Gute Chancen für Ältere am Arbeitsmarkt
Argumente der WKÖ
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2025 waren in Österreich 77,6 % der Menschen im erwerbsfähigen Alter (20 – 64 Jahre) erwerbstätig, in der EU 76,1 %. Bei den 55- bis 64-Jährigen waren 2025 in Österreich 60,9 % erwerbstätig, im EU-Schnitt waren es 66,4 %. Hauptgrund für die unterdurchschnittliche Erwerbsbeteiligung Älterer ist das frühe Pensionsantrittsalter in Österreich. Stabile Dienstverhältnisse älterer Beschäftigter, Arbeitsrecht und höhere Lohnansprüche erschweren die Reintegration älterer Arbeitsloser.
2024 ist die Beschäftigung Älterer abermals überdurchschnittlich angestiegen.
Die Beschäftigung Älterer stieg gegenüber dem Vorjahr mit +1,1 % überdurchschnittlich. 1,18 Mio. Personen 50+ waren unselbständig beschäftigt. Über alle Altersgruppen blieb die Beschäftigung nahezu konstant.
Seit 2015 ist die Erwerbstätigenquote der 55– bis 64-Jährigen von 46,3 % auf 60,9 % angestiegen. Besonders stechen die Frauen zwischen 55 und 59 Jahren mit plus 21,5 %-Punkte hervor. Bei Männern zw. 60 und 64 Jahren hat sich die Erwerbstätigenquote seit 2015 um 18,4 %-Punkte erhöht. Die Erwerbstätigenquoten sinken jedoch stark, sobald der Pensionsantritt möglich wird.
Die Arbeitslosigkeit Älterer entwickelt sich parallel zur allgemeinen Arbeitslosigkeit
Im Jahresschnitt 2024 stieg die allgemeine Arbeitslosenquote um +0,4 %-Punkte auf 7,4 %. Jene der 50+ um 0,4 %-Punkte auf 7,6 %. Ältere werden seltener arbeitslos. Wenn Ältere arbeitslos werden, haben sie eine längere Suchdauer (165 Tage, alle Altersgruppen:123 Tage). Ein Grund dafür sind gesundheitliche Einschränkungen: 41,4 % der Arbeitslosen 50+ und 44,5 % der Arbeitslosen 55+ haben laut AMS gesundheitliche Einschränkungen (alle Altersgruppen: 23,3 %).
Endigungsgründe von Dienstverhältnissen über 50-Jähriger
Rund 80 % aller Dienstverhältnisse von über 50-Jährigen, die im Jahr 2025 geendet haben, endeten durch einvernehmliche Lösung, DN-Kündigung, Lösung in der Probezeit, Zeitablauf oder Pensionierung. Lediglich 9 % endeten durch Dienstgeberkündigung.
Ältere sind gut in den Arbeitsmarkt integriert und stabil beschäftigt
Ältere treten zu 70 % direkt aus dem Erwerbsleben in die Pension über. Weitere 11 % aus Arbeitslosigkeit, 6 % aus gesicherter erwerbsferner Position, der Rest aus sonstigen erwerbsfernen Positionen (AMS, EWKM, Abfrage 06/2026). Bei Frauen sind die Werte besser. Sie wechseln zu 73 % aus Beschäftigung und nur zu 8,6 % aus Arbeitslosigkeit in die Pension.
Das faktische Pensionsantrittsalter lag unter Einbeziehung der Personen mit Reha-Geldbezug in Österreich 2025 bei 61,2 Jahren (Männer: 62 Jahre, Frauen: 60,1 Jahre) und lag damit kaum höher als 2020 mit 60,3 Jahren.
In Deutschland arbeiteten 2024 fast doppelt so viele über 60-Jährige als in Österreich
Hauptursachen Pensionssystem und Pensionsmentalität
Hauptursachen für die geringe Erwerbsintegration Älterer ist das Pensionssystem, das einen frühen Pensionsantritt ermöglicht. Der stärkste Hebel zur Steigerung der Erwerbsbeteiligung Älterer liegt in der Anhebung des gesetzlichen Pensionsantrittsalter.
Maßnahmen zugunsten der Beschäftigung Älterer
Es im Interesse aller, die Beschäftigung Älterer zu steigern: Die Betroffenen erzielen höhere Einkommen und Pensionen. Die Unternehmen halten oder bekommen qualifizierte Arbeitskräfte. Das Sozial-, insbesondere das Pensionssystem bleibt finanzierbar.
Pensionssystem: Die Lebenserwartung, aber auch die Erwartung gesunder Lebensjahre steigt stetig an. Erfolgreiche Rehabilitation, oder die steuerliche Entlastung des Zuverdiensts von Personen in regulärer Alterspension kann das Erwerbsleben verlängern. Viele EU-Länder koppeln das gesetzliche Pensionsalter an die steigende Lebenserwartung.
- Löhne: Ältere Arbeitskräfte kommen Unternehmen teurer als Jüngere (mehr Urlaub, längerer Entgeltfortzahlung im Krankenstand, etc.). Während in den meisten Kollektivverträgen der Privatwirtschaft die Einkommen abgeflacht wurden, gibt es im öffentlichen Dienst noch eine große Gehaltskluft zwischen Jung und Alt.
- Ein Bonus/Malus System für Ältere würde deren Beschäftigungschancen verringern Von AK und ÖGB immer wieder geforderte Strafabgaben für Unternehmen, die weniger Ältere beschäftigen, als der Durchschnitt ihrer Branche, sind strikt abzulehnen. Ein solches System wäre sehr bürokratisch, würde die in Österreich überdurchschnittlichen Lohnnebenkosten verteuern und damit Jobchancen vernichten.
- Altersteilzeit (ATZ): Die Altersteilzeit fördert einen teilweisen Rückzug aus dem Erwerbsleben. Im Jahresschnitt 2025 waren 38.700 Personen in ATZ, die Kosten betrugen € 687 Mio. Ab. 1.11.2026 wirksame Einschränkungen sollen die Ausgaben dafür langsam sinken lassen.
- Beschäftigungsanreize: Die Eingliederungsbeihilfe (EB) des AMS geht an Unternehmen, die ältere Arbeitslose einstellen. Eine Evaluierung von L&R (Okt. 2025) zeigt, dass die EB die Beschäftigungschancen älterer Arbeitsloser verdreifacht und weniger kostet als andere Förderungen für ältere Arbeitslose.
Autorin: Mag. Maria Kaun
Stand: August 2026