Familie
© ffb_mediteraneo_stock.adobe.com

Beruf und Familie im Einklang: Familienfreundlichste Betriebe ausgezeichnet

Flexible Arbeitszeiten, Kinderbetreuung, Unterstützung bei der Weiterbildung – das sind nur einige Punkte, die bei einer familienbewussten Personalpolitik eine Rolle spielen. Diese Aspekte sind für die Suche nach Mitarbeitern immer wichtiger und stellen für die Betriebe eine Win-Win-Situation dar. Frau in der Wirtschaft (FiW) hat jetzt die familienfreundlichsten Betriebe ermittelt und ausgezeichnet.

Lesedauer: 5 Minuten

Aktualisiert am 04.03.2024

Die Vereinbarkeit von Beruf und Familie wird für die heimischen Betriebe auf der Suche nach Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern immer wichtiger. Unternehmen mit entsprechenden Angeboten finden nicht nur leichter neue Beschäftigte, diese bleiben dem Betrieb auch lange treu und sind hoch motiviert. Die Benefits reichen von flexiblen Arbeitszeiten über Kinderbetreuung und Wiedereinstieg nach der Karenz bis hin zu großzügigen Weiterbildungsmöglichkeiten. Dutzende Kriterien werden bei der Auswertung zum familienfreundlichsten Betrieb herangezogen und bewertet.

„Mit dem Landespreis für die familienfreundlichsten Betriebe wertschätzen wir nicht nur familienbewusste Personalpolitik, sondern zeigen auch Vorbilder aus der Praxis und präsentieren, was alles möglich ist“, sagt Astrid Legner, WK-Vizepräsidentin und FiW-Landesvorsitzende. Auszeichnungen gibt es in fünf Kategorien: Kleinbetrieb (bis 20 Mitarbeiter), Mittelbetrieb (21 bis 100 Mitarbeiter), Großbetrieb (ab 101 Mitarbeiter) sowie Non Profit-Unternehmen und öffentlich-rechtliche Unternehmen. 

And the winner is....

Das sind die familienfreundlichsten Betriebe Kärntens:

Mittelbetrieb: Naturel Hotels & Resorts GmbH, Latschach am Faaker See
Großbetrieb: Raiffeisenlandesbank Kärnten, Klagenfurt und ex aequo
Flextronics International GmbH, Althofen
Non-Profit-Unternehmen: MOKI Kärnten, Klagenfurt
Öffentlich-rechtliches Unternehmen: Familienservice der Universität Klagenfurt

Uppercut gestaltet Arbeit familiär

In der Kategorie Kleinbetrieb punktet Uppercut als familienfreundlichster Betrieb Kärntens. Besonders die flexiblen Arbeitszeiten ermöglichen es, Familie und Beruf unter einen Hut zu bringen. Geschäftsführerin Ruth Maria Büchlmann: „Bei uns teilen sich die Mitarbeiter selbst ein, ob sie ins Büro kommen oder von zuhause arbeiten. Starre Arbeitszeitmodelle gibt es bei uns nicht.“ Der Betrieb sieht den Begriff Familie sehr weitläufig. So können sich etwa Patchwork-Eltern sowohl um ihre eigene als auch die Familie des Partners gleichermaßen kümmern. Junge Väter haben die Möglichkeit, sich unkompliziert eine Auszeit zu nehmen oder in ein individuell passendes Teilzeitmodell zu wechseln. Das tägliche gemeinsame Mittagessen „ohne“ Firmenthemen findet starken Zuspruch, der pralle Kühlschrank, der nach den Wünschen der Mitarbeiter befüllt wird, spricht für sich. Für mehr Familienfreundlichkeit hat die Agentur zudem eine 4,5-Tage Woche eingeführt – das Wochenende beginnt damit Freitagmittag. Die Hunde der Mitarbeiter sind übrigens herzlich willkommen. Sie schaffen einfach eine ausgeglichene Atmosphäre im Betrieb, heißt es. Das Credo „Arbeit ist Lebenszeit“ wird hier positiv gelebt.

Familienfreundliche Frauenpower

Die Vereinbarkeit von Familie und Beruf ist gerade im Tourismus nicht leicht zu schaffen. Naturel Hotels & Resorts am Faaker See bieten für Mitarbeiter ein Rundum-Paket und holen sich damit den Sieg in der Kategorie Mittelbetrieb. „Alles was unsere Gäste bei uns nutzen können, stellen wir selbstverständlich auch unseren Mitarbeitern zur Verfügung“, sagt Geschäftsführerin Hannah Widnig. Dazu zählt unter anderem die ganzjährige Betreuung für Kinder ab drei Jahren inklusive Verpflegung oder der Eintritt in den hauseigenen SPA-Bereich. Auch Teilzeitlösungen sind kein Problem, auch nicht in Führungspositionen. Großen Wert legt der Betrieb auf Gesundheitsvorsorge. Neben Fitness-Training und Angebote zum Thema gesunde Ernährung können die Mitarbeiter im Rahmen der „Naturel Moves-App“ auch an Aktivwochenprogrammen teilnehmen, und erhalten über eine eigene Firmen-App Ermäßigungen bei heimischen Unternehmen in der Umgebung. 

Erstmals Zwei Sieger in der Kategorie Großbetrieb

Die Raiffeisenlandesbank Kärnten geht gemeinsam mit Flextronics aus Althofen als Gewinner in der Kategorie Großbetrieb hervor. 

Raiffeisenlandesbank Kärnten

„Für uns ist vor allem Kinderbetreuung ein Leuchtturmprojekt“, betont Raiffeisenlandesbank-Vorstandsdirektor Georg Messner. So bietet der Betrieb an Fenstertagen, schulautonomen Tagen sowie in den Herbst- und Osterferien ein eigenes kostenloses Programm im eigenen Haus mit Ausflügen und Workshops an. Die Kinderbetreuung im Alter von 3-12 Jahren ist völlig flexibel, Mitarbeiter können sie auch tageweise nutzen. Neben der Kinderbetreuung stellt die Raiffeisenlandesbank auch gemeinsame Familienaktivitäten in den Vordergrund. In der eigenen Betriebssportgemeinschaft mit 600 Mitgliedern bietet das Unternehmen nicht nur Mitarbeitern, sondern auch Angehörigen Kurse vom Langlauf über Bogenschießen bis hin zum Stand-Up-Paddeling an. Aus- und Weiterbildungen zu den Themen Bewegung und Sport, gesunde Ernährung sowie mentale Gesundheit werden ebenfalls sowohl für Mitarbeiter als auch deren Angehörige angeboten. Auch auf das Pflege-Thema wird sehr viel Wert gelegt. 

Flextronics International GmbH

Für den zweiten Sieger in der Kategorie, Flextronics, sind Karriereperspektiven von Müttern sehr wichtig. Wiedereinstieg nach der Karenz vereinbart das Unternehmen individuell und während der Karenz sorgt das Unternehmen dafür, dass der Kontakt nicht abreißt. Damit alle Mitarbeiter im Betrieb die Balance zwischen Beruf und Familie halten können, ermöglicht Flex Homeoffice sowie ein Zeitbonusmodell in der Produktion, Sommerbetreuungen und Abkommen mit den örtlichen Kinderbetreuungseinrichtungen über deren Öffnungszeiten. Darüber hinaus besteht die Möglichkeit, warme Mittagsmahlzeiten aus dem hauseigenen Restaurant zum sehr günstigen Mitarbeiter:innenpreis für die ganze Familie mit nach Hause zu nehmen. Die neuen Familienbeauftragen werden gerade ausgebildet, um Mitarbeiter:innen in Zukunft mit Informationen zur Seite zu stehen und durch Aufklärungsarbeit die Väterkarenz weiter zu fördern. Ein großer Fokus liegt auf dem betrieblichen Gesundheitsmanagement. „Als familienfreundlicher Arbeitgeber möchten wir für jede Generation der richtige Partner sein. Daher setzen wir auf ein umfassendes Gesundheitsmanagement: Vom Lehrling bis hin zur Mitarbeiterin und zum Mitarbeiter kurz vor der Pension ist für jeden etwas dabei“, sagt Geschäftsführer Martin Reiner. Zur Verfügung stehen: Präventionsworkshops für Lehrlinge, Ergonomie am Arbeitsplatz, Gesundheitstage, Sportverein, Impfaktionen und vieles mehr.   

MOKI ist für Familien da

Die Mitarbeiter:innen von MOKI unterstützen Familien mit schwerstkranken Kindern und sorgen gleichzeitig für familienfreundliche Arbeitsbedingungen. Dafür gibt es die Auszeichnung „Familienfreundlichster Betrieb“ in der Kategorie Non-Profit-Unternehmen. MOKI übernimmt die Betreuung vom Säuglingsalter bis zum 25. Lebensjahr und begleitet Familien, die sich für die Pflege ihrer Kinder aufopfern. Eltern können beispielsweise die Pflege für ein paar Stunden abgeben, um Erledigungen zu machen oder auch einfach einmal etwas gemeinsam mit Geschwisterkindern der Erkrankten zu unternehmen. „Dabei ist es für unsere Mitarbeiter möglich, die Termine mit ihren Klienten individuell zu vereinbaren“, sagt MOKI-Leiterin Sabine Grünberger. Bei administrativen Aufgaben ist natürlich auch Homeoffice möglich.  

20 Jahre Familienservice an der Alpen-Adria-Universität

Besser könnte ein Jubiläum nicht gefeiert werden: Zum 20-jährigen Bestehen wird das Familienservice der Universität als familienfreundlichster Betrieb in der Kategorie öffentlich-rechtliches Unternehmen ausgezeichnet. Das Beratungszentrum steht Mitarbeitern, Studierenden aber auch externen Personen in allen Fragen rund um Vereinbarkeit von Beruf und Familie zur Seite. Das betrifft neben der Kinderbetreuung auch die Pflege von Angehörigen und Bewusstseinsbildung, etwa zum Thema Väterkarenz. „Noch immer ist Karenz in Österreich Frauensache. Das Familienservice der Universität ermutigt Väter, der Familienarbeit mehr Augenmerk zu schenken und informiert über alle Möglichkeiten“, sagt die Familienservice-Leiterin Bronwen Arbeiter-Weyrer. Das Angebot für Kinderbetreuung reicht von Babys ab einem Alter von acht Wochen bis hin zu Kindern von zwölf Jahren und ist zeitlich flexibel. Eltern können das Service auch stundenweise in Anspruch nehmen. Das Familienservice setzt dabei außerdem immer Bildungsschwerpunkte, wie die Kinder-Uni, um ein qualitativ hochwertiges Betreuungsprogramm zu gestalten.

Jede Sieger-Trophäe ist einzigartig  

Künstlerin und Glaser-Meisterin Astrid Gatto hat gemeinsam mit Goldschmiedemeister Adi Pobaschnig die Sieger-Trophäen für die Kärntner Gewinner gestaltet. Die zwei verwendeten Materialien Glas und Holz stellen künstlerisch die Vereinbarkeit dar und symbolisieren die verschiedenen Werte, die ein Unternehmen in Einklang bringen muss. Jede Trophäe ist einzigartig, weil die Künstler ein verwittertes Holzstück vom Gailufer, so wie es die Natur geformt hat, eingearbeitet haben. Alle Sieger erhalten neben einer Trophäe auch eine Urkunde und einen WIFI-Gutschein, die das Frau-in-der-Wirtschaft-Team persönlich überreicht hat. Alle Gewinner sind zudem automatisch für den Staatspreis „Beruf und Familie 2024“ nominiert. 

Aufruf zum "Sonderpreis zum Staatspreis"

Die Bundesministerin für Frauen, Familie, Integration und Medien im Bundeskanzleramt lädt ein, am Sonderpreis zum Thema „Familienfreundliches Employer Branding mit Fokus auf eine väterfreundliche Personalpolitik “ teilzunehmen. Einreichschluss ist der 15. März 2024.



Weitere interessante Artikel
  • Die Kärntner Landesinnung der Hafner, Platten- und Fliesenleger und Keramiker hatte von 4. bis 6. Mai zur Bundesinnungsausschusssitzung und der 88. Bundestagung an den Wörthersee geladen.
    Erfahrungsaustausch und Entspannung - Ein erfolgreiches Wochenende in Kärnten
    Weiterlesen
  • Kunstgegenstände
    Erneuter Rekord an Aussteller:innen für Kärntner Kunsthandwerk
    Weiterlesen