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Aufgeklappter Laptop mit Schriftzug Arbeitsrecht und Personenicons am Bildschirm, daneben weiße Tasse stehend
© Mathias Rosenthal | stock.adobe.com

Arbeit und Soziales

Juli 2026 

Lesedauer: 4 Minuten

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28.07.2026

Fehlzeitenreport 2026: Krankenstände bleiben hoch

Viele Muskel- und Skeletterkrankungen vermeidbar 

2022 sind die Krankenstände abrupt gestiegen und bleiben seitdem auf hohem Niveau, in Österreich wie international. Die Betriebe machen viel zur Prävention von Muskel- und Skelett-Erkrankungen. Das gilt nicht unbedingt für Lebensstil und Gesundheitssystem.

Laut Fehlzeitenreport 2026 (erstellt vom WIFO im Auftrag von Dachverband, WKÖ und Bundesarbeitskammer) verbrachten unselbstständig Beschäftigte 2025 durchschnittlich 14,7 Kalendertage im Krankenstand – ein leichter Rückgang im Vergleich zum Rekordjahr 2023 mit 15,4 Tagen. So hohe Werte wurden zuletzt 1993 gemessen. In den 20 Jahren vor Covid waren die Österreicher zwischen 12,3 und 13,3 Tage pro Jahr krank.


  ©WIFO[AH1] 

Der Trend zu mehr Krankenständen seit Covid ist international und betrifft die Mehrheit der OECD-Länder inkl. Deutschland. Internationale Studien identifizieren vor allem drei Ursachen: Atemwegserkrankungen nehmen u.a. durch die neue Krankheit Covid zu, der Anteil psychischer Erkrankungen steigt. Schließlich hat sich die Sensibilität erhöht, d.h. man bleibt im Zweifel zuhause, der Präsentismus nimmt ab. Weniger ins Gewicht fallen positive Faktoren wie der Rückgang von Arbeitsunfällen oder Homeoffice, das Arbeit etwa bei leichten Atemwegserkrankungen ermöglicht.

Schwerpunkt des Fehlzeitenreports waren heuer Erkrankungen des Muskel- und Skelettsystems und des Bindegewebes: Mit einem Anteil von 19,1% an den Krankenstandstagen sind sie Nr. 2 hinter Atemwegserkrankungen (24,3%). Während psychische Erkrankungen überwiegend Frauen und Verletzungen (insbesondere junge) Männer betreffen, sind von MSB-Erkrankungen v.a. Ältere betroffen: 28,7% der Krankenstandstage der 55+ sind auf MSB-Erkrankungen zurückzuführen, nur 7,4% bei den bis 24-Jährigen.


© WKÖ[AH2] 

Verbesserungen in der Arbeitswelt, Belastungen in der Freizeit 

Im Gegensatz zu anderen Erkrankungen können MSB-Erkrankungen durch gesunde Bewegung, Ernährung, Prävention und ergonomische Arbeitsabläufe langfristig wirksam verhindert werden. Und tatsächlich geht der Anteil der MSB-Erkrankungen zurück – 2011 waren sie mit einem Anteil von 22,1% an den Krankenstandstagen noch Nr. 1 vor den Atemwegserkrankungen.

Ein Grund für den Rückgang sind Verbesserungen in der Arbeitswelt. Zur Vermeidung von manuellen Lasten, die das Muskel- und Skelett-System beeinträchtigen, ist viel passiert: Hersteller und Händler haben Säcke für Zement, Futtermittel, Chemikalien von 50 kg auf 25 kg umgestellt und generell Gebindegrößen reduziert. Unternehmen haben manuelles Heben durch Förderbänder, Leitungen, Gabelstapler, Lastenaufzüge, Hebebühnen etc. ersetzt. Just-in-time-Lieferungen ersparen Umladevorgänge. Maschinen und Arbeitsplätze werden heutzutage durchwegs ergonomisch gestaltet, d.h. an die Bedürfnisse der Menschen angepasst. Das alles entlastet die Menschen am Arbeitsplatz.

Am Arbeitsplatz verbringen wir allerdings maximal 10% unserer gesamten Lebenszeit. In den restlichen 90% fördern Übergewicht und Bewegungsmangel MSB-Erkrankungen: So steigt der Anteil der fettleibigen Menschen in Österreich stetig an: 2023 war jeder sechste Österreicher betroffen, 2013 noch jeder siebte, 2003 jeder achte (OECD Health at a Glance 2025). Noch schneller steigt der Anteil bei den Jugendlichen, was nichts Gutes für die Zukunft erwarten lässt. 22% der Männer und 24% der Frauen sind im Alpenland Österreich physisch inaktiv – in Deutschland sind es nur je 15%. 

Mindestens 300 Euro Kosten je Krankenstandstag für Unternehmen 

Das heimische Gesundheitssystem „repariert“ zwar, aber verhindert zu wenig. Bei Früherkennung und -intervention gilt das biblische Prinzip „viele sind berufen, aber nur wenige sind auserwählt“: Bei über 500.000 Menschen pro Jahr werden lange Krankenstände festgestellt. Ca. 130.000 davon werden von ÖGK oder Fit2Work zur Beratung eingeladen. Aber nur 10.000 erscheinen, und noch seltener folgen Maßnahmen.

Das Regierungsprogramm sieht zwar Maßnahmen im Bereich Rehabilitation und die Weiterentwicklung von Prävention und Gesundheitskompetenz vor. Wirksame Maßnahmen sind aber – abgesehen vom Vorsorgepass der SVS – nicht in Sicht.

Den Schaden tragen abgesehen von den Betroffenen die Unternehmen: Krankenstände verringerten das Arbeitsvolumen 2025 um 4%. Je Arbeitstag, der entfällt, entstehen mindestens 300 Euro an Kosten – durch Entgeltfortzahlung, Überstunden von Kollegen, verlorene Wertschöpfung. 

Fazit 

Muskel- und Skeletterkrankungen können durch Prävention, ergonomische Arbeitsabläufe, gesunde Ernährung und Bewegung wirksam verhindert werden. Betriebe haben hier in den letzten Jahrzehnten vieles verbessert. 90% der Lebenszeit verbringen wir aber außerhalb der Arbeit, und hier lassen die Zunahme von Übergewicht und Bewegungsmangel nichts Gutes für die Zukunft erwarten. Entscheidend sind und bleiben Gesundheitskompetenz und -verhalten des Einzelnen und wirksame Präventivmaßnahmen im Gesundheitssystem.

Fehlzeitenreport 2026 - WKO

Quelle: Abteilung für Sozial- und Gesundheitspolitik, WKO


Information zur Krankenstandskontrolle durch die ÖGK

In der Juni-Ausgabe des „Dienstgeberservice“ informiert die ÖGK über ihre Maßnahmen gegen Krankenstandsmissbrauch und Fehlverhalten im Krankenstand.

Quelle: Abteilung für Sozial- und Gesundheitspolitik, WKO


ZAS-Tag am 7.10.2026: Schwerpunkt Einkommenstransparenz

Traditionell bietet der Manz-Verlag in Kooperation mit der Wirtschaftskammer Österreich ein Update zum Arbeits- und Sozialrecht des Jahres in einem Tag.

Neues aus der Gesetzgebung

  • Einkommenstransparenz – Vorstellung des Gesetzes (bzw. Gesetzesentwurfs):
    • Objektives Vergütungsschema
    • Auskunftsrecht
    • Berichtspflichten
  • Praktische Umsetzung: Entgelttransparenzrichtlinie
    • Gruppenbildung, Berechnung und Offenlegung
  • Umgang mit Entgeltunterschieden – Vermeidung von Diskriminierungen
  • Judikatur-Update

Ort: Wirtschaftskammer Österreich, Wiedner Hauptstraße 63, 1045 Wien Zeit: Mittwoch, 7. Oktober 2026, 9:00 (Eintreffen) – 16:00 Uhr 

Hier geht’s zum Programm und Anmeldung.

Quelle: Abteilung für Sozial- und Gesundheitspolitik, WKO