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Buchhandel unter Druck.
© WKK I Peter Just

30 Prozent weniger Buchverkäufe: Junge Leser gehen dem Buchhandel verloren

Die schwache Lesekompetenz junger Menschen wird auch für den Kärntner Buchhandel spürbar. Branchensprecher Zechner fordert,  den Buchhandel zu stärken.

Lesedauer: 4 Minuten

Aktualisiert am 11.09.2026

Wo früher im Kinderzimmer neben Spielzeug ganz selbstverständlich ein Regal mit Büchern stand, haben heute Smartphone, Tablet und Laptop ihren festen Platz. Diese Veränderung hinterlässt Spuren: Die Defizite bei der Lesekompetenz vieler Jugendlicher, die auch die PISA-Ergebnisse aufzeigen, sind mittlerweile im Buchhandel angekommen.

„Bei den 10- bis 15-Jährigen verzeichnen wir einen Rückgang von rund 30 Prozent. Das Plus von 7,9 Prozent bei den 15- bis 19-Jährigen kann diesen Einbruch nicht annähernd ausgleichen. Wir verlieren junge Leserinnen und Leser in einem Alter, in dem die Basis für das spätere Leseverhalten gelegt wird“, warnt Helmut Zechner, WK-Obmann der Fachgruppe Medien- und Buchwirtschaft. Dass junge Menschen für Bücher zu begeistern sind, zeigen Trends wie BookTok. „Die Begeisterung ist da. Entscheidend ist es jedoch, junge Menschen früh für das Lesen zu gewinnen.“ 

Früh die Lust am Lesen wecken

Für Zechner beginnt Leseförderung vor allem zu Hause. Eltern, die selbst lesen, sind die wichtigsten Vorbilder. „Wenn Kinder erleben, dass Lesen ganz selbstverständlich zum Alltag gehört, ist schon viel gewonnen.“ Erst danach komme auch der Schule eine wichtige Rolle zu. Kritisch sieht Zechner, dass dort digitale Geräte immer früher den Lernalltag bestimmen. „Schweden hat bereits gegengesteuert und setzt wieder stärker auf gedruckte Bücher, Schreibschrift und weniger Bildschirmzeit. Diese Diskussion müssen wir auch in Österreich führen.“ Der Kärntner Buchhandel versucht, möglichst früh anzusetzen: Mit der Aktion „Lesekoffer“ kommen Bücher direkt in Kindergärten und Volksschulen. „Wenn es gelingt, dort Neugier zu wecken, ist schon viel gewonnen.“ Auch Veranstaltungen wie die kommende BUCH9020 in Klagenfurt begrüßt Zechner: „Jede Aktivität, die dem Buch eine Bühne gibt und Menschen zum Lesen bringt, ist wertvoll.“ 

Internet und KI verändern den Buchmarkt

Im ersten Halbjahr mussten nahezu alle Warengruppen Rückgänge hinnehmen. Positiv entwickelte sich lediglich das Sachbuch mit einem Plus von +3,2 Prozent (im stationären Handel +2,5 Prozent). Die geringsten Rückgänge verzeichneten Belletristik (-0,7 Prozent) und Kinderbuch (-3 Prozent). Die stärksten Einbußen gab es in den Bereichen Reisen (-11,3 Prozent) und naturwissenschaftliche Themen (-18,3 Prozent). „Wer heute ein Hochbeet bauen will, sucht die Anleitung im Netz oder fragt die KI. Dafür wird kaum noch ein Buch gekauft“, sagt Zechner. 

Buchhandel braucht Luft zum Atmen

Zusätzlich steht die Branche wirtschaftlich enorm unter Druck: Im August 2026 sank der Buchabsatz gegenüber dem Vorjahr um 4,1 Prozent, im stationären Handel sogar um 5,5 Prozent. Auch die Umsätze gingen trotz gestiegener Durchschnittspreise zurück. Zechner kritisiert hier auch die langfristige Preispolitik der Verlage.  Bücher seien seit 1989 im Verhältnis zur allgemeinen Teuerung nur geringfügig teurer geworden. Hätten die Buchpreise mit der Inflation Schritt gehalten, müsste ein gebundener Roman heute an die 50 Euro kosten.  

„Das Buch muss in unserer Gesellschaft wieder stärker als Kultur- und Bildungsgut und als hochwertiges Produkt wahrgenommen werden“, betont Zechner. Gleichzeitig brauche es Rahmenbedingungen, die regionalen Buchhandlungen eine wirtschaftliche Zukunft ermöglichen. Wie dringend das ist, zeigt die Entwicklung in ganz Österreich. Alleine seit 2021 haben 300 Buchhandlungen ihre Pforten schließen müssen. Auch in Kärnten ist das zu bemerken: in Klagenfurt und Villach haben in den letzten Jahren zwölf Buchhandlungen zugesperrt. Das zeigt, wie schwierig die Lage in unserer Branche grundsätzlich ist. „Mit jeder Buchhandlung, die schließt, geht auch ein Ort verloren, an dem Menschen mit Büchern und dem Lesen in Berührung kommen.“ Zechner fordert daher weiterhin eine Senkung der Mehrwertsteuer auf Bücher von zehn auf fünf Prozent.

Am wenigsten schlimm ist die Entwicklung übrigens bei Kinderbüchern und Belletristik, die noch die geringsten Absatzeinbußen verzeichnen. Für Zechner ist das ein kleiner Hoffnungsschimmer: „Die Begeisterung für Geschichten ist da. Entscheidend ist, Kinder früh für Bücher und das Lesen zu gewinnen. Denn wer gut und sinnerfassend lesen kann, hat eine wesentliche Grundlage für seinen weiteren Bildungsweg und seine Zukunft.“