Der kolumbianische Peso zählt 2026 bislang zu den stärksten Währungen Lateinamerikas. Nach Angaben des Finanzverbands ANIF (Asociación Nacional de Instituciones Financieras) hat die Landeswährung gegenüber dem US-Dollar seit Jahresbeginn um rund 12,8 % aufgewertet. Während dies die Kaufkraft kolumbianischer Importeure stärkt, geraten exportorientierte Unternehmen zunehmend unter Druck.
Besonders betroffen sind traditionelle Exportsektoren wie Blumen, Kaffee und Bananen, deren Produktion großteils für internationale Märkte bestimmt ist. Durch die Aufwertung des Peso verteuern sich kolumbianische Produkte auf dem Weltmarkt, wodurch die internationale Wettbewerbsfähigkeit der Unternehmen sinkt. Laut ANIF entfallen rund 92,6 % der Blumenproduktion, 88,3 % der Kaffeeproduktion und 65,7 % der Bananenproduktion auf Exportmärkte.
Als wesentliche Gründe für die Peso-Aufwertung werden die allgemeine Schwäche des US-Dollars, höhere internationale Ölpreise sowie eine verbesserte Stimmung an den Finanzmärkten im Vorfeld des Amtsantritts der neuen Regierung unter Präsident Abelardo de la Espriella genannt.
Zusätzlichen Druck auf die Exportwirtschaft verursachen steigende Produktionskosten. Insbesondere die wiederholten Erhöhungen des Mindestlohns führen zu höheren Arbeitskosten in arbeitsintensiven Branchen. Gleichzeitig sorgen neue US-Zölle auf ausgewählte kolumbianische Produkte für zusätzliche Unsicherheit im Außenhandel. Nach Einschätzung des Außenhandelsverbands Analdex könnten rund 30 % der kolumbianischen Exporte direkt oder indirekt von den neuen Zollmaßnahmen betroffen sein.
Für österreichische Unternehmen ergeben sich daraus unterschiedliche Auswirkungen. Einerseits könnten sich Importe aus Kolumbien, etwa von Kaffee, Agrarprodukten oder Vorprodukten für die Industrie, aufgrund des stärkeren Peso verteuern. Andererseits verbessert die Aufwertung die Kaufkraft kolumbianischer Unternehmen gegenüber dem Euro. Dies könnte die Nachfrage nach österreichischen Investitionsgütern und Technologien erhöhen.