th share video content contact download event event-wifi cross checkmark close xing wko-zahlen-daten-fakten wko-wirtschaftrecht-und-gewerberecht wko-verkehr-und-betriebsstandort wko-unternehmensfuehrung wko-umwelt-und-energie wko-steuern netzwerk wko-innovation-und-technologie wko-gruendung-und-nachfolge wko-bildung-und-lehre wko-aussenwirtschaft wko-arbeitsrecht-und-sozialrecht twitter search print pdf mail linkedin google-plus facebook whatsapp arrow-up arrow-right arrow-left arrow-down calendar user home

Die Besteuerung von Privatstiftungen

Die drei Ebenen der Besteuerung

Im Jahr 1993 wurde die gesetzliche Grundlage für Privatstiftungen geschaffen. Damit sollte nicht nur dem Abfluss österreichischen Vermögens in ausländische Stiftungen (hauptsächlich in die Schweiz und nach Liechtenstein) entgegengewirkt, sondern steuerliche Anreize für das Verbringen ausländischen Vermögens nach Österreich geschaffen werden.

Zusätzlich sollte die Möglichkeit geboten werden, erwirtschaftetes Vermögen für nachfolgende Generationen ohne die bei Vererbungen zumeist unvermeidliche Zersplitterung und Auszehrung durch Mehrfachbesteuerung zu erhalten. 

Die steuerliche Behandlung von Privatstiftungen wurde seit 1993 mehrfach angepasst.  Wesentliche Änderungen erfolgten z.B.:  

  • Durch das Budgetbegleitgesetz 2001 (Einführung der Zwischensteuer für Gewinne aus der Veräußerung von Kapitalvermögen).
  • Im Zuge der Abschaffung der Erbschafts- und Schenkungssteuer und im Rahmen des Budgetbegleitgesetzes 2011 (Anhebung des Zwischensteuersatzes von 12,5% auf 25%).
  • Durch das Stabilitätsgesetz 2012, durch das eine gravierende Systemumstellung bei der Immobilienbesteuerung eingeführt wurde, wovon auch Privatstiftungen betroffen waren (unter anderem Ausdehnung der Zwischenbesteuerung auf Grundstücksveräußerungen) und
  • zuletzt durch Maßnahmen der Steuerreform 2015/2016, die auch auf Privatstiftungen durchschlagen (z.B. Erhöhung des KESt-Satzes auf 27,5%, Gebäudeabschreibung, unentgeltliche Erwerbe in der Grunderwerbsteuer) 

Im Folgenden wird die aktuelle steuerliche Behandlung von Privatstiftungen dargestellt. Bezüglich der gesellschaftsrechtlichen Fragen darf auf das Infoblatt „Die Privatstiftung“ im Wirtschaftsrecht verwiesen werden.  

Die Besteuerung der Privatstiftung erfolgt auf drei Ebenen:

Besteuerung von Zuwendungen an die Privatstiftung (Eingangsbesteuerung)

Unentgeltliche Zuwendungen an eine Privatstiftung unterliegen grundsätzlich der Stiftungseingangssteuer mit einem fixen Steuersatz von 2,5%. Als Bemessungsgrundlage ist der sog. gemeine Wert (im Wesentlichen der Verkehrswert) anzusetzen. Bei Wertpapieren oder Anteilen an Kapitalgesellschaften ist der Kurswert heranzuziehen, sofern ein solcher vorhanden ist. 

Der Steuersatz kann sich z.B. im Zusammenhang mit Auslandsstiftungen, bei der Verletzung von Offenlegungspflichten gegenüber dem Finanzamt bzw. fehlender Firmenbucheintragung auf 25% erhöhen.

Entgeltliche Übertragungen an die Privatstiftung (die Gegenleistung beträgt zumindest 50% des Verkehrswertes des übertragenen Vermögens), werden als Verkauf eingestuft, womit keine Stiftungseingangssteuer anfällt.

Endbesteuertes Kapitalvermögen, welches der Privatstiftung von Todes wegen zugewendet wurde, sind steuerfrei. Ausgenommen sind Anteile an Kapitalgesellschaften, wenn auf die darauf bezogenen Einkünfte der besondere Steuersatz von 27,5% anwendbar ist. 

Die Steuerfolgen einer Zuwendung von Grundstücken sind seit 1.1.2012 nicht im Stiftungseingangsteuergesetz sondern im Grunderwerbsteuergesetz geregelt. Der Verfassungsgerichtshof hob die ursprüngliche Regelung, wonach  die Zuwendung von Immobilien an eine Privatstiftung einer Besteuerung mit 2,5% Stiftungseingangssteuer und 3,5% Grunderwerbsteueräquivalent bemessen vom dreifachen Einheitswert unterlag im Jahr 2011 auf. Immobilienwidmungen an Privatstiftungen sind seither zur Gänze im Grunderwerbsteuergesetz erfasst und im Gegenzug  von der Stiftungseingangsteuer befreit.

Immobilienwidmungen ab dem 1.1.2012 unterlagen mit 3,5% der Grunderwerbsteuer und 2,5% einem Stiftungseingangssteueräquivalent, jeweils bemessen vom dreifachen Einheitswert. 

Ab dem 1.6.2014 war für Immobilienübertragungen an und durch Privatstiftungen nicht mehr der dreifache Einheitswert sondern der Verkehrswert (gemeiner Wert) der Immobilie als Bemessungsgrundlage für die Grunderwerbsteuer heranzuziehen. Somit beträgt die Grunderwerbsteuer 6% (3,5% Grunderwerbsteuer und 2,5% Stiftungseingangssteueräquivalent) vom Verkehrswert. 

Durch die Steuerreform 2015/2016 kommt es bei unentgeltlichen Grundstücksübertragungen ab 1.1.2016 zu zwei Änderungen, die auch für Grundstückszuwendungen an Privatstiftungen zu beachten sind:

  • Bemessungsgrundlage ist nicht mehr der Verkehrswert, sondern ein gesondert zu ermittelter „Grundstückswert“. Der Grundstückswert kann entweder aus der Summe des hochgerechneten dreifachen Bodenwertes und des Gebäudewertes oder von einem geeigneten Immobilienpreisspiegel abgeleiteten Wert berechnet werden. Nur wenn der Grundstückswert über dem Verkehrswert liegen sollte, kann dieser herangezogen werden (die Ermittlung des Grundstückwertes wurde in einer eigenen Verordnung im Detail geregelt - siehe dazu unser Infoblatt "Grunderwerbsteuer neu ab 1.1.2016").
  • Änderungen ergeben sich auch im Steuersatz: Erst ab einem Grundstückswert von € 400.001 kommt der bisherige Steuersatz von 3,5% zur Anwendung. Bis zu einem Grundstückswert von € 250.000 ist ein Steuersatz von 0,5%, zwischen € 250.000 bis € 400.000 ein solcher in Höhe von 2% heranzuziehen.

Unabhängig von der Steuerreform fällt für Immobilienübertragungen weiterhin zusätzlich 1,1% Grundbuchseintragungsgebühr (bemessen vom gemeinen Wert) an.

Laufende Besteuerung der Privatstiftung

Die laufende Besteuerung der Privatstiftung unterteilt sich in drei Bereiche mit folgenden Steuersätzen:  

Zwischensteuer von 25%

Der Zwischensteuer in Höhe von 25% (vor 2011: 12,5%) unterliegen Zinsen aus Bankguthaben, Zinserträge aus Anleihen, Pfandbriefen, Schuldverschreibungen, Einkünfte aus realisierten Wertsteigerungen von Kapitalvermögen und Einkünfte aus Derivaten sowie Einkünfte aus privaten Grundstücksveräußerungen.

Die Zwischensteuer wird bei Zuwendungen an die Begünstigten, die der 25% KESt unterliegen, wieder gut geschrieben. Wirtschaftlich gesehen ist die Zwischensteuer daher eine Vorwegbesteuerung der späteren Zuwendungsbesteuerung bei den Begünstigten.

Durch diese Zwischenbesteuerung wird der kumulierte Anfall von KöSt und KESt wie im Falle von Kapitalgesellschaften vermieden. Keine Gutschrift erfolgt, wenn einem ausländischen Begünstigten die KESt aufgrund eines Doppelbesteuerungsabkommens wieder gutgeschrieben wird. Aufgrund des Abgabenänderungsgesetzes 2015 soll die Gutschrift ab 1.1.2016 zumindest insoweit gewährt werden, als Österreich ein Quellensteuerrecht zusteht.

Hinweis: 
Die Zwischenbesteuerung und die zusätzliche Möglichkeit unter bestimmten Voraussetzungen der steuerfreien Übertragung stiller Reserven aus der Veräußerung einer Kapitalbeteiligung (Gewinne aus der Veräußerung einer Beteiligung unterliegen nicht der Zwischensteuer, wenn eine Beteiligung von zumindest 10% neu angeschafft wird auf die die Gewinne übertragen werden) stellen auch die wesentlichen  verbliebenen steuerliche Vorteile der Privatstiftung dar. 

Körperschaftsteuer von 25%

Der Körperschaftsteuer in Höhe von 25% unterliegen Einkünfte aus Gewerbebetrieb (soweit stiftungsrechtlich zulässig), selbständiger Arbeit, Land- u. Forstwirtschaft, Vermietung und Verpachtung, sonstige Einkünfte aus Kapitalvermögen (zB Zinsen aus Darlehen die die Stiftung gewährt), sonstige Einkünfte (z.B. Spekulationsgewinne) und Einkünfte aus der Veräußerung von Immobilien aus dem Betriebsvermögen.

Körperschaftsteuerfrei

Körperschaftsteuerfrei sind Gewinnausschüttungen von Kapitalgesellschaften.


Exkurs: Besteuerung von Immobilien

Für die Steuerfolgen von privaten Grundstückveräußerungen einer Privatstiftungen ist seit Einführung der Immobilienertragsteuer, ebenso wie bei natürlichen Personen, danach zu unterscheiden, ob Alt- oder Neuvermögen vorliegt (siehe im Detail unser Infoblatt “Die Besteuerung von privaten Immobilienverkäufen“).

alte Rechtslage (bis 31.3.2012):

Bis zur Einführung der Immobilienertragsteuer mit 1.4.2012 waren Gewinne aus der Veräußerung von Liegenschaften nach Ablauf der 10-jährigen Spekulationsfrist steuerfrei. Bereits seit 1.1.2011 galt jedoch, dass bei Vorliegen einer juristischen Person als (Zu-)Stifter, Gewinne von Grundstücksverkäufen durch die Privatstiftung stets der Körperschaftsteuer von 25% unterliegen, wenn die Spekulationsfrist für die veräußerten Grundstücke, zum 31.12.2010 noch nicht abgelaufen war. Solches Grundvermögen gilt bei Veräußerungen ab 1.4.2012 als Neuvermögen.

neue Rechtslage (ab 1.4.2012):

Im Bereich der Immobilienbesteuerung hat sich mit 1.4.2012 durch den allgemeinen Wegfall der Spekulationsfrist eine grundlegende Änderung ergeben. Auch für Privatstiftungen sind nun alle Gewinne aus privaten Immobilienverkäufen steuerpflichtig. Grundsätzlich unterliegen die, nach den neuen Regelungen im EStG zu ermittelnden Veräußerungsgewinne aus privaten Grundstücksverkäufen der Zwischenbesteuerung von 25%.  


Besteuerung von Zuwendungen an Begünstigte (Ausgangsbesteuerung)

Zuwendungen der Privatstiftung an Begünstigte unterliegen grundsätzlich als Einkünfte aus Kapitalvermögen der Kapitalertragsteuer (KESt) in Höhe von 27,5% (bis 31.12.2015 25%)  und sind damit endbesteuert. Die KESt wird von der Stiftung einbehalten und an das Finanzamt abgeführt.

Bis zur Abschaffung der Erbschafts- und Schenkungsteuer war es ein steuerlicher Nachteil der Privatstiftung, dass Zuwendungen an Begünstigte aus der Substanz des Vermögens genauso mit 25% KESt besteuert wurden wie die Zuwendungen von Erträgen aus dem Stiftungsvermögen. Es unterlag daher die Zuwendung an die Stiftung der Stiftungseingangsteuer und eine allfällige Rückführung von Stiftungsvermögen der KESt („Mausefalleneffekt“). Dadurch sollte die langfristige Vermögensbindung in der Stiftung gewährleistet werden.

Im Rahmen der Abschaffung der Erbschafts- und Schenkungssteuer wurde zur Herstellung der Systemkonsistenz die Möglichkeit der steuerfreien Substanzauszahlung für Vermögen eingeführt. Ab 1.8.2008 sind daher Auszahlungen der Substanz unter folgenden Voraussetzungen von der Besteuerung ausgenommen: 

  • Das Vermögen wurde nach dem 31.7.2008 zugewendet.

  • Es wird ein Evidenzkonto geführt, in dem alle Zu- und Abgänge an der   Substanz der Privatstiftung erfasst werden.

  • Die Substanzauszahlung übersteigt den maßgeblichen Wert (= Bilanzgewinn + Gewinnrücklagen + stille Reserven im zugewendeten Vermögen) und findet im Evidenzkonto Deckung.

Die Rückführung von Vermögen, welches bis 31.7.2008 gestiftet wurde, unterliegt daher weiterhin der KESt (iHv 27,5%).

Bitte wählen Sie oben ein Bundesland aus, um Kontakte und Serviceangebote des Bundeslandes zu erhalten.