Zum Inhalt springen
Peter Storfer, Obmann der Sparte Gewerbe und Handwerk in der Wirtschaftskammer Kärnten
© WKK, Sabine Biedermann

„Lehrlinge sind das Rückgrat der Fachkräftesicherung“

Die duale Lehrlingsausbildung ist und bleibt eine tragende Säule des österreichischen Wirtschaftsmodells – insbesondere für die Fachkräftesicherung im Gewerbe und Handwerk. Trotz ihrer zentralen Bedeutung gerät sie zunehmend unter Druck.

Lesedauer: 4 Minuten

Aktualisiert am 04.02.2026

Dass Strom fließt, Wasser rinnt, Heizungen funktionieren: Dafür sorgen Kärntens Lehrlinge in der Sparte Gewerbe und Handwerk tagtäglich mit. Sie installieren, reparieren, warten und bauen jene Infrastruktur, die unseren Alltag am Laufen hält. Ohne diese jungen Fachkräfte würde vieles stillstehen – in den Betrieben ebenso wie im öffentlichen Leben. Doch steigende Ausbildungs- und Personalkosten, wachsende bürokratische Anforderungen und die fehlende Anpassung der staatlichen Förderinstrumente stellen viele Betriebe vor große Herausforderungen. Um die Ausbildungsbereitschaft langfristig zu sichern, fordert Spartenobmann Peter Storfer die Weiterführung und Valorisierung der betrieblichen Lehrstellenförderung. 

Gewerbe ist „Talenteschmiede“

Trotz wachsender schulischer Alternativen ist der Lehrabschluss in Österreich nach wie vor der häufigste Bildungsabschluss. Im abgelaufenen Jahr absolvierten in Kärnten 3.287 Lehrlinge eine Ausbildung in der Sparte Gewerbe und Handwerk, davon 882 im ersten Lehrjahr. Damit bildet die Sparte mehr als 45 Prozent aller Kärntner Lehrlinge aus und ist die mit Abstand größte „Talenteschmiede“ des Landes. Der Rückgang um 6,2 Prozent ist schmerzhaft und deutlich stärker als der durchschnittliche Rückgang über alle Sparten hinweg (rund 4 Prozent). 

Staat spart bei Lehrlingsförderung

Für Peter Storfer, Obmann der Sparte Gewerbe und Handwerk, ist klar: „Dieser Rückgang ist kein Zeichen mangelnder Ausbildungsbereitschaft, sondern die Folge zunehmender finanzieller und organisatorischer Belastungen für die Betriebe.“ Besonders kritisch sieht er die Entwicklung der betrieblichen Lehrstellenförderung. Diese ist seit Jahren bei 280 Millionen Euro gedeckelt und wurde trotz deutlich gestiegener Lehrlingseinkommen nicht valorisiert. „Die Betriebe tragen den Großteil der Kosten der Fachkräfteausbildung und entlasten damit den Staat massiv. Dass die Förderung real sinkt, ist eine Kürzung durch die Hintertür“, so Storfer.  

Die Lehrlingsausbildung verlangt den Betrieben einen großen personellen wie finanziellen Einsatz ab. „Unsere Ausbildungsbetriebe ermöglichen jungen Menschen eine persönliche wie berufliche Perspektive und leisten damit einen wichtigen Beitrag nicht nur zur regionalen Wertschöpfung, sondern zur Gesellschaft insgesamt“, betont Storfer. Rund 85 Prozent der Ausbildungsbetriebe sehen ihren Einsatz als Verantwortung gegenüber Branche und Region, 82 Prozent verstehen die Lehrlingsausbildung als Form gesellschaftlichen Engagements. „Das ist ein Dienst im Interesse der gesamten Gesellschaft, der bislang weder die notwendige Wertschätzung erfährt noch angemessen honoriert wird“, so Storfer weiter. Angesichts der demografischen Entwicklung, zunehmender schulischer und sozialer Defizite vieler Jugendlicher, wachsender Bürokratiebelastungen und der anhaltenden wirtschaftlichen Rezession sei der steigende Aufwand für viele – insbesondere kleinere – Betriebe kaum mehr zu stemmen. 

Dabei ist die betriebliche Lehrausbildung für den Staat die mit Abstand kostengünstigste Form der Ausbildung. Ein Lehrling verursacht der öffentlichen Hand jährlich rund 6.700 Euro an Kosten – für Berufsschule und Förderung, abzüglich Rückflüssen aus Sozialversicherungsbeiträgen und Lohnsteuer. Ein Schüler bzw. eine Schülerin an einer berufsbildenden mittleren oder höheren Schule schlägt für den Staat hingegen mit rund 12.000 Euro pro Jahr zu Buche, eine überbetriebliche Ausbildung im Auftrag des AMS sogar mit mehr als 23.000 Euro. „Wir fordern daher, dass die Lehrstellenförderung endlich als das gesehen wird, was sie ist: ein Beitrag zu den Investitionskosten der Ausbildungsbetriebe“, hält Storfer fest. „Diese Förderung muss jährlich valorisiert werden – so wie das bei Schulen und Universitäten selbstverständlich ist. Eine Kürzung kommt für uns nicht in Frage, das wäre ein fatales Signal für die Fachkräftesicherung.“ 

Vier-Tage-Woche für Lehrlinge rechtlich ermöglichen

Ein weiteres zentrales Anliegen der Sparte Gewerbe und Handwerk ist die rechtliche Ermöglichung der Vier-Tage-Woche für Lehrlinge in Branchen, die auswärts – insbesondere am Bau – tätig sind. Dort wird vielfach bis zu zehn Stunden pro Tag gearbeitet, um den Freitag arbeitsfrei zu halten und den Beschäftigten die Heimfahrt zu ermöglichen. „Lehrlinge unter 18 Jahre dürfen derzeit jedoch nur maximal neun Stunden pro Tag arbeiten. Das führt dazu, dass sie von modernen Arbeitszeitmodellen ausgeschlossen sind, obwohl diese in der Praxis längst Standard sind“, erklärt Storfer. Die Sparte fordert daher seit langem eine gesetzliche Anpassung, um auch Lehrlingen eine Vier-Tage-Woche unter denselben Bedingungen wie Facharbeitern zu ermöglichen. „Das erhöht die Attraktivität der Lehre, sorgt für Gleichbehandlung im Betrieb und entspricht der gelebten Realität auf den Baustellen.“ 

Storfer warnt eindringlich vor den langfristigen Folgen der aktuellen Entwicklung. Immer mehr Betriebe überlegen, die Lehrlingsausbildung auszusetzen. „Wenn Betriebe als Ausbilder einmal aussteigen, kommen sie oft nicht mehr zurück und der Fachkräftemangel verschärft sich weiter“, so Storfer abschließend.

Weitere interessante Artikel
  • Tag der Gründung machte Lust auf Selbstständigkeit
    Tag der Gründung machte Lust auf Selbstständigkeit
    Weiterlesen
  • Tankstelle Zapfsäule
    Magistratstankstelle gehört der Sprit abgedreht
    Weiterlesen
  • WIFI Kärnten-Geschäftsführer Andreas Görgei mit dem neuen Kursbuch
    WIFI-Kursbuchpräsentation: "Bleib neugierig!"
    Weiterlesen