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Sparte Industrie

Chefinfo

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11.05.2026

1. WKV nimmt Energiezukunft in den Fokus

Auf Einladung der Industrie-Sparte der Wirtschaftskammer Vorarlberg analysierte Johannes Benigni, international tätiger Energieexperte, die komplexe energiepolitische Lage weltweit, in Europa, Österreich und speziell in Vorarlberg.
Johannes Benigni kritisierte dabei fehlendes Leadership auf allen Ebenen und forderte mehr Pragmatismus und gleichzeitig weniger Ideologie. Energieintensive Industrien müssten als strategisch für Europa bedeutsam, mit Blick auf die Bepreisung von CO2, gesondert behandelt werden, um diese nicht aus Europa zu verlieren. WKV-Präsident Karlheinz Kopf gab einen umfassenden Überblick zu aktuellen Projekten und Plänen der WKV. Industrie-SO Markus Comploj verdeutlichte die aktuell zunehmend schwierige Lage für den Wirtschaftsstandort, durch massiv steigende Kosten, im Energie- und auch im Personalkostenbereich.

Industrie-Spartenobmann Markus Comploj, WKV-Präsident Karlheinz Kopf und Energieexperte Johannes Benigni.
© Sparte Industrie/Amann vlnr Industrie-Spartenobmann Markus Comploj, WKV-Präsident Karlheinz Kopf und Energieexperte Johannes Benigni.

2. BSO Mag. Sigi Menz: Ein zu kleiner Schritt…

Die Industrie hat eine Senkung der Lohnnebenkosten gefordert, um die Wettbewerbsfähigkeit der österreichischen Unternehmen und damit Wertschöpfung, Beschäftigung und Wohlstand in Österreich zu sichern. Das Doppelbudget 2027/28 sieht eine solche Senkung vor. Dieser Schritt in die richtige Richtung ist aber leider zu klein, erfolgt zu spät und wird durch eine problematische Gegenfinanzierung ausgehebelt.
Die Ausgangslage ist bekannt: Die Inflationsentwicklung der letzten Jahre hat in Österreich zu weit überdurchschnittlichen Lohnanstiegen geführt und damit die Wettbewerbsfähigkeit der Unternehmen verschlechtert. Die maßvollen Gehaltsabschlüsse des Jahres 2025 konnten die Situation ein wenig entschärfen, aber eben nur ein wenig. Insbesondere die Industrie, mit ihrem hohen Exportanteil, hat daher zuletzt vehement eine rasche und deutliche Senkung der Lohnnebenkosten gefordert. Diese Forderung ist nicht nur vor vielen Wirtschaftsforschern unterstützt worden, sondern wurde auch im aktuellen Regierungsprogramm und in der zu Jahresbeginn 2026 vorgelegten Industriestrategie der Bundesregierung anerkannt

Das nun vorgelegte Doppelbudget für die Jahre 2027 und 2028 sieht tatsächlich eine Senkung der Lohnnebenkosten vor, aber in einem viel zu geringen Ausmaß: Der Beitrag der Dienstgeber zum Familienlastenausgleichsfonds (FLAF) soll von 3,7 % auf 2,7 % verringert werden, womit die Lohnnebenkosten gerade einmal um einen Prozentpunkt sinken. Und diese Senkung soll erst im zweiten Jahr des Doppelbudgets, somit also im Jahr 2028, schlagend werden. Ökonomisch sinnvoll und notwendig wäre zumindest eine vollständige Streichung der (in dieser Form ohnedies sachfremden und europaweit einzigartigen) Finanzierung des Familienlastenausgleichsfonds aus Dienstgeberbeiträgen gewesen, und dies nicht erst 2028 sondern sofort.

Fast zeitgleich mit dem Entwurf zum Doppelbudget hat die OECD ihre jährliche Analyse zur steuerlichen Belastung der Arbeit vorgelegt, die sämtliche Lohn- und gehaltsabhängigen Abgaben berücksichtigt. In dieser Auflistung liegt Österreich an unrühmlicher vierter Stelle, um zwölf Prozentpunkte über dem OECD-Durchschnitt. Die Reduktion der Lohnnebenkosten im nun vorgesehenen Ausmaß verändert die Rangordnung überhaupt nicht: Österreich bleibt hinsichtlich der Gesamtabgaben auf Löhne und Gehälter auf der vierthöchsten Stufe unter allen Industrieländern.

Der (zu) kleine Schritt in die richtige Richtung wird zu einem nicht unbeträchtlichen Teil von den Unternehmen selbst bezahlt: Zum einen müssen Unternehmen künftig auch für Beschäftigte über 60 Jahre in den FLAF einzahlen. Dieser Schritt zu einer Gleichbehandlung der Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer ist nicht grundsätzlich falsch, angesichts der noch immer nicht ausreichenden Erfolge bei der Steigerung der Beschäftigungsquoten älterer Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer aber in Hinblick auf die Pensionsfinanzierung kontraproduktiv. Zum anderen soll die Körperschaftsteuer (KöSt) von derzeit 23 auf 24 Prozent für Unternehmen mit einem Gewinn von mehr als einer Million Euro erhöht werden, und dies noch dazu bereits ein Jahr vor der Senkung der Lohnnebenkosten (somit ab Anfang 2027). Österreich entfernt sich dadurch noch weiter vom EU-Durchschnitt in der Unternehmensbesteuerung, und tendiert immer stärker in Richtung des oberen Drittels. Diese Maßnahme ist standortpolitisch falsch und schwächt zudem jene Unternehmen, von denen Impulse für Investitionen in den rasanten technologischen Wandel und in die energiepolitische Transformation dringend notwendig wären.

Die österreichische Industrie kann mit dem minimalen Schritt im Bereich der Lohnnebenkosten nicht zufrieden sein. Weitere Schritte müssen erfolgen: Das Ziel, einer Senkung der Lohnnebenkosten um fünf Prozent bleibt bestehen und wird weiterhin als Forderung an die Politik herangetragen. Eine solche Maßnahme ist zur Sicherung der Konkurrenzfähigkeit der österreichischen Industrie unverzichtbar. Das Argument leerer Staatskassen steht dem nicht entgegen: Durch verstärktes Wachstum und eine höhere Arbeitskräftenachfrage würde sich jede weitere Lohnnebenkostensenkung mittel- bis längerfristig zu zwei Drittel selbst finanzieren.

Ganz generell fragwürdig ist die Idee, Senkungen von Steuern und Abgaben durch einnahmenseitige Maßnahmen auszugleichen. Die Abgabenquote in Österreich liegt um rund drei Prozentpunkte höher als im Durchschnitt der Euroländer und sogar um dreieinhalb Prozentpunkte über dem EU-Durchschnitt, was einem Volumen von 15 bis 18 Milliarden Euro entspricht. Damit steht für die Industrie außer Zweifel, dass Gegenfinanzierungen von Steuer- und Abgabensenkungen nicht auf der Einnahmenseite, sondern ausschließlich auf der Ausgabenseite erfolgen müssen.

Durch entschlossene Reformen kann die Ausgabendynamik bei wesentlichen Kostenblöcken - in den Bereichen Pensionen, Arbeitslosenversicherung und Gesundheit – eingedämmt und damit Spielraum für Steuer- und Abgabensenkungen geschaffen werden. Zudem bleibt natürlich ein zentrales Anliegen der Industrie die Rückführung der staatlichen Überregulierung, die sowohl im Bereich der Unternehmen wie jenem der öffentlichen Hand zu einer Senkung der Ausgaben beziehungsweise Kosten führen kann. Auch hier gilt, wie bei den Lohnnebenkosten: Größere Schritte sind notwendig, um die Zukunftsfähigkeit Österreichs abzusichern.
Mag. Sigi Menz
Obmann der Bundessparte Industrie

3. Industriekonjunktur in Vorarlberg kippt wieder

„Die aktuellen Umfrageergebnisse zur Industriekonjunktur in Vorarlberg sind besorgniserregend. Unser Standort steht vor einer schleichenden Deindustrialisierung, wenn Standortnachteile nicht beseitigt werden. Das präsentierte Doppelbudget 2027/28 der Bundesregierung hilft dabei nur sehr bedingt“, fasst Michael Amann, Geschäftsführer der Sparte Industrie in der Wirtschaftskammer, die Konjunkturumfrage der Vorarlberger Industrie für das 1. Quartal 2026 zusammen.
Der Geschäftsklimaindex fällt von +13 auf -9,1 Prozent-Punkte. Damit befindet sich dieser Index, der das Mittel der derzeitigen und der erwarteten Geschäftslage in sechs Monaten zeigt, wieder deutlich im negativen Bereich und ein Aufschwung ist nicht in Sicht.

Die aktuelle Geschäftslage
28 Prozent der Vorarlberger Industriebetriebe bewerten ihre aktuelle Geschäftslage als schlecht. Nur 7 Prozent beurteilen sie als gut. Zwar ist sie aktuell für 65 Prozent durchschnittlich, verbessert sich jedoch in den nächsten sechs Monaten nicht. Eine Veränderung der neuerlich frostigen Lage ist nicht in Sicht. Dramatisch sind zudem die Einschätzungen der derzeitigen und künftigen Ertragslage. „Die Erträge brechen weg, 31 Prozent der Unternehmen sehen eine negative Entwicklung ihrer Erträge, der Saldo dreht stark von +21 auf -31 Prozentpunkte“, erklärt Amann. Weiterhin schwach ist der Auftragsbestand. Die Auslandsaufträge werden von keinem Unternehmen als gut erachtet. Hinsichtlich der Produktionstätigkeit in drei Monaten hat sich der Saldo massiv verschlechtert (von +7 auf -35 Prozentpunkte). „Insgesamt verstärkt sich die Sorge um den Industriestandort, da sich Unternehmen zunehmend nach alternativen Perspektiven innerhalb und außerhalb Europas umzusehen beginnen.“

Lohnnebenkosten stärker senken 
Analysen des Wirtschaftsforschungsinstituts WIFO zeigen, dass sich die Lohnstückkosten – diese sind der beste Vergleichswert für die Wettbewerbsfähigkeit - in Österreich in den vergangenen Jahren deutlich stärker angestiegen sind als in vergleichbaren Ländern. Dadurch hat sich die Produktivität gegenüber wichtigen Handelspartnern massiv verschlechtert. Die von der Bundesregierung angekündigte, leichte Senkung der Lohnnebenkosten geht in die richtige Richtung, dürfte für eine Trendwende jedoch viel zu gering sein und kommt 2028 jedenfalls zu spät. Durch die vom Finanzminister erzwungene Gegenfinanzierung, u.a. über eine höhere KÖSt, werden auch die Vorteile gleich wieder zerstört. „Das führt zu weniger Investitionen und gefährdet auch weiterhin Arbeitsplätze. Geld ist in den öffentlichen Haushalten, durch den enorm hohen Staatanteil, ausreichend vorhanden. Diese Mittel müssen allerdings auch standortsichernd und nicht nur umverteilend eingesetzt werden,“ stellt Amann klar

Branchen-Primus Lebensmittelindustrie kommt ebenfalls unter Druck…
Die Vorarlberger Lebensmittelindustrie, die in den vergangenen Quartalen immer mit positiven Ergebnissen aufwarten konnte und stabilisierend wirkte, schwächelt diesmal massiv. 41 Prozent der Unternehmen beurteilen die aktuelle Geschäftslage als schlecht. 

„Das sind unerfreuliche Botschaften, wenn eine bislang stabile Branche wie die Lebensmittelindustrie derart unter Druck gerät“, sagt der Amann und erklärt:
Kurzfristiges wirtschafts- und energiepolitisches Denken verschärfe die Situation zusätzlich. Michael Amann kritisiert, dass ein ernsthaftes Bekenntnis zur Energieautonomie Vorarlbergs mit der Ablehnung zentraler regionaler Energieprojekte – wie jenem von Rondo Ganahl – nicht vereinbar sei. Die Entscheidung der Gemeinde Frastanz sei gerade in wirtschaftlich angespannten Zeiten nicht nachvollziehbar und von Angstmacherei getrieben. Insgesamt schade diese Haltung nicht nur dem Unternehmen, sondern auch der Gemeinde selbst und dem Wirtschaftsstandort Vorarlberg.

An der quartalsmäßigen Umfrage der Sparte Industrie in der Wirtschaftskammer Vorarlberg (WKV) und der Industriellenvereinigung (IV) Vorarlberg haben sich 30 Unternehmen mit 19.683 Beschäftigten beteiligt.

Konjunktur Industrie
© IV/WKV