische Risiken besser abgefedert werden, kann sich die Industrie von der aktuellen Schwächephase lösen und wieder auf einen nachhaltigen Wachstumspfad einschwenken.

Autorin:

Mag. Sandra Lengauer
E-Mail: sandra.lengauer@wko.at


[1] Erhoben wird diese Kenngröße für 10 der 16 Fachverbände. Für die Gas- und Wärmeversorgungsunternehmungen, die Energierohstoff- und Kraftstoffindustrie, die Stein- und keramische Industrie sowie die Glasindustrie steht dieser Indikator nicht zur Verfügung. Für die Holz- und die Nahrungs- und Genussmittelindustrie ist die Erhebungsmasse vergleichsweise gering. 

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