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schwarz weiß Bild von einem Hund
© Daido Moriyama/Daido Moriyama Photo Foundation
Berufsfotografie, Landesinnung

DAIDO MORIYAMA. RETROSPECTIVE

Neue Ausstellung im Fotoarsenal Wien | 31. Jänner 2026 - 10. Mai 2026, Eröffnungsfeier: 30. Jänner 2026

Lesedauer: 4 Minuten

21.01.2026

Ein Hund im Schatten. Das Fell struppig, das Maul leicht geöffnet, der Blick misstrauisch. Während grelles Licht seinen Rücken streift, verschwinden Teile seines Gesichts in tiefem Schwarz. Dieses Foto aus dem Jahr 1971 wurde zur Ikone – ein Wendepunkt in der Geschichte der Fotografie. Es stammt von Daido Moriyama (*1938, Osaka, Japan), einem der bedeutendsten Street Photographer unserer Zeit. Er hat die Bildsprache der Fotografie herausgefordert, erweitert – und damit eine neue Sicht auf die Welt eröffnet. Berühmt wurde Moriyama für seine grobkörnigen, unscharfen und schrägen Aufnahmen, die eine radikal neue Perspektive auf gesellschaftliche Umbrüche, Sehnsucht, Tabus und das Theater des Alltags eröffnen. Der gelernte Grafikdesigner fotografiert seit den 1960er-Jahren das Leben auf den Straßen Japans: Passanten, urbane Szenen, flüchtige Momente. In einer Zeit, in der das Land nach den nicht zuletzt atomaren Verwüstungen des Zweiten Weltkriegs eine rasante Modernisierung erlebte, fand er seine Themen. Er dokumentierte den Einzug der westlichen Konsumkultur in Massenmedien und Werbung – sein Werk ist eine Elegie auf eine Zeit tiefgreifender Transformation. Mit seinen spontanen Aufnahmen reagierte Moriyama auf die amerikanische Besatzung und auf die Widersprüche und Vitalität einer Gesellschaft, die sich von Trauer zu Euphorie bewegte.

Doch Moriyama ist nicht bloßer Beobachter – er wird zum Teil dessen, was er fotografiert. „Seine extreme Nähe und Vertrautheit mit den Menschen, Situationen und Themen, die er dokumentiert, machen seine Fotografien einzigartig und revolutionär“, erklärt Felix Hoffmann, künstlerischer Leiter von FOTO ARSENAL WIEN. Früh schon setzte sich Moriyama – beeinflusst von Künstlern wie Andy Warhol und William Klein – mit Fragen der Reproduzierbarkeit und Verbreitung von Bildern auseinander. Seine Faszination für Fragmentierung und seine Experimente mit Negativen, Vergrößerungen und Auflösungen machen ihn zu einem Pionier der modernen Fotografie.

Die Retrospektive zeichnet Moriyamas fotografisches Werk und seine konzeptuellen Auseinandersetzungen mit den Medien nach – von seinen frühen Arbeiten für japanische Magazine über sein wachsendes Misstrauen gegenüber dem Fotojournalismus bis hin zu seinem Beitrag zur „Provoke“- Bewegung. Ihren Höhepunkt findet diese Entwicklung in seinem radikalen Fotobuch Farewell Photography (1972). Anfang der 1980er-Jahre überwand Moriyama eine persönliche und kreative Krise. Sein nachfolgendes Werk entwickelte eine visuelle Lyrik, in der er über seine Identität, Erinnerung, Geschichte und die Grenzen der Fotografie reflektierte. Viele dieser Arbeiten entstanden für japanische Magazine und Bücher, also für jene Medien, die im Nachkriegsjapan die zentrale Bühne für Fotografiedebatten bildeten. Neben seinen charakteristischen Schwarz-Weiß-Fotografien wandte sich Moriyama auch der Farb- und Digitalfotografie zu. Die Ausstellung schließt mit dem Magazin Record, dem Höhepunkt seiner lebenslangen Auseinandersetzung – eine Publikation, die Moriyama bis heute herausgibt.

„Diese Ausstellung basiert auf drei Jahren Forschung im Archiv von Daido Moriyama und ist die erste große Retrospektive, die sein fotografisches Werk und seinen konzeptuellen Umgang mit dem Medium anhand seiner bahnbrechenden Publikationen nachzeichnet. Sie zeigt, dass die von ihm aufgeworfenen Fragen zu Medienmanipulation, Überwachung und Bildfetischismus bis heute nichts von ihrer Aktualität verloren haben“, so Kurator Thyago Nogueira.

DAIDO MORIYAMA. RETROSPEKTIVE ist eine der umfassendsten Ausstellungen über das Werk des japanischen Fotografen, die je gezeigt wurde. FOTO ARSENAL WIEN ist die fünfte Station dieser internationalen Wanderausstellung, die bereits in São Paulo, Berlin, London und Helsinki mit großem Erfolg präsentiert wurde. Von der britischen Zeitung The Guardian wurde sie zur besten Fotoausstellung des Jahres gekürt.

Mit über 200 Kunstwerken, 250 Reproduktionen aus Publikationen, seltenen Büchern und audiovisuellen Projektionen eröffnet die Schau einen einzigartigen Zugang zu Moriyamas Schaffen und Denkweise.

Organisiert wurde die Ausstellung vom Instituto Moreira Salles (Brasilien) in Zusammenarbeit mit der Daido Moriyama Photo Foundation (Japan) und unter Beratung von Yutaka Kambayashi, Satoshi Machiguchi und Kazuya Kimura.

Kuratiert wurde sie von Thyago Nogueira (Instituto Moreira Salles) in Kooperation mit Marit Lena Herrmann (Kuratorin FOTO ARSENAL WIEN). Eine umfassende Monografie, erschienen im Prestel Verlag, begleitet die Ausstellung. Gefördert durch: Stadt Wien Kultur, Deutsche Börse Photography Foundation In Partnerschaft mit: Instituto Moreira Salles, Daido Moriyama Photo Foundation Medienpartner*innen, Kooperationen: Datum, Der Standard, Ö1 Club

Über FOTO ARSENAL WIEN

FOTO ARSENAL WIEN ist das neue Ausstellungshaus für Fotografie und lens based media in Österreich. Von der Stadt Wien im März 2025 eröffnet, präsentiert und vermittelt die Institution zeitgenössische Fotografie in allen Erscheinungs- und Verwendungsformen. Als Plattform organisiert FOTO ARSENAL WIEN auch die FOTO WIEN, Österreichs größtes, biennal veranstaltetes Festival für Fotografie, und gemeinsam mit der Kunsthalle Wien das jährliche Festival Vienna Digital Cultures. 

Weitere Informationen zur Ausstellung: https://www.fotoarsenalwien.at/de/ausstellung/daido-moriyama