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Pensionen – wie werden sie nachhaltig?

Argumente der WKÖ

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Aktualisiert am 17.03.2026

Die Finanzierung unseres Pensionssystems beruht auf einem Generationenvertrag. Erwerbstätige zahlen durch ihre Beiträge die Pensionen der heutigen Pensionisten, so wie diese die Pensionen ihrer Elterngeneration bezahlt haben.

Der Generationenvertrag kommt zunehmend unter Druck, weil sich die Altersstruktur Österreichs weiter verschiebt. Laut Statistik Austria (Bevölkerungswachstum 2024 geringer als im Vorjahr) wächst die Bevölkerung zwar auf rund 9,2 Millionen Menschen an, doch die Geburtenbilanz ist bereits das fünfte Jahr in Folge negativ: 2024 kamen 77.238 Kinder zur Welt, während 88.486 Menschen verstarben, was einem Minus von 11.248 Personen entspricht. Die Gesamtfertilitätsrate liegt mit 1,31 Kindern pro Frau auf einem neuen Tiefststand. Gleichzeitig steigt die Zahl der älteren Menschen kontinuierlich an, während die jüngeren und mittleren Erwerbsjahrgänge vergleichsweise schwächer besetzt sind.

Damit verschiebt sich auch das Verhältnis zwischen Menschen im Erwerbsalter und jenen im Pensionsalter weiter zu Ungunsten des Systems. Die demografische Alterung schreitet voran, und der Bundesbeitrag zur Finanzierung der Pensionen – also die Pensionslücke – wächst entsprechend. Dieser wird vom Steuerzahler getragen und damit im Wesentlichen von den immer weniger werdenden Personen im Haupterwerbsalter.

Bis 2040 verschiebt sich Österreichs Altersstruktur deutlich: Die Zahl der Menschen ab 65 Jahren steigt laut Statistik Austria (Zuwanderung lässt Bevölkerung weiter wachsen) von rund 1,77 auf etwa 2,57 Millionen, während die Bevölkerung im Erwerbsalter leicht zurückgeht. Dadurch nehmen die Pensionsabgänge stark zu – mehr als ein Drittel der heute unselbständig Beschäftigten wird bis 2040 in Pension gehen. Der Altersquotient steigt weiter an: Während 1950 auf eine Person im Pensionsalter noch sechs Menschen im erwerbsfähigen Alter entfielen, werden es im Jahr 2040 nur noch rund zwei sein.

Personen im Erwerbsalter, Personen im Pensionsalter
© WKÖ, designed by freepik.de

Gründe für diese Entwicklung sind die steigende Lebenserwartung, die langjährig niedrige Geburtenrate und das anhaltend niedrige Pensionsantrittsalter. 1972 gingen die Österreicher im Schnitt mit 61 Jahren in Pension – damals war die Lebenserwartung 70 Jahre, heute ist sie 82 Jahre und sie soll bis Ende des Jahrhunderts voraussichtlich auf 89,7 Jahre (Männer) bzw. 92,4 Jahre (Frauen) steigen. Wichtig ist, dass auch die Zahl gesunder Lebensjahre steigt. In Österreich gehen Männer durchschnittlich mit 61,9 und Frauen mit 59,7 Jahren in Pension (Jahresbericht Dachverband der Sozialversicherungsträger 2025). Dass vor allem Männer vor dem gesetzlichen Pensionsalter ausscheiden, liegt an den Frühpensionsmöglichkeiten Korridorpension, Langzeitversichertenpension, Invaliditätspension, Frühstarterbonus und Hacklerregelung.

Die meisten EU-Länder haben reagiert und das Pensionsantrittsalter erhöht bzw. an die steigende Lebenserwartung gekoppelt. Deutschland hebt das Pensionsantrittsalter für Männer UND Frauen bis 2029 von 65 auf 67 Jahre an. Die Niederlande heben es noch schneller auf 67 Jahre an, ab 01.01.2033 wird das Pensionseintrittsalter an die steigende Lebenserwartung gekoppelt.  Im Gegensatz dazu hat Österreich eines der niedrigsten Frauenpensionsalter in der EU, das allerdings bis 2033 vollständig angeglichen wird. Frauen verbringen im OECD‑Durchschnitt rund 22,8 Jahre im Ruhestand – deutlich mehr als Männer mit 18,6 Jahren. (Pensions at a Glance 2025 (EN)

Pensionen sind oft niedrig, wenn ihnen nur Teilzeitbeschäftigung zugrunde liegt. Das kann, muss aber keineswegs Altersarmut bedeuten, weil häufig noch andere Einkünfte (Partner, Witwenpension, aus Vermögen) vorliegen. Um vor allem Frauen Mehrarbeit zu ermöglichen, ist die Kinderbetreuung massiv auszubauen. Allerdings haben mehr als die Hälfte der Teilzeitbeschäftigten keine Betreuungspflicht.

Pensionssystem im internationalen Vergleich großzügig

Das heimische Pensionssystem fällt international nicht nur wegen des niedrigen Pensionsantrittsalters, sondern auch durch hohe Pensionen auf. Der Durchschnittsverdiener kommt in der OECD (Pensions at a Glance 2025 (EN) auf eine Pension von 63 % des bisherigen Einkommens (Nettoersatzrate). Österreicher kommen auf 87,3 % (Nettoersatzraten OECD ) und sind daher im Spitzenfeld im OECD-Vergleich. Deutsche kommen nur auf 53 %.

Pensionsantrittsalter Frauen 2033 und 2070
© WKÖ

Kein Wunder, dass die Ausgaben für Privatpensionen und Beamtenpensionen inzwischen 32,87 Mrd. Euro und damit ein Viertel der Gesamtausgaben des Bundes (123,23 Mrd. Euro) ausmachen. Bis 2027 sollen die Pensionsausgaben auf 35,2 Mrd. Euro steigen.

Vor diesem Hintergrund überrascht es nicht, dass nach dem Global Pension Index das heimische Pensionssystem in der Kategorie „Nachhaltigkeit“ unter 52 Ländern einen der letzten Plätze einnimmt.

Letztlich gibt es drei Ansätze für ein nachhaltiges Pensionssystem:

  • Die Anhebung der Beiträge (das ist angesichts des Rückgangs im Haupterwerbsalter nicht nachhaltig).
  • Abstriche bei Pensionen (das ist sozial nicht wünschenswert).
  • Längeres Arbeiten wie in allen anderen Ländern üblich, zumal auch die Zahl gesunder Lebensjahre zunimmt. Das erreichen wir, indem wir Anreize setzen (zB Befreiung des Zuverdiensts bei Alterspensionisten von PV-Beiträgen), konsequenter Prävention, Rehabilitation und Erwerbs(re)integration betreiben und den Weg (fast) aller anderen EU-Ländern gehen.



 

Autorin: MMag. Amra Bilic
Stand: März 2026