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950 Millionen Euro kostet die Bürokratie in Vorarlberg jährlich
Klare Botschaft der WKÖ-Präsidentin Martha Schultz anlässlich ihres Vorarlberg-Besuches vergangenen Mittwoch: „Bürokratie gibt es nicht zum Nulltarif. Sie kostet Zeit und Geld, wirkt als Stimmungskiller in den Betrieben, hemmt Wachstum und schwächt die Wettbewerbsfähigkeit Österreichs.“ WKV-Ombudsstelle hilft bei Problemen.
Aktuelle Zahlen zeigen eindrucksvoll, welche Dimension diese Belastung mittlerweile erreicht hat, sowohl auf Bundesebene als auch in Vorarlberg. In der gewerblichen Wirtschaft Österreichs werden jährlich rund 320 Millionen Arbeitsstunden für bürokratische Aufgaben aufgewendet. Darunter fällt die gesamte Bandbreite administrativer Tätigkeiten, von der Buchhaltung bis hin zu umfangreichen Melde- und Dokumentationspflichten. Umgerechnet entspricht das rund 195.000 Vollzeitstellen, die ausschließlich mit Bürokratie beschäftigt sind.
Die daraus resultierenden Kosten sind enorm: Insgesamt verursachen bürokratische Aufgaben in Österreich jährlich rund 21,1 Milliarden Euro an Belastungen für Unternehmen (ohne Banken und Versicherungen). Das bedeutet: Pro Sekunde entstehen Kosten von 669 Euro. „Diese Zahlen verdeutlichen nicht nur die Dimension des Problems, sondern auch das enorme Entlastungspotenzial. Bereits eine Reduktion der Bürokratie um fünf bis zehn Prozent würde die heimischen Betriebe um Milliardenbeträge entlasten“, erklärt WKÖ-Präsidentin Martha Schultz anlässlich ihres Vorarlberg-Besuches vergangenen Mittwoch. Diese Berechnungen basieren auf Hochrechnungen der KMU Forschung Austria, die sowohl interne als auch externe Kosten des Bürokratieaufwands berücksichtigen und damit ein umfassendes Bild der tatsächlichen Belastung zeichnen.
„Mit dem ersten Entbürokratisierungspaket hat die Bundesregierung im Dezember 2025 bereits einige WKÖ-Forderungen aufgegriffen – das muss nun rasch umgesetzt werden und bei den Betrieben ankommen", sagt WKÖ-Präsidentin Schultz: „Zusätzlich machen wir Druck, dass im Sommer ein umfassendes zweites Bürokratie-Paket folgt – und haben eine Liste mit zahlreichen Vorschlägen vorgelegt.“
Vorarlberg: Hohe Belastung für die Betriebe
Auch in Vorarlberg zeigt sich ein ähnliches Bild. Hier wenden Unternehmen jährlich rund 14 Millionen Arbeitsstunden für bürokratische Aufgaben auf. Das entspricht etwa 8.600 Vollzeitbeschäftigten. Die Kosten belaufen sich auf insgesamt rund 950 Millionen Euro pro Jahr, davon 600 Millionen Euro interne und 350 Millionen Euro externe Kosten. Besonders bemerkenswert: Der Bürokratieaufwand entspricht in Vorarlberg rund 2,7 Prozent des Umsatzes – und liegt damit über dem Österreichschnitt von 2,4 Prozent.
„Für viele Unternehmerinnen und Unternehmer ist dabei nicht eine einzelne Vorschrift das Problem, sondern die Summe der Verpflichtungen. Seitenlange Nachweispflichten im Arbeitsrecht, komplexe Genehmigungsverfahren, mehrfach zu meldende Daten oder sogenannte, Gold Plating'-Effekte führen dazu, dass wertvolle Ressourcen gebunden werden. Zeit und Energie fehlen dann im Kerngeschäft, dort, wo Innovation und Wertschöpfung entstehen“, betont WKV-Präsident Karlheinz Kopf.
Bürokratieabbau als Top-Priorität
Der Abbau von Bürokratie zählt daher zu den wichtigsten Anliegen der Wirtschaftskammer und der Betriebe, besonders in Vorarlberg. Rund 80 Prozent der via WKÖ-Wirtschaftsbarometer befragten Unternehmen in Vorarlberg sehen in der Bürokratie und den regulatorischen Anforderungen die größten Herausforderungen. Der Österreichwert liegt bei vergleichsweise bescheidenen 58 Prozent. Ziel muss es sein, Verfahren schneller, effizienter und praxistauglicher zu gestalten. Ein zentraler Ansatzpunkt liegt in der Digitalisierung: Daten sollten nach dem Once-Only-Prinzip nur einmal erfasst und anschließend bedarfsgerecht weiterverwendet werden. „Wir appellieren zudem, dass Prozesse zur Schwerpunktsetzung bei Betriebsanlagenverfahren an einer Bezirkshauptmannschaft (BH) initiiert werden. Dazu braucht es landesweit einsetzbare Sachverständigen-Teams mit ausreichenden Ressourcen, um Verfahrensqualität und Durchlaufzeiten zu verbessern“, führt Kopf aus.
Gesetzgebung und Vollzug im Fokus
Bürokratie beginnt bereits bei der Gesetzgebung. Neue Regelungen sollten nur dann geschaffen werden, wenn sie wirklich notwendig und praktikabel sind. Gleichzeitig müssen bestehende Gesetze systematisch auf Vereinfachungspotenziale überprüft werden. Gerade bei anstehenden Novellierungen im Naturschutzgesetz, im Baurecht und in der Raumplanung ist es entscheidend, Aspekte wie Deregulierung, Verfahrensvereinfachung und Beschleunigung konsequent mitzudenken. Doch auch im Vollzug entstehen bürokratische Hürden, etwa durch unterschiedliche Interpretationen oder überzogene Auslegungen von Vorschriften. Diese führen häufig zu Verzögerungen und zusätzlichem Aufwand für die Unternehmen.
Ombudsstelle als Brücke zur Verwaltung
Um hier gezielt Unterstützung zu bieten, hat die Wirtschaftskammer Vorarlberg die Ombudsstelle „Bürokratieabbau“ eingerichtet. Sie dient als zentrale Anlaufstelle für Unternehmer:innen, die in Behördenverfahren auf Schwierigkeiten stoßen. Neben der Unterstützung in Einzelfällen verfolgt die Ombudsstelle vor allem ein langfristiges Ziel: Verfahren insgesamt zu vereinfachen und zu beschleunigen. Gleichzeitig schafft sie eine Plattform, über die Betriebe ihre Erfahrungen und Verbesserungsvorschläge einbringen können. Die Zusammenarbeit mit der entsprechenden Stelle (KAVV) des Landes Vorarlberg soll zusätzlich dazu beitragen, bürokratische Hindernisse systematisch zu identifizieren und abzubauen – mit dem klaren Ziel effizienterer Verfahren.
EU-Regulierung mit Augenmaß
Ein aktuelles Beispiel für drohende Mehrbelastung ist die geplante EU-Entgelttransparenz-Richtlinie. Sie könnte für Unternehmen zusätzliche bürokratische Anforderungen und Rechtsunsicherheit mit sich bringen. „Dabei verfügt Österreich bereits über ein gut funktionierendes System: Rund 98 Prozent der Beschäftigten sind durch Kollektivverträge erfasst, die klare und transparente Entgeltstrukturen schaffen“, sagt Kopf. Ergänzend bestehen bereits Instrumente wie verpflichtende Mindestentgeltangaben in Stellenausschreibungen oder Einkommensberichte in größeren Unternehmen. Das Ziel fairer Einkommen wird ausdrücklich unterstützt – allerdings sollte der Fokus auf wirksamen Maßnahmen liegen, etwa dem Ausbau der Kinderbetreuung, anstatt auf weiterer Bürokratisierung.
Ombudsstelle „Bürokratieabbau“ der Wirtschaftskammer Vorarlberg
Die Wirtschaftskammer Vorarlberg hat mit der Ombudsstelle „Bürokratieabbau“ eine zentrale Anlaufstelle für Unternehmer:innen geschaffen, die in Behördenverfahren auf Probleme stoßen. Ombudsfrau ist Stephanie Hollenstein, Leiterin der wirtschaftspolitischen Abteilung der Wirtschaftskammer Vorarlberg.
Kontakt:
ombudsstelle@wkv.at
05522/305-358
WKV-Kopf: Verpackungsabgabe gefährdet Vorarlberger Leitbetriebe und Wertschöpfung
Die geplante Einführung einer nationalen Abgabe auf Einwegkunststoffverpackungen sorgt in Vorarlberg für wachsenden Unmut. Aus Sicht der Wirtschaftskammer Vorarlberg würde eine solche Maßnahme den Druck auf die Betriebe weiter erhöhen – und das in einer ohnehin angespannten wirtschaftlichen Phase.
WKV-Präsident Karlheinz Kopf warnt vor spürbaren Folgen für den Standort: „Unsere Unternehmen sind bereits mit massiv gestiegenen Energie-, Rohstoff- und Transportkosten konfrontiert. Eine zusätzliche Verpackungsabgabe würde diese Belastungen weiter verschärfen, die Wettbewerbsfähigkeit unserer Betriebe beeinträchtigen und ist daher entschieden abzulehnen.“
Besonders betroffen wäre Vorarlberg aufgrund seiner starken Verpackungs- und Kunststoffindustrie. Mit international erfolgreichen Unternehmen zählt das Land zu den bedeutenden Standorten der Branche. Diese Unternehmen investieren seit Jahren intensiv in Recycling und Kreislaufwirtschaft und stehen gleichzeitig im globalen Wettbewerb.
Eine zusätzliche Abgabe würde sich zudem entlang der gesamten Wertschöpfungskette auswirken und letztlich auch bei den Konsumentinnen und Konsumenten ankommen. Vor diesem Hintergrund lehnt die WKV sowohl die wirtschaftliche Sinnhaftigkeit als auch die ökologische Treffsicherheit der Maßnahme ab.
Gerade im grenznahen Wettbewerb sieht WKV-Präsident Karlheinz Kopf Risiken für den Standort Vorarlberg. Nationale Alleingänge könnten zu Wettbewerbsnachteilen führen und Investitionen bremsen.
„Was unsere Betriebe jetzt brauchen, ist Entlastung und Planungssicherheit. Zusätzliche Abgaben wären in der aktuellen Situation ein falsches Signal für den Standort und würden den Preisdruck weiter erhöhen“, hält Kopf fest.
Schulskitage in Vorarlberg: Mehr Kinder auf den Skiern dank gemeinsamer Initiative
Die Vorarlberger Schulskiaktion #schifahra erfreut sich weiterhin großer Beliebtheit und ermöglichte bisher rund 4.404 Schüler:innen den Zugang zum Wintersport zu besonders attraktiven Konditionen. Neuem Financier V.E.M. liegt Jugend am Herzen.
Bei der Pressekonferenz bei den Bergbahnen Damüls-Mellau wurde die große Bedeutung der Schulskitage für Kinder, Region und Wintersport hervorgehoben. Die Initiative #schifahra der Wirtschaftskammer Vorarlberg (Fachgruppe Seilbahnen), der Bildungsdirektion Vorarlberg sowie des Vorarlberger Skiverbands zeigt deutlich: Immer mehr Schulklassen nutzen die Möglichkeit, den Wintersport kennenzulernen. In der Wintersaison 2025/26 nahmen bislang 193 Schulklassen mit 4.404 Schülerinnen und Schülern an der Aktion teil. Insgesamt wurden 286 Skitage organisiert. Besonders erfreulich ist, dass 1.251 Kinder erstmals auf Skiern standen – ein starkes Signal für den Nachwuchs im Wintersport. Zum Vergleich: Im Jahr davor nahmen 134 Klassen mit 2.692 Kindern teil.
Entlastung durch Busförderung
Ein wichtiger Grund für diese positive Entwicklung ist die deutlich ausgeweitete Busförderung, die Schulklassen bei der Anreise in die Skigebiete unterstützt. Während im Winter 2024/25 rund 9.676 Euro zur Verfügung standen, wurden diesen Winter bereits 47.100 Euro bereitgestellt. „Die steigenden Zahlen zeigen, wie wichtig und attraktiv Schulskitage für Kinder und Jugendliche sind“, betont Andreas Gapp, Obmann der Fachgruppe Seilbahnen in der Wirtschaftskammer Vorarlberg. „Mit der Busförderung können wir Familien finanziell entlasten und gleichzeitig mehr Klassen den Zugang zum Skisport ermöglichen.
Unser Ziel ist klar: Jedes Kind in Vorarlberg soll zumindest einmal die Chance haben, den Wintersport kennenzulernen.“ Die Unterstützer der Busförderung sind unter anderem die Fachgruppe Gastronomie, Fachgruppe Bus, die Wirtschaftskammer Vorarlberg und die Sparte Transport und Verkehr.
V.E.M. neuer Financier
Erstmals engagiert sich in dieser Saison auch die V.E.M. – Vorarlberger Elektro- und Metallindustrie – als Sponsor der Initiative. Für Gerhard Gassner, stellvertretender Vorsitzender der V.E.M. und Vertreter des Technikland Vorarlberg, ist das Engagement eine Investition in die Zukunft der Region: „Mit unserem Engagement möchten wir zeigen, dass uns die Jugend in Vorarlberg am Herzen liegt. Bewegung und Sport sind wichtige Grundlagen für eine gesunde Entwicklung unserer künftigen Fachkräfte. Gleichzeitig schaffen Schulskitage prägende Erlebnisse außerhalb des Klassenzimmers. Genau solche Erfahrungen bleiben jungen Menschen lange in Erinnerung.“ Darüber hinaus hätten Schulskitage auch eine große Bedeutung für die regionale Wirtschaft. „Der Wintersport ist ein zentraler Wirtschaftsfaktor in unserer Region. Viele Arbeitsplätze hängen direkt oder indirekt am Tourismus. Wenn Kinder früh die Freude am Skifahren entdecken, sichern wir langfristig das Interesse am Wintersport. Davon wiederum profitieren Tourismus, Wirtschaft und die gesamte Region“, erklärt Gassner.
Fahrspaß im Fokus
Die Initiative bietet den Schülerinnen und Schülern attraktive Rahmenbedingungen: kostenlose Tagesskipässe für bis zu drei Skitage, günstige Leihausrüstung ab 10 Euro pro Tag sowie Mittagessen und Getränke ab 9 Euro sowie die kostenlose An- und Abreise in die Skigebiete. Anfängerinnen und Anfänger werden am ersten Skitag von Skilehrer:innen oder Instruktor:innen begleitet. Daher unterstützt auch der Vorarlberger Skiverband die Aktion mit ehrenamtlichen Instruktorinnen und Instruktoren. „Etwa ein Drittel der teilnehmenden Kinder steht zum ersten Mal auf Skiern. Die Schulskitage sind daher eine ideale Möglichkeit, spielerisch erste Erfahrungen zu sammeln und Begeisterung für den Wintersport zu wecken“, zeigt sich Werner Eberle, Vizepräsident des Vorarlberger Skiverbandes, begeistert. Dasselbe bestätigt der Direktor der Mittelschule Wolfurt, Dieter Losert: „Die Schulskitage in der ersten Klasse sind für unsere Schülerinnen und Schüler ein wichtiger Einstieg in den Wintersport und zugleich eine Vorbereitung auf die Skiwoche in der zweiten Klasse auf der Uga Alp in Damüls. Sie fördern Bewegung, stärken den Klassenzusammenhalt und ermöglichen vielen Kindern, erste positive Erfahrungen im Schnee zu sammeln. Wir sind sehr dankbar für die Unterstützung, die solche gemeinsamen Tage für Schulen und Familien wesentlich erleichtert“.
Für die Veranstalter steht fest: Die Schulskitage sind weit mehr als ein sportlicher Ausflug. Sie stärken Bewegung, Gemeinschaft und Begeisterung für den Wintersport. Somit leisten sie einen wichtigen Beitrag zur Zukunft des Skilandes Vorarlberg.
Sponsoren der Vorarlberger Schulskitage (für Busanreise):
- V.E.M./Technikland
- Fachgruppe Bus-/Luft-/Schiff
- Fachgruppe Gastronomie
- Wirtschaftskammer Vorarlberg
- Sparte Transport und Verkehr