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Immobilien-Fachgruppenobmann Paul Perkonigg
© WKK | Johannes Puch

2026 als Wendepunkt am Kärntner Wohnungsmarkt?

Kärntner Immobilienwirtschaft sieht massive Herausforderungen durch neue Gesetzeslage. Branche fordert stabile Rahmenbedingungen und warnt vor Investitionsbremsen.

Lesedauer: 3 Minuten

Aktualisiert am 13.01.2026

„Das Jahr 2026 bringt außergewöhnliche Herausforderungen für die gesamte österreichische Immobilienwirtschaft, und damit auch für Kärnten. Die neuen gesetzlichen Rahmenbedingungen verändern die Grundlagen für Vermietung, Verwaltung, Vermittlung und Investitionen nachhaltig", betont Paul Perkonig, Obmann der Fachgruppe der Immobilien- und Vermögenstreuhänder in der Wirtschaftskammer Kärnten. Konkret betreffen diese Herausforderungen das neue Mietenwertsicherungsgesetz (MieWeG), neue Befristungsregelungen sowie die angekündigte umfassende Mietrechtsreform. Hinzu kommen weiterhin hohe Baukosten, restriktive Kreditvergaben und zunehmende Rechtsunsicherheit bei langfristigen Investitionsentscheidungen. 

Marktlage: Beruhigung, aber keine Entspannung

„Aktuell erleben wir eine gewisse Stabilisierung am Markt aufgrund moderater Korrekturen bei den Preisen", erläutert Perkonig die derzeitige Situation. „Es herrscht Beruhigung, aber keine Entspannung. Der Markt bleibt angespannt, und die neuen gesetzlichen Rahmenbedingungen schaffen zusätzliche Unsicherheit für Investoren und Käufer." 

Rechtsunsicherheit bremst notwendige Investitionen

Die auf Bundesebene neu in Kraft getretenen Regelungen wirken sich unmittelbar auch auf Kärntens Immobilienmarkt aus. „Investitionen in Wohnraum benötigen stabile, verlässliche und langfristig kalkulierbare Rahmenbedingungen", betont Perkonig. „Jede zusätzliche Unsicherheit wirkt sich unmittelbar auf Investitionsentscheidungen aus, und das in einer Phase, in der wir dringend mehr Wohnraum brauchen." Die Kombination aus bereits umgesetzten Maßnahmen und angekündigten weiteren Eingriffen führt zu spürbarer Rechtsunsicherheit, mit direkten Auswirkungen auf bestehende Mietverträge, Investitionsentscheidungen, Finanzierungsmodelle, Sanierungen sowie das künftige Wohnungsangebot. 

Mietenwertsicherungsgesetz: Komplex und bürokratisch

Besonders kritisch sieht die Kärntner Immobilienwirtschaft die Komplexität des Mietenwertsicherungsgesetzes: „Das Gesetz ist in der Praxis sehr komplex, schafft zusätzliche Bürokratie und verunsichert bestehende Mietverhältnisse. Gleichzeitig bleibt die Wertsicherung unverzichtbar, um langfristige Verträge fair zu gestalten und Investitionen abzusichern." Zentrale Forderungen der Branche, insbesondere der Verzicht auf eine Parallelrechnung sowie eine klare Befristung, fanden keinen Eingang ins Gesetz. 

Positive Signale durch ZIAG

Positiv bewertet die Branche hingegen das Zivilrechtliche Indexierungs-Anpassungsgesetz (ZIAG), das für mehr Klarheit bei Wertsicherungsvereinbarungen sorgt und Rechtssicherheit sowie Planbarkeit schafft. 

Neubau und Sanierung unter Druck

Die Auswirkungen der aktuellen Rahmenbedingungen zeigen sich besonders deutlich im Neubau- und Sanierungsbereich: Die Neubauzahlen befinden sich österreichweit auf einem historischen Tiefstand, viele Sanierungsprojekte werden verschoben oder ganz abgesagt, und die Sanierungsrate liegt deutlich unter den politischen Zielsetzungen. „Hohe Baukosten treffen auf steigende regulatorische Anforderungen. Baukostenreduzierungen sind entscheidend, um Wohnbau langfristig leistbar zu halten", unterstreicht Perkonig. 

Finanzierung bleibt zentraler Engpass

Ein zentraler Engpass bleibt die Finanzierung. Restriktive Kreditvergaben, hohe Eigenkapitalanforderungen und große Zurückhaltung der Banken bremsen selbst wirtschaftlich solide und nachhaltige Projekte. „Ohne verlässliche Finanzierungsmöglichkeiten gibt es keinen Neubau, keine Sanierung und damit kein ausreichendes Wohnungsangebot. Wohnraum entsteht nicht durch politische Ankündigungen, sondern durch konkrete Bauleistung", warnt Perkonig. 

Kärntens Immobilienwirtschaft: Teil der Lösung

„Die Immobilienwirtschaft ist Teil der Lösung, nicht das Problem", betont Perkonig. „Die gewerblichen Bauträger sind und bleiben der Motor des Kärntner Wohnbaus und schaffen neue Wohnungen für breite Bevölkerungsschichten, gerade auch entlang der Koralmbahn, wo die Nachfrage stark Fahrt aufgenommen hat.“ Für eine funktionierende Wohnraumversorgung brauche es aber praxistaugliche Rahmenbedingungen, verlässliche Finanzierungs-instrumente und stabile rechtliche Verhältnisse. „Wer die Realität am Markt kennt, kann an dieser Tatsache nicht vorbeigehen. Wir bleiben mit Sicherheit weiter am Ball", so Perkonig abschließend.

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