Litauen: Europas erste Fabrik für süße Proteine – Grundsteinlegung
Mit einem 65-Millionen-Euro-Investment revolutioniert das Start-up Pentasweet den Zuckermarkt durch innovative Präzisionsfermentation.
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Ein Meilenstein für die europäische Lebensmitteltechnologie: In Litauen haben offiziell die Bauarbeiten für die kontinentweit erste Produktionsstätte für süße Proteine begonnen. Das wegweisende Großprojekt des Food-Tech-Start-ups Pentasweet im Vilnius City Innovation Industrial Park hat mit der feierlichen Grundsteinlegung eine entscheidende Phase erreicht. Mit einem Investitionsvolumen von 65 Millionen Euro handelt es sich um eines der bedeutendsten biotechnologischen Vorhaben des Landes. Ab Anfang 2027 soll die Fabrik im industriellen Maßstab den innovativen Zuckerersatz Brazzein herstellen.
Präzisionsfermentation: 1.500-mal süßer als Zucker
Das Herzstück der neuen Anlage ist die Herstellung von Brazzein. Dieses natürliche Protein kommt ursprünglich in den Früchten der afrikanischen Oubli-Pflanze vor und ist bis zu 1.500-mal süßer als herkömmlicher Zucker. Um den Rohstoff massentauglich und unabhängig von tropischen Lieferketten zu machen, nutzt Pentasweet die Methode der Präzisionsfermentation. Dabei werden Hefekulturen in Bioreaktoren so programmiert, dass sie das exakte Proteinmolekül reproduzieren.
Aus ernährungsphysiologischer Sicht bietet das süße Protein revolutionäre Vorteile: Es wird vom Körper wie ein normales Protein verstoffwechselt, verursacht keine Blutzuckerspitzen und schont das Mikrobiom. Aufgrund der enormen Süßkraft reichen winzige Mengen aus, um kalorienfreie Lebensmittel ohne geschmackliche Kompromisse zu kreieren. Zudem setzt das Werk auf Nachhaltigkeit: Die bei der Fermentation anfallenden Nebenprodukte werden direkt vor Ort für Biokraftstoffe, Dünger oder Tierfutter weiterverwertet.
Ein strategischer Gewinn für Litauens Wirtschaft
Die litauische Regierung misst dem Projekt eine enorme Bedeutung bei und hat dem Vorhaben den Status eines „Großinvestitionsprojekts“ verliehen. Unterstützt wird der Bau durch ein Darlehen der nationalen Entwicklungsbank ILTE. Auf dem rund 1,2 Hektar großen Areal entsteht ein hochmoderner, über 8.000 Quadratmeter umfassender Industriekomplex. Da die sensiblen technologischen Prozesse extrem hohe Anforderungen an die Steuerung stellen, wird die Fabrik weitgehend automatisiert betrieben. Dennoch entstehen rund 30 hochqualifizierte Arbeitsplätze für Spezialisten aus der Biotechnologie.
Die litauische Politik betonte bei der Zeremonie, dass diese Fabrik beweise, dass das Land eine Spitzenrolle in den globalen Lebenswissenschaften einnehmen kann. In der Endausbaustufe soll die Anlage eine Produktionskapazität erreichen, die der Süßkraft von bis zu 50.000 Tonnen Zucker entspricht. Damit wird Vilnius zum zentralen europäischen Knotenpunkt für die nächste Generation gesunder Lebensmittelinnovationen.