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Fokus auf Zapfhahn einer Wasserstoffanlage mit Druckanzeige, im Hintergrund großer Container mit Beschriftung H2
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Südafrika: Prioritätsprojekte für Aufbau grüner Wasserwirtschaft

Regierung wechselt von Strategie zu Umsetzung

Lesedauer: 4 Minuten

Südafrika Energiewirtschaft Erneuerbare Energien NPI Großprojekte
22.09.2026

Mit der Vorstellung der ersten sechs Prioritätsprojekte ihrer nationalen Wasserstoffstrategie hat die südafrikanische Regierung einen wichtigen Schritt vom politischen Konzept zur praktischen Umsetzung vollzogen. Auf dem African Green Hydrogen Summit 2026 in Kapstadt präsentierte Energieminister Dr. Kgosientsho Ramokgopa die erste Projektwelle ("First Wave") des neuen National Green Hydrogen Deal Book.

Das Deal Book dient als Plattform, um Investoren, Entwicklungsbanken und potenzielle Kunden mit konkreten Projektvorhaben im Bereich grüner Wasserstoff und Power-to-X-Technologien zusammenzubringen.

Ramokgopa bezeichnete die Veröffentlichung als Beweis dafür, dass politische Zielsetzungen zunehmend in reale Investitionsprojekte überführt werden. Südafrika verfüge über hervorragende Voraussetzungen für den Aufbau einer wettbewerbsfähigen Wasserstoffwirtschaft, darunter ausgezeichnete erneuerbare Energiequellen, eine etablierte Industrie, leistungsfähige Hafeninfrastruktur sowie bedeutende Vorkommen an Platingruppenmetallen.

Die sechs Projekte der ersten Welle

  1. Phelan Green e-SAF-Projekt (Saldanha Bay)
    Das Vorzeigeprojekt der ersten Welle stammt von Phelan Green und konzentriert sich auf die Herstellung von nachhaltigem Flugkraftstoff (Electro-Sustainable Aviation Fuel, e-SAF) in Saldanha Bay. Das Familienunternehmen hat bereits Eigenkapital in Höhe von 100 Millionen US-Dollar zugesagt und verfügt über einen gesicherten Absatzmarkt. Der Baubeginn ist für das erste Quartal 2027 geplant, während die ersten Exporte von e-SAF ab dem ersten Quartal 2029 erwartet werden.
  2. Hive Energy Coega Green Ammonia Project
    Das von Hive Energy entwickelte Projekt zur Produktion von grünem Ammoniak im Industriegebiet Coega in der Provinz Eastern Cape hat die frühen Entwicklungsphasen bereits abgeschlossen.
    Für eine endgültige Investitionsentscheidung (Final Investment Decision, FID) sind jedoch weitere technische Analysen, kommerzielle Vereinbarungen und Finanzierungsschritte erforderlich.
  3. Saldanha Hydrogen Direct Reduced Iron Project
    Dieses Projekt verbindet grünen Wasserstoff mit der Dekarbonisierung der Stahlindustrie. Ziel ist die Produktion von direkt reduziertem Eisen (DRI) unter Einsatz von grünem Wasserstoff, wodurch die CO₂-Emissionen der Stahlherstellung deutlich gesenkt werden könnten. Das Vorhaben befindet sich derzeit in der Vor-Machbarkeitsstudie (Pre-Feasibility Study).
  4. Prieska Power Reserve Project
    Das Prieska Power Reserve Project in der Provinz Northern Cape plant die Herstellung von grünem Ammoniak für den heimischen Markt. Das Projekt befindet sich aktuell in der Entwicklungsphase und soll den lokalen Energie- und Industriesektor unterstützen.
  5. Green e-Fuels Producers Green Methanol Corridor
    Dieses Projekt zielt auf die Produktion von grünem Methanol für europäische Abnehmer ab. Der sogenannte Green Methanol Corridor befindet sich derzeit ebenfalls in der Vor-Machbarkeitsphase und soll Südafrika als Exportstandort für klimafreundliche Schiffskraftstoffe positionieren.
  6. Green Hydrogen Solutions Project
    Das sechste Projekt verfolgt einen stärker auf den südafrikanischen Markt ausgerichteten Ansatz. Die technische Vorplanung (Front-End Engineering Design) wurde bereits abgeschlossen. Im Fokus stehen Anwendungen für lokale Industrie- und Energieverbraucher.

Deal Book als Investitionsplattform

Das neue Deal Book entstand im Rahmen des südafrikanischen Just Energy Transition Investment Plan (JET-IP) und soll als Entwickler-Investoren-Plattform fungieren. Es dokumentiert Investitionsmöglichkeiten entlang verschiedener Wertschöpfungsketten, darunter

  • nachhaltige Kraftstoffe für Luft- und Schifffahrt
  • industrielle Dekarbonisierung
  • grüne Chemikalien
  • Wasserstoffbasierte Fertigung

Bereits im Juni 2026 war die nationale Power-to-X-Projektpipeline offiziell vorgestellt worden. Das Deal Book erweitert diesen Ansatz nun um konkrete Projekte und soll die Mobilisierung von Finanzierungen beschleunigen.

Zweite Projektwelle bereits in Vorbereitung

Neben den sechs priorisierten Vorhaben gibt es bereits eine sogenannte „Second Wave“ weiterer Projekte. Diese befinden sich in unterschiedlichen Entwicklungsstadien und werden für eine mögliche spätere Aufnahme in das Prioritätsportfolio geprüft.

Die Regierung sieht darin einen langfristigen Prozess. Das Ziel bestehe nicht darin, einzelne Großprojekte anzukündigen, sondern schrittweise die Voraussetzungen für einen funktionierenden Wasserstoffsektor zu schaffen: durch gemeinsame Entwicklungsstandards, koordinierte Infrastruktur, Finanzierung, Technologiepartnerschaften und verlässliche Absatzmärkte.

Strategische Bedeutung für Südafrika

Die Wasserstoffwirtschaft wird von der südafrikanischen Regierung als Schlüsselindustrie betrachtet. Sie soll

  • die industrielle Diversifizierung fördern,
  • neue Exportmärkte erschließen,
  • ausländische Investitionen anziehen,
  • Arbeitsplätze schaffen,
  • die Dekarbonisierung energieintensiver Industrien unterstützen

Besonders wichtig sind dabei die umfangreichen südafrikanischen Vorkommen an Platingruppenmetallen. Diese werden für PEM-Elektrolyseure zur Wasserstoffproduktion sowie für Brennstoffzellen benötigt und verschaffen dem Land einen strategischen Wettbewerbsvorteil.

Der Ausbau der grünen Wasserstoffwirtschaft in Südafrika eröffnet österreichischen Unternehmen vielfältige Marktchancen entlang der gesamten Wertschöpfungskette. Besonders gefragt sind Technologien und Dienstleistungen in den Bereichen Elektrolyse, Wasserstoffspeicherung, Anlagenbau, erneuerbare Energien, grüner Ammoniak, nachhaltige Kraftstoffe sowie industrielle Dekarbonisierung.

Auch österreichische Anbieter von Umwelttechnik, Automatisierungs- und Prozesssteuerungssystemen, Engineering-Dienstleistungen, Logistiklösungen und Spezialausrüstungen für die Stahl-, Chemie- und Energiewirtschaft können von den geplanten Großprojekten profitieren. 

Falls Sie Fragen zum Energiesektor in Südafrika haben haben steht Ihnen das AußenwirtschaftsCenter Johannesburg mit individueller Beratung zur Seite.