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Überstunden – Lösung, nicht Problem

Argumente der WKÖ

Lesedauer: 3 Minuten

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Aktualisiert am 21.01.2026

Seit 2019 hat in Österreich die Anzahl der geleisteten Überstunden stark abgenommen. Dadurch sinkt die Arbeitszeit, was den Arbeitskräftemangel verschärft. Wir brauchen daher Anreize für mehr, nicht für weniger Arbeitszeit. 


Nach der Statistik Austria wurden 2024 169 Mio Überstunden geleistet, um 69 Mio weniger als 2019, also vor COVID. Dieser Rückgang bei Überstunden und die Zunahme von Teilzeit führen dazu, dass die Österreicher heute im Schnitt um zwei Stunden pro Woche kürzer arbeiten als vor 2019 (261 Mio.). Wenn rund 4 Millionen Arbeitnehmer um zwei Stunden kürzer arbeiten, entspricht das einem Rückgang um 280.000 Arbeitskräften – ein Grund für die aktuelle Arbeitskräfteknappheit, die wiederum Überstunden bestehender Mitarbeiter notwendig macht. 

Überstunden bringen Unternehmen Flexibilität. Kleinbetriebe (aber auch Größere) stellen nicht bei jedem Auftrag neue Mitarbeiter ein, sondern arbeiten Spitzen mit Überstunden ab bzw. kompensieren kurzfristige Ausfälle mit Überstunden. 

Bezahlung von Überstunden 

Nach einer Umfrage aus 2023 gaben 69% der Arbeitnehmer an, Überstunden werden in Zeitausgleich vergütet, 33% sagten in Geld, 14% als Pauschale/mit All-In-Vertrag. 

Die Statistik Austria erhebt durch Befragung von Arbeitnehmern regelmäßig die Zahl der bezahlten und unbezahlten Überstunden. Dabei wurde der Wirtschaft vorgeworfen, dass eine hohe Zahl an Überstunden als unbezahlt deklariert wurde.

Zu Unrecht: Die Menschen empfinden und deklarieren Überstunden oft auch dann als unbezahlt, wenn sie pauschal oder mit Zeitguthaben, also korrekt entlohnt werden. Das erkennt man daran, dass die meisten „unbezahlten“ Überstunden auf nicht-gewerbliche Berufe bzw. auf Berufe entfallen, in denen Pauschalen üblich sind, insbesondere Lehrkräfte, sonstige akademische Berufe und Führungskräfte.

Keine Verteuerung von Arbeit 

Eine hohe Beschäftigung ist die Basis für Wertschöpfung, Wohlstand und Sozialstaat. Die Forderungen nach Einschränkung von Überstunden oder Erhöhung von Zuschlägen sind kontraproduktiv, weil sie Arbeit verteuern, statt sie zu fördern.

Gesetz und Kollektivverträge sehen bereits eine weit bessere Vergütung als in anderen Ländern vor: So sieht das Arbeitszeitgesetz für Mehrarbeit von Teilzeitbeschäftigten prinzipiell einen Zuschlag von 25% vor, für Überstunden 50%. Heimische KV sehen für qualifizierte Überstunden sogar bis zu 100% und mehr vor. Zuschläge für Überstunden sind höher als jene für Mehrarbeit, weil sie die gesamthafte Arbeitsbelastung abgelten. Hingegen enthält etwa das deutsche Arbeitszeitgesetz gar keine Zuschläge! 

Überstunden attraktivieren, nicht bestrafen 

Ausfälle, Auftragsschwankungen und der bestehende Arbeitskräftemangel führen dazu, dass bestehende Mitarbeiter oft einspringen und Überstunden leisten. Derzeit können Betriebe die Zuschläge von 15 Überstunden pro Monat steuerfrei an Mitarbeiter auszahlen – aber nicht mehr als 170 Euro. Diese Steuererleichterung ist bis 31.12.2026 befristetet.

Laut einer aktuellen market-Umfrage ist die Begünstigung von Überstunden Unternehmen sowie Bevölkerung ein wichtiges Anliegen. Zwei Drittel der Berufstätigen in Österreich wären dazu bereit, bei einer Steuerbefreiung von Überstunden mehr zu arbeiten.

Die Wirtschaftskammer fordert daher, dass die derzeitigen Überstundenbegünstigungen im Steuer- und Abgabenrecht ausgebaut und dauerhaft steuerfrei gestellt werden. 


 

Autor: Mag. Dr. Rolf Gleißner, Mag. Dr. Ingomar Stupar

Stand: Jänner 2026