Sambia: Afrikanische Entwicklungsbank stärkt Entwicklung des Lobito-Korridors
Mit der Genehmigung des Lobito Integrated Economic Corridor Development Project durch das Board der African Development Bank Group (AfDB) am 20. Mai 2026 wurde ein wesentlicher Meilenstein für die Entwicklung des Lobito-Korridors erreicht. Das Vorhaben zählt zu den wichtigsten Infrastruktur- und Integrationsprojekten Afrikas und soll die Verkehrs- und Handelsanbindung zwischen Angola, Sambia und der Demokratischen Republik Kongo grundlegend verbessern. Der Korridor verbindet den Atlantikhafen Lobito in Angola mit den rohstoffreichen Bergbau- und Wirtschaftsregionen im südlichen Zentralafrika und schafft damit einen deutlich kürzeren Exportweg zu internationalen Märkten.
Neue Eisenbahnverbindung als Kernstück
Zentraler Bestandteil des Projekts ist der Bau einer neuen Eisenbahnstrecke mit einer Gesamtlänge von rund 829 Kilometern. Davon entfallen etwa 550 Kilometer auf Sambia und 279 Kilometer auf Angola. Die Strecke soll Chingola im sambischen Copperbelt mit Luacano in Angola verbinden und anschließend an die bestehende Lobito Atlantic Railway angebunden werden. Ziel ist es, den Transport von Rohstoffen, Industriegütern und Agrarprodukten zum Hafen von Lobito deutlich zu beschleunigen und kostengünstiger zu gestalten. Nach Angaben der AfDB soll sich die Transportzeit auf der Strecke Chingola–Lobito von derzeit rund 17 Tagen auf etwa drei Tage reduzieren. Die Bahnverbindung wird als Public-Private-Partnership-Modell umgesetzt. Projektentwickler ist die Africa Finance Corporation (AFC), die Realisierung erfolgt im Rahmen einer langfristigen Design-Build-Finance-Operate-Maintain-Transfer-Konzession mit einer Laufzeit von 30 Jahren. Die AfDB betrachtet das Projekt als Pilotmodell zur Mobilisierung privaten Kapitals für großvolumige Infrastrukturprojekte in Afrika.
Öffentliche Begleitinvestitionen entlang des Korridors
Neben der Bahninfrastruktur umfasst das Vorhaben eine Reihe öffentlich finanzierter Maßnahmen, die die wirtschaftliche Wirkung des Korridors verstärken sollen. Dazu gehören insbesondere:
- der Ausbau von rund 105 Kilometern Straße zwischen Mwinilunga und Jimbe in Sambia,
- die Errichtung eines One-Stop Border Post (OSBP) an der Grenze zwischen Sambia und Angola,
- Handels- und Transporterleichterungsmaßnahmen,
- institutionelle Unterstützung für Behörden und Korridormanagement,
- Umsiedlungs- und Entschädigungsmaßnahmen entlang der neuen Infrastrukturtrassen.
Die AfDB verfolgt dabei einen integrierten Ansatz, der Transportinfrastruktur mit Handelsförderung, wirtschaftlicher Entwicklung, Landwirtschaft, Energieversorgung und regionaler Wertschöpfung verbindet. Das Projekt soll mehr als 5,1 Millionen Menschen entlang des Korridors zugutekommen.
Finanzierung der ersten Projektphase
Für die erste Umsetzungsphase hat die AfDB ein Gesamtfinanzierungspaket von rund 194 Millionen Rechnungseinheiten (UA) beziehungsweise etwa 265 Millionen US-Dollar bereitgestellt. Dieses setzt sich zusammen aus:
- einem Darlehen des African Development Fund (ADF) in Höhe von 186,1 Millionen UA (rund 255 Millionen US-Dollar),
- einem Zuschuss über 7,3 Millionen UA beziehungsweise 8,6 Millionen Euro aus der Rome Process/Mattei Plan Financing Facility,
- sowie einem Eigenbeitrag der sambischen Regierung.
Der Bahnabschnitt in Sambia wird dabei teilweise über sogenanntes Viability Gap Funding unterstützt. Diese Form der Anschubfinanzierung soll die wirtschaftliche Tragfähigkeit der PPP-Konzession erhöhen und zusätzliche private Investitionen mobilisieren. Laut AfDB ist zudem eine zweite Finanzierungsphase unter dem Programm ADF-17 vorgesehen, die jedoch noch unter Genehmigungsvorbehalt steht. Insgesamt könnte die Unterstützung der Bank perspektivisch bis zu 500 Millionen US-Dollar erreichen.
Das Projekt ist eingebettet in eine breite internationale Partnerschaft. Neben der AfDB sind zahlreiche Entwicklungs- und Finanzierungspartner involviert, darunter die Europäische Union im Rahmen der Global-Gateway-Initiative, die Weltbank, die Vereinigten Staaten, Italien sowie die AFC. Der Lobito-Korridor wird von vielen Partnern als strategisches Infrastrukturprojekt betrachtet, das die regionale Integration im südlichen Afrika stärken und neue Investitionen entlang der Transportachse ermöglichen soll.
Beschaffungsplan eröffnet Geschäftsmöglichkeiten
Für Unternehmen von besonderem Interesse ist der von der AfDB veröffentlichte indikative Beschaffungsplan für die erste Projektphase. Die Beschaffungspläne der Bank bieten einen Überblick über die vorgesehenen bankfinanzierten Ausschreibungen, einschließlich Vergabemethode, Umfang und geplantem Zeitrahmen. Sie dienen Unternehmen als wichtige Orientierung für die frühzeitige Identifizierung kommender Geschäftsmöglichkeiten im Projektumfeld. Die entsprechenden Informationen werden von der AfDB über ihre Procurement-Plattform veröffentlicht. Als ausschreibende Stelle für die Straßenbaulose fungiert die sambische Road Development Agency (RDA). Bereits veröffentlicht wurden die ersten beiden Ausschreibungen in Form von Aufrufen zur Interessensbekundung (Expressions of Interest, EoI) für die Bauaufsicht der Straßenabschnitte:
- Los 1: Mwinilunga – Zambezi Source (52 km)
- Los 2: Zambezi Source – Jimbe inklusive Nyamwana-Abzweigung (63 km)
Die Frist zur Einreichung von Interessensbekundungen läuft bis zum 9. Oktober 2026. Weitere Ausschreibungen für Straßenbauarbeiten, den Grenzposten, technische Beratung, Handelsförderungsmaßnahmen und institutionelle Unterstützungsleistungen sollen gemäß dem veröffentlichten Beschaffungsplan in den kommenden Monaten folgen.
Wirtschaftliche Bedeutung
Die AfDB erwartet erhebliche wirtschaftliche Impulse durch das Projekt. Neben rund 5.000 temporären Arbeitsplätzen während der Bauphase und etwa 500 dauerhaften Arbeitsplätzen sollen verbesserte Verkehrsverbindungen die Wettbewerbsfähigkeit der Region steigern, Logistikkosten senken und neue Investitionen anziehen. Gleichzeitig sollen Handelsströme zwischen Angola und Sambia deutlich zunehmen, während lokale Unternehmen, Landwirte und Logistikdienstleister von besseren Marktanbindungen profitieren.
Mit der Genehmigung des Lobito Integrated Economic Corridor Development Project hat die African Development Bank Group den Startschuss für die erste große Umsetzungsphase des Lobito-Korridors gegeben. Die Kombination aus privat finanzierter Eisenbahn, öffentlich geförderter Infrastruktur und umfangreichen Handels- und Grenzerleichterungsmaßnahmen macht das Vorhaben zu einem der ambitioniertesten regionalen Entwicklungsprojekte Afrikas. Für österreichische Unternehmen ergeben sich daraus interessante Geschäftschancen insbesondere in den Bereichen Infrastruktur, Logistik, Energie, Umwelttechnologien sowie Engineering.
Haben wir Ihr Interesse am Lobito Korridor geweckt? Bei Interesse können Sie das AußenwirtschaftsCenter Johannesburg jederzeit per E-Mail oder Telefon kontaktieren.