Vor den Vorhang: Ein Ort der Begegnung: Der Krimisalon
Ausgewählte Literatur, persönliche Beratung und herzliche Atmosphäre
Lesedauer: 4 Minuten
Der Krimisalon bringt seit 10 Jahren echten Lesegenuss mitten in den 6. Bezirk und bietet Krimifans einen lebendigen Raum für gute Gespräche.
Jeder gute Krimi braucht eine packende Vorgeschichte. Für Elisabeth Schippel, die ursprünglich aus der klassischen Bürowelt kam, begann das Abenteuer bei einem vermeintlich harmlosen Spaziergang, als ihr plötzlich der Name für ihre Idee ins Auge sprang. „Ich wollte schon länger einen öffentlichen Raum für Begegnungen schaffen“, erzählt sie.
Angetrieben von ihrer unbändigen Leidenschaft für Kriminalliteratur, schritt sie am 10. Dezember 2016 in der Magdalenenstraße 21 zur Tat. Mit der Eröffnung des „Krimisalons“ wagte sie den Sprung in die Selbstständigkeit und schloss damit eine echte Lücke im Grätzel.
Die Ermittlungen haben sich längst gelohnt, denn im Dezember dieses Jahres feiert der Krimisalon sein 10-jähriges Bestehen. „Mein Konzept ist voll aufgegangen“, sagt die Buchhändlerin stolz. Aus der anfänglichen Nische ist ein lebendiger Grätzeltreffpunkt für Nachbar:innen und Stammkund:innen geworden. Eine feine Jubiläumsfeier ist bereits in Planung.
Ein Blick in die Regale: Einzigartige Auswahl zu fairen Preisen
Schon beim Betreten merkt man, dass dies keine klassische Buchhandlung ist. Neben einer sorgsam getroffenen Auswahl an deutschsprachiger Literatur unter dem Lebensmotto „Spannung & Würze“ finden sich hier überraschenderweise auch zahlreiche Kinderbücher. „Weil auch Kinderbücher verdammt spannend sind!“, verrät die Salon-Inhaberin schmunzelnd. Kleine Besucher:innen blättern auf dem Fauteuil in der Ecke durch ihre Entdeckungen.
Ihre Auswahl spürt die gebürtige Kärntnerin in Katalogen auf oder lässt sich von Kund:innen inspirieren. Ikonen wie Agatha Christie, Fred Vargas oder Heinrich Steinfest dürfen für die Krimiliebhaberin dabei in keinem Regal fehlen. Einen guten Krimi macht für sie anspruchsvolle Sprache, ein top recherchiertes Thema und ein sympathischer Protagonist oder eine sympathische Protagonistin aus.
Dass man für diese handverlesene Qualität und die persönliche Beratung keinen Cent extra zahlt, versteht sich von selbst. Im Gegenteil: Durch die Buchpreisbindung in Österreich sind die Bücher hier keineswegs teurer als im Netz und oft sogar günstiger als bei den Großfilialisten.
Ein Ort, der Menschen zusammenbringt
Wer online bestellt, holt seine literarische Beute persönlich ab. Die Buchhändlerin will das gar nicht anders: „Ich möchte mit meinen Kund:innen ins Gespräch kommen“, erklärt sie. Dafür stehen vier Holzsessel rund um einen Marmortisch bereit, an dem gemeinsam geblättert, diskutiert und empfohlen wird. Viele Kund:innen sind mittlerweile zu Freund:innen geworden. Die Magie des Ortes wirkt dabei weit über das Lesen hinaus: Zwischen den Bücherregalen hat sich sogar schon einmal ein Liebespaar gefunden.
Auf Spurensuche im Krimisalon
Die Zielgruppe der Ein-Raum-Buchhandlung ist so vielfältig wie die Mordmotive in einem guten Krimi. Da gibt es zielgerichtete Buchjäger:innen, die genau wissen, was sie wollen, ihr Werk kaufen oder direkt bestellen. Andere wiederum beschreiben Elisabeth Schippel das Täterprofil ihrer Wunschlektüre. „Viele suchen etwas Fesselndes für den Urlaub“, erzählt die Salon-Inhaberin, die daraufhin fachkundig berät.
Besonders zur Urlaubszeit werden bevorzugt Krimis gekauft, die im jeweiligen Reiseland spielen. Aber auch Suchende nach speziellen Wien-Krimis werden fündig. Selbst die jüngere Generation zieht es vermehrt ins Geschäft, da das Interesse am gedruckten Wort ungebrochen groß ist und die Leute etwas Echtes in der Hand haben wollen.
Mehr als nur Lesestoff: Besondere Präsente
Ein Blick abseits der Buchrücken lohnt sich, denn im Krimisalon verbergen sich ausgewählte Schätze, die dem Leben zusätzliche Würze verleihen. Das liebevoll kuratierte Sortiment reicht von Wienerlied-CDs, wie etwa vom Trio Lepschi oder Kollegium Kalksburg, über Jauntaler Schnaps aus Kärnten und direkt in Wien gebrautem Rodauner Bier bis hin zu Hamam-Tüchern, gestrickten Vasen, Modeschmuck, recycelten Geldbörsen und begehrten gehäkelten Taschen. Lesefans finden durch die persönliche Beratung nicht nur das passende Buch, sondern gleich das perfekte kleine Geschenk dazu.
Kultur im Grätzel: Lesungen, Kulinarik und kreative Workshops
Besonders am Herzen liegen der Gastgeberin die regelmäßigen Lesungen, bei denen bis zu 25 Gäste gebannt den Autor:innen lauschen. Nach dem literarischen Nervenkitzel in intimer Atmosphäre folgt der gemütliche Teil: Ein Buffet mit selbstgemachten Aufstrichen, Prosecco und Kuchen lädt dazu ein, den Abend bei guten Gesprächen gemütlich ausklingen zu lassen.
Auch abseits der Literatur möchte die Salon-Inhaberin Menschen zusammenbringen. Ein Strick-Workshop hat bereits stattgefunden, für die Zukunft sind weitere Formate wie Häkel- oder Origami-Workshops denkbar.
Die perfekte Flucht vor dem Alltag
Warum braucht Wien den Krimisalon? Die Antwort von Elisabeth Schippel kommt wie aus der Pistole geschossen: „Zur Entschleunigung und um einfach mal raus aus dem Alltag zu kommen.“ Ein Schritt über die Schwelle genügt, um die Hektik der Großstadt zu vergessen. Es ist ein Ort der Beständigkeit, an dem die Zeit für einen Moment stillsteht. Der Salon besticht durch persönliche Beratung, Herzlichkeit sowie die Liebe zum geschriebenen Wort und zeigt, dass die besten Geschichten immer noch im echten Leben geschrieben werden.
Kontakt
Krimisalon
Magdalenenstraße 21
1060 Wien
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