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Eine breite Betonstaumauer erstreckt sich quer über ein Tal. Mehrere große Baukräne stehen entlang der Mauer im Vordergrund. Im Vordergrund befinden sich Baustelleneinrichtungen, Leitungen und ein Weg entlang der Böschung
© Khun Ta | stock.adobe.com

Südafrika: Eskom sucht Partner für 1,5-GW-Pumpspeicherprojekt Tubatse

Neues Großprojekt in Limpopo soll erneuerbare Energien besser ins Netz integrieren

Lesedauer: 4 Minuten

Südafrika Energiewirtschaft Erneuerbare Energien Elektro/Elektronik/Mechatronik Beratung
03.11.2026

Der südafrikanische Energieversorger Eskom Holdings hat die Suche nach einem strategischen Partner für die Entwicklung des 1,5-GW-Pumpspeicherprojekts Tubatse in der Provinz Limpopo eingeleitet. Das Vorhaben zählt zu den bedeutendsten Energiespeicherprojekten des Landes und soll als größtes Pumpspeicherkraftwerk Südafrikas künftig eine zentrale Rolle bei der langfristigen Stromspeicherung übernehmen. Das Projekt wurde als eines von zwölf nationalen Infrastrukturvorhaben mit strategischer Bedeutung eingestuft, von Infrastructure South Africa als Strategic Integrated Project (SIP 20d) ausgewiesen und in das Programm „Just Energy Transition“ (JET) aufgenommen. Ziel ist es, die Integration erneuerbarer Energien in das Stromnetz zu erleichtern, die Versorgungssicherheit zu erhöhen und Südafrikas Übergang zu einem resilienteren und kohlenstoffärmeren Energiesystem zu unterstützen. 

Ausschreibung für Entwicklung und Finanzierung

Im Rahmen eines Qualifikationsverfahrens ruft Eskom erfahrene und finanziell leistungsfähige Unternehmen dazu auf, sich an der Entwicklung, Finanzierung und Umsetzung des Projekts zu beteiligen. Qualifizierte Bewerber werden anschließend zu einer Ausschreibungsphase eingeladen, in der die konkreten Partnerschafts- und Beteiligungsmodelle definiert werden.

Das Projekt wird von Eskom Green vorangetrieben, einer Geschäftseinheit des Energieversorgers mit Schwerpunkt auf großskaligen Projekten im Bereich erneuerbarer Energien. Die Initiative soll die Dekarbonisierung der südafrikanischen Wirtschaft beschleunigen, die Energiewende unterstützen, industrielle Wertschöpfung fördern und die Verfügbarkeit erneuerbarer Energien für Unternehmen erhöhen. Gleichzeitig sollen Kunden die Möglichkeit erhalten, den CO₂-Fußabdruck ihres Energieverbrauchs zu reduzieren.

Bedeutender Beitrag zur Netzstabilität

Die geplante Anlage entsteht in der Nähe von Roossenekal in Limpopo und wird mit vier reversiblen Pumpturbinen ausgestattet. Mit einer installierten Leistung von 1,5 GW und einer Speicherkapazität von rund 21 GWh kann das Kraftwerk über einen Zeitraum von bis zu 14 Stunden Strom bereitstellen. Die Anlage soll überschüssige Energie aus Wind- und Solarkraftwerken in Zeiten geringer Nachfrage speichern und bei hoher Netzlast oder sinkender Erzeugung aus erneuerbaren Quellen wieder ins Netz einspeisen. Dadurch können erneuerbare Energien effizienter genutzt, Energieverluste reduziert und die Versorgungssicherheit gestärkt werden. Gleichzeitig übernimmt das Kraftwerk wichtige Systemdienstleistungen wie Frequenzregelung, Bereitstellung von Betriebsreserven und Spannungsstützung.

Mit seiner langen Speicherdauer ergänzt Tubatse Batteriespeicher, deren wirtschaftliche Einsatzdauer in der Regel deutlich kürzer ausfällt. 

Vermarktung über Stromabnahmeverträge oder Privatkunden

Für die Vermarktung des Projekts verfolgt Eskom mehrere Optionen. Bevorzugt wird die Aufnahme in den Integrated Resource Plan (IRP) 2025. In diesem Fall könnte ein langfristiger Stromabnahme- beziehungsweise Kapazitätsvertrag mit der National Transmission Company South Africa (NTCSA) geschlossen werden. Ein entsprechender Antrag befindet sich bereits im Verfahren. Vom künftigen strategischen Partner wird daher erwartet, ein bankfähiges Geschäfts- und Finanzierungskonzept zu entwickeln, das sowohl im Falle einer Zuteilung durch die NTCSA als auch bei einer Vermarktung über bilaterale Stromlieferverträge wirtschaftlich tragfähig ist. Letztere könnten Stromabnahme- und Durchleitungsvereinbarungen mit privaten Abnehmern sowie Erlöse aus Systemdienstleistungen und Energiehandel umfassen.

Das Tubatse-Projekt baut auf mehr als zwei Jahrzehnten Erfahrung Eskoms im Betrieb von Pumpspeicher- und Wasserkraftwerken auf. Dazu zählt insbesondere das 2017 in Betrieb genommene Pumpspeicherkraftwerk Ingula mit einer Leistung von 1.332 MW. Zusammen mit den Anlagen in Drakensberg und Palmiet verfügt Eskom über Pumpspeicherkapazitäten von insgesamt 2.732 MW. Hinzu kommen 661 MW konventionelle Wasserkraftkapazität, vor allem in den Kraftwerken Gariep und Vanderkloof. Für potenzielle Investoren bietet das Projekt den Vorteil eines bereits weit fortgeschrittenen Entwicklungsstandes. Nach Angaben von Eskom wurden die erforderlichen Grundstücke gesichert und die Umweltgenehmigung erteilt. Darüber hinaus befinden sich technische Studien, die Planung der Zufahrtsinfrastruktur sowie Untersuchungen zum Netzanschluss in einem fortgeschrittenen Stadium.

Auch die Wasserversorgung gilt als gesichert: Das südafrikanische Ministerium für Wasser und Sanitärversorgung hat die Verfügbarkeit der erforderlichen Wassermengen aus dem De-Hoop-Staudamm bestätigt.

Anforderungen an potenzielle Partner

Gesucht werden Partner mit nachgewiesener Erfahrung im Bereich Pumpspeicherkraftwerke oder vergleichbarer Großinfrastrukturprojekte, fundierten Finanzierungskompetenzen sowie der Fähigkeit, bankfähige Investitionsprojekte zu entwickeln. Darüber hinaus legt Eskom Wert auf ein glaubwürdiges Engagement für die lokale wirtschaftliche Entwicklung und den Aufbau industrieller Wertschöpfung in Südafrika.

Die Umsetzung soll über eine eigens gegründete Projektgesellschaft (Special Purpose Vehicle, SPV) erfolgen. Die endgültigen Regelungen zu Eigentumsverhältnissen, Beteiligungsstrukturen und wirtschaftlichen Rahmenbedingungen werden in den Ausschreibungsunterlagen festgelegt, die den qualifizierten Bietern in der nächsten Verfahrensphase zur Verfügung gestellt werden. 

Für österreichische Unternehmen eröffnet das Tubatse Projekt inbesondere in den Bereichen Wasserkraft- und Pumpspeichertechnologie, Elektrotechnik, Engineering sowie Bau- und Infrastrukturleistungen interessante Geschäftsmöglichkeiten. Der geplante Einstieg eines strategischen Partners bietet Potenziel für die Beteiligung an Planung, Finanzierung, Errichtung und späterem Betrieb eines der größten Energiespeicherprojekte Südafrikas.  

Haben wir Ihr Interesse am Energiesektor in Südafrika geweckt? Für weitere Informationen oder Fragen steht Ihnen das Außenwirtschaftscenter Johannesburg gerne telefonisch oder per E-Mail zur Verfügung.