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Anna Polz von Die Wachauerin
© Fernanda Nigro

Vor den Vorhang: Wein, Laberl und Liebe - Die Wachauerin

Besondere Wachauer Weine, kreative Heurigenschmankerl und Pop-Art-Atmosphäre: Anna Polz und Manfred Mladosevits bringen mit ihrer Weinbar frischen Wind und Wachauer Lebensgefühl in den Alsergrund.

Lesedauer: 5 Minuten

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09.06.2026

Die goldene Decke des Geschäftslokals erinnerte Anna Polz sofort an die Wachauer Goldhauben und das vertraute Apricot der Wandfarbe an reife, sonnengewärmte Wachauer Marillen. Dass sie die leerstehenden Räume am Frankhplatz 2, im 9. Bezirk, übernehmen würde, war damit eigentlich schon entschiedene Sache. Der Raum hatte sie gerufen. 

Die Wachauerin – seit Oktober 2025

Anna Polz wuchs in Rührsdorf am Südufer der Wachau auf. Für die Tochter einer Winzerfamilie, die dort seit 1893 Weinbau betreibt, war Wein niemals nur ein Hobby – er war Luft, Wasser und Leben.

Erste Schritte in der Gastronomie machte Anna Polz im familieneigenen Heurigenbetrieb, darauf folgte die Ausbildung als Touristikkauffrau und zuletzt mehrere Jahre im Parlament im Veranstaltungsbereich.

Doch Anfang 2025 kam es so, wie es für Menschen, die ihrem Ursprung so verbunden bleiben wie Anna Polz, bereits in ihren Wurzeln vorgezeichnet war: Sie gab der noch zarten Idee, eine Weinbar in Wien zu eröffnen, Platz, sich zu entfalten. Was als „charmante Spinnerei“, wie sie es selbst nannte, begann, blühte im Gespräch mit ihrem Partner Manfred Mladosevits rasch auf. Er selbst kultivierte sein Wissen in der Welt von Wein & Co und Transgourmet, wodurch aus der Vision der beiden ein Plan wurde, der heute Früchte trägt: Die Wachauerin ist eine Weinbar mit Charakter. 

Das Südufer im Glas

Was Die Wachauerin von anderen Weinbars unterscheidet, ist nicht der Ehrgeiz, möglichst viele Regionen abzudecken – sondern das Gegenteil: Fokus. Etwa die Hälfte der 80 bis 100 Weine auf der Karte stammt vom rechten Donauufer zwischen Mautern und Melk, jenem Teil der Wachau, den selbst Weinliebhaber:innen oft noch als Geheimtipp handeln. „Die großartigen Weine von dort sind in Wien einfach unterrepräsentiert“, sagt Anna Polz und nimmt das selbst in die Hand. Ins Sortiment kommt nur, was sie und Manfred Mladosevits wirklich überzeugt.

Neben dem Genuss vor Ort – egal, ob Wein oder alkoholfreier Marillennektar-Spritz und Traubensaft – gibt es die Weine auch als „wine2go“. Viele Gäste entdecken hier neue Favoriten und fahren danach gern selbst in die Wachau, um die Winzer:innen kennenzulernen. Denn im Wein liegt nicht nur die Wahrheit, sondern vor allem auch viel Persönlichkeit der Menschen, die den Weg vom Rebstock bis in die Flasche begleiten. Und so darf man Die Wachauerin als authentische, wenn auch inoffizielle Kulturgutbotschafterin verstehen. 

Das Laberl als Hauptdarsteller

Kulinarisch setzt das Gastgeberteam auf neu interpretierte Heurigen-Klassiker wie das Original Wachauer Laberl aus der Bäckerei Schmidl. Es wurde 1905 von Rudolf Schmidl erfunden – mit Roggenanteil, rauer Oberfläche und einem Geschmack, der eine Kaisersemmel gewöhnlich wirken lässt. „In Wien“, sagt Anna Polz, „ist es viel zu selten zu finden“, weshalb sie ihm auf ihrer Speisekarte einen Ehrenplatz einräumt: als Basis für den Bratl-Burger, zum Antipasti-Teller, zum Beef Tatar oder auf Vorbestellung einfach zum Mitnehmen.

Dazu gibt es „Annis Edeljausn“: Beef Tatar auf Wachauer Art, cremige Burrata mit Paprika-Marillenragout, marinierte Blunzen mit Grammeln und Trüffelperlen. Wer süß abschließen möchte, macht das mit hausgemachten Marillenpalatschinken sowie Mohn- und Marillenzelten. 

Pop-Art-Ahnen und Wohnzimmergefühl

Die Einrichtung ist mit Liebe zum Detail gestaltet: verspielt, bunt, mit kleinen Pop-Art-Elementen, die sich durch den gesamten Raum ziehen. An den Wänden begegnen den Besucher:innen die Winzer-Vorfahren von Anna Polz als farbenfrohe Kunstwerke – Goldhauben und Wachauer Klischees, frech und charmant interpretiert. Mit Schmäh und Weinseligkeit hätten diese Ahnen vermutlich selbst so manchen Abend hier verbracht.

Viele Gäste kommen direkt vom Büro und bleiben oft noch ein Glas länger als geplant. Das ist kein Zufall, es ist ein Konzept. Sie genießen die spürbar leichtere Lebensart, die schon so nah an der Großstadt beginnt und die vom sanften Donaufluss von der Wachau nach Wien getragen wird. 

Wein als Gemeinschaftserlebnis

Um ihrem eigenen Anspruch, die Weinbar zum erweiterten Wohnzimmer der Gäste zu machen, gerecht zu werden, haben sich Anna Polz und Manfred Mladosevits ein über den kulinarischen Genuss hinausgehendes Angebot überlegt. Besonders beliebt ist das „Blind Tasting Dating“, ein spielerisches Format, bei dem nicht Aussehen oder Smalltalk entscheiden, sondern allein der Weingeschmack. In moderierter Runde verkosten zehn Teilnehmerinnen und zehn Teilnehmer zehn Weine blind und entdecken dabei nicht nur neue Favoriten, sondern vielleicht auch ihren persönlichen „Match“.

Auch „Bring your own bottle“ sorgt regelmäßig für volle Gläser und gute Stimmung. Hier bringen die Gäste eine Flasche Wein aus einer bestimmten Region im Wert von mindestens 30 Euro selbst mit, die anschließend in einer kleinen Runde von maximal zwölf Personen blind verkostet wird.

Spielspaß ist bei den regelmäßig stattfindenden Barquiz-Abenden mit Fragen aus den Rubriken Musik, Wein und Popkultur garantiert, bei denen Teams mit bis zu fünf Personen gegeneinander antreten. Darüber hinaus verwandelt sich die Weinbar auch gerne in eine Eventlocation für Firmen-, Weihnachtsfeiern, Teambuildings oder Afterwork-Events und bietet Platz für rund 40 Personen. Eine Reservierung wird etwa zwei Wochen im Voraus empfohlen. 

Wachauer Lebensgefühl wächst weiter

Sobald die Bauarbeiten vor der Weinbar abgeschlossen sind, soll ein Schanigarten entstehen, der das Wachauer Lebensgefühl auch nach draußen trägt. Bis dahin: einfach reinkommen. Die goldene Decke wartet schon. 

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