Zum Inhalt springen
Kunstcafe im Hundertwasserhaus
© Johannes Stuhlpfarrer | WKW

Ein besonderes Café

Das Kunst-Café im Hundertwasserhaus ist vor eineinhalb Jahren übernommen worden und in seiner Form einzigartig.

Lesedauer: 3 Minuten

24.08.2026

1992 ist eine 22-jährige Tänzerin vor dem Krieg in Jugoslawien nach Österreich geflüchtet. Was als vorübergehender Aufenthalt gedacht war, sollte permanent werden. Das erste Buch, das sie in ihrer neuen Heimat gelesen hat, war „Regentag“ von Friedensreich Hundertwasser. Damit hat sie den Künstler und sein Werk kennen und lieben gelernt. Sie verbindet mit ihm Lebensfreude, Friedfertigkeit, Natur als Inspiration und Kraftquelle, Harmonie und das Miteinander.

Nach ihrem Soziologiestudium und ihrer Tätigkeit als Interkulturelle Pädagogin haben Kunst und Kunstvermittlung in unterschiedlichster Art das Leben von Tatjana Christelbauer geprägt. Immer wieder war sie Gast im Kunst-Café und hat dort zum Beispiel Stofftaschen mit Hundertwasser-Motiven wie „Irinaland über dem Balkan“ gekauft. Dann ist der Vorbesitzer in Pension gegangen und hat sie gefragt, ob sie das Lokal nicht übernehmen möchte. Sie und ihr Mann haben nicht lange überlegt. „Für jemanden, der nicht aus der Gastronomie kommt, war das eine Herausforderung“, erzählt Christelbauer. Daher wurde das Restaurant auf einen Imbiss mit 8 Plätzen reduziert, sie nennt es ihren kleinen „Empfangsraum“.

Ein Besuch in Tatjana Christelbauers KunstCafe ist ein Erlebnis, das Kaffeehauskultur und Kunstgenuss auf eine außergewöhnliche Art und Weise verbindet.

Es gibt im Kunst-Café allerlei Souvenirs zu kaufen, von den umliegenden Souvenirgeschäften unterscheidet es sich aber deutlich. Zwar sind noch vereinzelt Altbestände vorhanden, die abverkauft werden, die Richtung ist aber eine ganz andere: Christelbauer will nicht nur verkaufen, sondern sieht sich im Café vor allem als Kunstvermittlerin und arbeitet eng mit der Hundertwasser-Privatstiftung und dem Kunst Haus Wien zusammen. Der Fokus im Café wird daher verstärkt auf den Künstler und sein Schaffen gelegt, mit gemeinsamen Projekten wie dem „Regentropfenball“. 

Christelbauer promotet darüber hinaus die zahlreichen Projekte aus ihrem eigenen Kunstbereich und setzt auf die Zusammenarbeit mit lokalen Künstler:innen sowie dem Bundesblindenverband. So gibt es eine eigene Braille-Werkstatt: Die dort hergestellten Prints wie das Menü und die Erzählkarten liegen im Café auf. Aktuell sind auch Souvenirs wie Schlüsselanhänger in Tropfenform mit dem Wort „Regen“ in Deutsch und Braille erhältlich. Ihre Verbindung mit blinden Menschen wurzelt in frühere Kindheit, in ihrer damaligen engen Beziehung zu ihrer blinden Klavierlehrerin. Von ihr lernte sie, „anders zu sehen“.  

Christelbauer plant, ihre Vereinsbotschafterin Xenia Zeiler anzustellen, die sie einerseits als Kunstvermittlerin unterstützen und die andererseits den Besucher:innen mehr über die Braillewerkstatt erzählen soll. Kennengelernt haben die beiden einander bei Aktivitäten im Rahmen von zwei „ERASMUS+“-Projekten, die Christelbauer in Partnerschaft mit dem Bundesblindeninstitut geleitet hat. Zeiler wurde bereits als Vermittlerin bei der Ausstellung des Bundesblindeninstituts „Ich lese ich schreibe ich bin“ engagiert.

Christelbauers Kreativität und Vielseitigkeit setzt sich auf der Karte ihres Cafés fort: Dort finden sich neben Kaffeehaus-Klassikern fantasievolle Eigenkreationen wie Himbeerspritzeis mit Waldviertler Mohn und Öl, Gänseblümchen-Buttermilch oder Snacks wie „Servus & Salut“ mit französischer Haselnusswurst, Laugensticks, Kremser Senf und wahlweise Stiegl Bier oder Almdudler. Ein Raumteil im Kunst-Café ist Informationen über Neuseeland gewidmet, der zweiten Heimat Hundertwassers. Kulinarisch setzt sie das mit dem Neuseeland-Brunch „Kia Ora!“ um.

Wer in das Kunst-Café kommt, erlebt nicht nur eine besondere Atmosphäre, sondern auch eine Gastgeberin, die sich für ihre Besucher:innen und deren Geschichten interessiert. Wer bei ihr einkehrt, kann interessante Gespräche erwarten. Ebenfalls über Dinge, die ihr am Herzen liegen, wie Hundertwasser und Kunst allgemein. Kulturtipps für Tourist:innen inklusive. Wie wird sich das Café verändern? „Es soll ein Kulturort werden, der Kaffee ist eine angenehme und schöne Begleiterscheinung“, erzählt Christelbauer. Die Optimierung der Onlinepräsenz steht gleichfalls auf dem Programm.