Nachhaltigkeitsfrühstück bei Höpperger Umweltschutz
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Nachhaltigkeitsfrühstück: Zu Gast bei Höpperger Umweltschutz

Nachlese: 13.10.2023 in Telfs-Pfaffenhofen

Lesedauer: 3 Minuten

08.11.2023

Beim 6. Tiroler Nachhaltigkeitsfrühstück widmeten wir uns dem Thema Kreislaufwirtschaft. Dafür versammelten sich Tiroler Unternehmer:innen im Innovationszentrum des Familienunternehmens Höpperger Umweltschutz in Telfs-Pfaffenhofen. Das energieautonome Gebäude mit Erdwärmeheizung und -kühlung, PV-Anlage am Dach, Boden aus Recyclingkunststoff, regional traditionellem Lärchenholzwänden und einem lebenden Kunstwerk aus irischem Moos ist wohl die optimalste Location, um über kreislaufbasierte Geschäftsmodelle zu sprechen. Denn bei der Firma Höpperger, die Dienstleistungen rund um die Ressource Abfall anbietet, wird das Schließen von Kreisläufen im Kerngeschäft gelebt. An den zwei Tiroler Standorten werden jedes Jahr über 100.000 Tonnen Abfall von Gemeinden, Industrie- & Gewerbetrieben sowie privaten Haushalten gesammelt, sortiert und behandelt, wovon der größte Teil recycelt wird. Dabei sind Geschäftsführer Harald Höpperger und Sohn Thomas Höpperger stolz darauf, ökologisch und wirtschaftlich sinnvollen und praktikablen Entsorgungslösungen anzubieten und diese stets weiterzuentwickeln. Nachhaltigkeit wird zudem auch intern gelebt und eine positive, inklusive Mitarbeiter:innenkultur geschaffen.

Kreislaufwirtschaft ist eines der zukunftsträchtigsten Themen unserer Zeit und bleibt nicht nur in der Abfallwirtschaftsbranche stehen. In Zukunft werden sich alle Branchen damit beschäftigen müssen und dürfen. Zum Einstieg lud Simon Meinschad, respACT-Landeskoordinator für Tirol, die Teilnehmer:innen zu einem Gedankenexperiment ein: Man stelle sich das Jahr 2030 vor, wo es ganz normal ist, dass alle Produkte im Lebensmittelgeschäft umweltschonend produziert wurden; wo es selbstverständlich ist, dass jedes „verbrauchte“ Produkt weiterhin als Ressource im Kreislauf bleibt. Um dies zu erreichen, seien alle Unternehmen aufgefordert und eingeladen, an dem Transformationsprozess mitzugestalten. Marlene Hopfgartner stellte im Anschluss die Angebote und Services der Wirtschaftskammer Tirol vor und machte, darauf aufmerksam, dass das Thema Kreislaufwirtschaft einer von 6 Serviceschwerpunkten der Wirtschaftskammer Tirol ist.

Danach durften wir von Mariella Schimatzek und Julia Scharting von der Standortagentur Tirol erfahren, was Kreislaufwirtschaft eigentlich genau bedeutet und wie sie mit dem neu gegründeten Circular Hub als dezentrale Schnittstelle Unternehmen bei der Umsetzung kreislaufbasierter Geschäftsmodelle unterstützen und begleiten. Denn: „Kein Unternehmen kann die R-Prinzipien alleine umsetzen.“

Kreativität und Innovation ist gefragt. Genau das zeigten im Anschluss drei spannende Unternehmen, welche als Vorreiter:innen vor den Vorhang traten, um ihre innovativen Produkte im Sinne der Kreislaufwirtschaft vorzustellen:

Essity – TORK PaperCircle

Mark Hoffmann, Vertriebsleiter der Marke TORK des Hygiene- und Gesundheitsunternehmens Essity stellt den PaperCircle vor – der weltweit erste Recyclingservice für Papierhandtüchern. Ein Kreislauf in fünf einfachen Schritten:

  1. Benutzer:innen werfen gebrauchte TORK Papierhandtücher in einen separaten Behälter
  2. Reinigungspersonal sammelt die gebrauchten Papierhandtücher getrennt auf dem Reinigungswagen
  3. TORKs Recyclingpartner bringt die Papierhandtücher zu einem Essity Werk vor Ort, wo diese zu neuen Papierhandtüchern verarbeitet werden.
  4. Damit werden gebrauchte Papierhandtücher als neue Hygienepapierprodukte wieder dem Kreislauf zugeführt.
  5. Außerdem wird dadurch die CO2-Fußabdruck für Papierhandtücher um 40 % und der Abfall um bis zu 20 % reduziert 

Neururer Seifenmanufaktur

Mit der Marke Alpine Comsetics nützt Neururer den Treber, ein Abfallprodukt aus der Bierbrauerei, als Wertstoff zur Seifenherstellung. Aufgrund seiner schaumbildenden Charakteristik ist dieser nämlich eine perfekte Alternative zu Palmöl. Dafür kooperiert Neururer mit der Ötztaler Brauerei Sölsch. Bisher als Bierseife für Männer vermarktet, wollen sie diese Produktlinie aber auch ausweiten, so Geschäftsführer Jochen Neururer. 

Ugly Fruits

Thomas Gartner, Geschäftsführer von UglyFruits, erzählte uns, wie er das Potenzial von Obst und Gemüse, welches aufgrund nicht marktgerechter Unförmigkeit weggeworfen wird, nützt und aus den “hässlichen” Früchten schmackhafte Smoothies produziert. In der Produktion verwendet UglyFruits das HPP-Verfahren zur Pasteurisierung mit Hochdruck statt Hitze und arbeitet seit kurzem auch mit Vicotto Foods zusammen, um mit deren moderner Trocknungstechnologie aus den bisher angefallenen Resten in der Smoothie-Herstellung Fruchtgummis zu produzieren. Ein Produkt, das nicht nur Kreisläufe schließt, sondern auch noch gut schmeckt, wie wir dank Kostproben vor Ort erfahren konnten.

Mit 60 Teilnehmer:innen stieß dieses 6. Tiroler Nachhaltigkeitsfrühstück auf großes Interesse und schaffte Raum für Inspiration und Motivation. Denn Kreislaufwirtschaft muss nicht nur eine niedergeschriebene Strategie bleiben, sondern kann eine enorme Chance sein!