Australien verschärft Regulierungen von Social Media
NutzerInnen sollen selbst entscheiden, wie Inhalte angezeigt werden
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Australien Software & IT Publishing/Media/WerbungAustralien treibt die Regulierung von Social-Media-Plattformen weiter voran. Nach dem weltweit ersten Social-Media-Verbot für unter 16-Jährige kündigte die Regierung nun das Gesetzespaket „Digital Duty of Care“ an. Ziel ist es, Nutzern mehr Kontrolle über die Inhalte zu geben, die ihnen auf Plattformen wie Instagram, TikTok oder Facebook angezeigt werden.
Im Zentrum der geplanten Regelung steht das Prinzip „My Feed, My Way“. Künftig sollen Social-Media-Anbieter verpflichtet werden, ihren Nutzerinnen und Nutzern die Möglichkeit zu geben, algorithmisch generierte Feeds abzuschalten. Statt personalisierter Empfehlungen würden dann nur noch Beiträge von Accounts angezeigt, denen man aktiv folgt. Bei Verstößen drohen den Plattformbetreibern empfindliche Strafen. Diese können laut den angekündigten Plänen mehr als 100 Millionen AUD betragen.
Schutz Minderjähriger im Fokus
Neben der Wahlfreiheit bei Feeds soll das Gesetz auch den Schutz von Kindern und Jugendlichen stärken. Digitale Plattformen würden verpflichtet werden, Minderjährige besser vor schädlichen oder illegalen Inhalten zu schützen.
Die Umsetzung solcher Vorgaben bleibt jedoch eine Herausforderung. Bereits das im Dezember 2025 eingeführte Verbot sozialer Medien für unter 16-Jährige stößt in der Praxis auf Schwierigkeiten. Studien zeigen, dass viele Kinder weiterhin auf den betroffenen Plattformen aktiv sind. Bislang wurden außerdem keine größeren Technologiekonzerne öffentlich sanktioniert.
Zweifel an der Wirksamkeit
Kritiker weisen darauf hin, dass Algorithmen längst nicht mehr nur den Hauptfeed steuern. Funktionen wie Reels, Stories oder Entdecken-Bereiche basieren ebenfalls auf Empfehlungssystemen. Selbst wenn Nutzer den personalisierten Feed deaktivieren, könnten sie auf anderen Bereichen der Plattform weiterhin algorithmisch ausgewählte Inhalte sehen.
Nach dem derzeit geplanten Modell müssen Nutzer aktiv widersprechen und die Personalisierung selbst abschalten. Kritiker sehen darin eine zu große Verantwortung beim Einzelnen und fordern stattdessen ein sogenanntes „Opt-in-Modell“, bei dem Nutzer der Personalisierung ausdrücklich zustimmen müssen.
Orientierung an Europa
Mit dem Vorstoß folgt Australien einem internationalen Trend. In der Europäischen Union müssen große Online-Plattformen im Rahmen des Digital Services Act bereits seit 2024 eine Alternative zu personalisierten Empfehlungen anbieten. Kritiker bemängeln jedoch, dass diese Optionen oft schwer auffindbar seien und von vielen Nutzern kaum wahrgenommen würden.
Mehr Kontrolle, viele offene Fragen
Mit dem geplanten Gesetz setzt Australien seinen Kurs einer strengeren Kontrolle von Online-Plattformen fort. Die Regelung könnte weltweit neue Maßstäbe für den Umgang mit Algorithmen setzen und Nutzern mehr Einfluss auf ihren digitalen Alltag geben. Ob dies tatsächlich zu mehr Transparenz und weniger problematischen Inhalten führt, wird jedoch maßgeblich davon abhängen, wie umfassend die Vorgaben formuliert und anschließend durchgesetzt werden.
Für österreichische Unternehmen, die Social Media für Marketing und Vertrieb nutzen, sind die Entwicklungen auch außerhalb Australiens von Bedeutung. Sollten Nutzer verstärkt algorithmische Empfehlungen deaktivieren, könnte die organische Reichweite von Inhalten stärker von bestehenden Followern abhängen als von automatisierten Empfehlungssystemen. Gleichzeitig zeigt die Initiative, dass die internationale Regulierung digitaler Plattformen weiter zunimmt und Unternehmen ihre Social-Media-Strategien künftig stärker an unterschiedliche nationale Vorgaben anpassen müssen.