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Verschiedene Euromünzen liegen gestapelt. aneinandergereiht auf mehreren Euroscheinmünzen, im Hintergrund zeigt sich eine blaue Flagge der europäischen Union mit einem Ausschnitt von gelben Sternen
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Finanzdienstleister, Fachverband

EU-Strategie zur Finanzkompetenz

Weiterentwicklung der Spar- und Investitionsunion für EU-Bürger:innen

Lesedauer: 3 Minuten

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20.03.2026

Ziel des Vorschlages

Die von der Europäischen Kommission am 30.9.2025 veröffentlichte EU-Strategie zur Finanzkompetenz (EU Financial Literacy Strategy, EU-FLS) ist Teil der im Jahr 2025 vorgestellten Spar- und Investmentunion (SIU) und verfolgt das Ziel, die finanzielle Kompetenz der Bürger:innen in der Europäischen Union systematisch zu stärken. Sie soll Menschen in die Lage versetzen, fundierte finanzielle Entscheidungen zu treffen, Risiken besser zu verstehen und verantwortungsvoll an Spar- und Investitionsentscheidungen teilzunehmen.

Ausgangspunkt ist die Feststellung, dass viele EU-Bürger:innen ihre Ersparnisse überwiegend als Bankeinlagen halten, während Kapitalmärkte für langfristige Vermögensbildung, Altersvorsorge und wirtschaftliches Wachstum eine zunehmend wichtige Rolle spielen. Fehlende Finanzkenntnisse, Unsicherheit gegenüber Risiken und mangelndes Vertrauen stellen dabei zentrale Hürden dar.

Die EU-Strategie zur Finanzkompetenz unterstützt folgende zentrale Ziele der SIU:

  • Mobilisierung privater Ersparnisse für produktive Investitionen
  • Stärkere Beteiligung von Privatanleger:innen an den Kapitalmärkten
  • Verbesserung der finanziellen Resilienz privater Haushalte
  • Stärkung von Vertrauen, Anlegerschutz und Marktintegrität

Zentrale Zielgruppen

Die Financial Literacy Strategie richtet sich insbesondere an:

  • Schüler:innen und junge Erwachsene
  • Berufstätige und Haushalte mit Spar- und Anlageentscheidungen
  • Selbständige und KMU
  • Ältere Menschen im Hinblick auf Altersvorsorge
  • Vulnerable Gruppen mit eingeschränktem Zugang zu Finanzinformationen

Wesentliche Inhalte

1. Frühzeitige und systematische Finanzbildung

  • Verankerung finanzieller Grundbildung bereits auf Sekundarschulniveau
  • Vermittlung von Basiswissen zu Sparen, Investieren, Risiko, Rendite und Diversifikation
  • Förderung des Verständnisses für langfristige Finanzplanung und Altersvorsorge
  • Berücksichtigung nationaler Bildungssysteme bei gleichzeitiger EU-weiter Koordinierung

2. Stärkung von Risikobewusstsein und Anlegerschutz

  • Klare Vermittlung des Zusammenhangs zwischen Risiko und Rendite
  • Verständnis für Marktschwankungen und Verhaltensverzerrungen
  • Ergänzung von Finanzbildung durch einen starken regulatorischen Anlegerschutzrahmen
  • Keine Substitution von Regulierung durch Bildungsmaßnahmen

3. Rolle von Finanzintermediären und Beratern

  • Anerkennung des Beitrags regulierter Finanz- und Versicherungsvermittler zur Finanzbildung
  • Klarstellung, dass bestehende Regulierungen (IDD, MiFID II, RIS) bereits hohe Qualitäts- und Qualifikationsanforderungen vorsehen
  • Ablehnung zusätzlicher EU-weiter Zertifizierungs- oder Label-Systeme aufgrund von Verwaltungsaufwand, mangelnder Akzeptanz und begrenztem Mehrwert

4. Finfluencer und digitale Informationskanäle

  • Anerkennung der wachsenden Bedeutung von Finfluencern insbesondere für junge Zielgruppen
  • Klare Abgrenzung zwischen allgemeiner Finanzinformation und regulierter Beratung
  • Anwendung bestehender EU-Regelwerke (z. B. MiFID II, IDD) auf Finfluencer, sofern sie regulierte Tätigkeiten ausüben
  • Sicherstellung von Transparenz, Interessenkonflikt-Offenlegung und Verbraucherschutz

5. Digitale Tools und Vergleichbarkeit

  • Förderung unabhängiger, benutzerfreundlicher digitaler Vergleichs- und Informationsinstrumente
  • Unterstützung durch die Europäische Kommission und die Mitgliedstaaten
  • Beitrag zur besseren Entscheidungsfindung ohne Vereinfachung komplexer individueller Kundensituationen

6. Grenzen von Standardisierung und Vereinfachung

  • Anerkennung der Komplexität individueller finanzieller Lebenssituationen
  • Kritische Haltung gegenüber Forderungen nach stark standardisierten oder „einfachen“ Finanzprodukten
  • Betonung, dass Vereinfachung von Informationen nicht zu Fehlanreizen oder unzureichender Beratung führen darf

Aktueller Stand und Ausblick:

  • Diskussion des Initiativberichts des ECON-Ausschusses zu finanzieller Bildung und Finfluencern im Januar 2026
  • Abstimmung im ECON-Ausschuss geplant für Februar 2026
  • Weitere legislative und nicht-legislative Initiativen im Rahmen der SIU zu erwarten
  • Evaluierung der Wirksamkeit der Financial Literacy Maßnahmen im Zuge der SIU-Halbzeitüberprüfung 2027

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