3.700 Kärntner Betriebe vor Generationenwechsel
Bis 2035 steht jeder vierte Arbeitgeberbetrieb in Kärnten vor einer möglichen Übergabe. Damit sind rund 39.900 Beschäftigte verbunden.
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Ein Familienbetrieb, der über Jahrzehnte gewachsen ist. Ein Geschäft, das aus dem Ortsbild nicht wegzudenken ist. Ein Unternehmen, in dem wertvolles Wissen und Erfahrung stecken. Was oft über Generationen aufgebaut wurde, braucht irgendwann jemanden, der es weiterführt. Wie groß diese Herausforderung für Kärnten ist, zeigt eine neue Studie der KMU Forschung Austria im Auftrag der Wirtschaftskammer Österreich und des Wirtschaftsministeriums: Bis 2035 stehen rund 3.700 Kärntner Arbeitgeberbetriebe vor einer möglichen Übergabe. Das entspricht 25,3 Prozent aller Arbeitgeberunternehmen. Mit diesen Betrieben sind rund 39.900 Beschäftigte verbunden. Für WK-Präsident Jürgen Mandl ist die Betriebsnachfolge deshalb eine der großen Zukunftsfragen für den Wirtschaftsstandort: „Wenn ein Unternehmen keinen Nachfolger findet, steht weit mehr auf dem Spiel als das Lebenswerk eines Unternehmers. Es geht um Arbeitsplätze, gewachsene Kundenbeziehungen, wertvolles Wissen und oft auch um die Nahversorgung in unseren Gemeinden. Jeder Betrieb, der erfolgreich weitergeführt wird, sichert ein Stück der wirtschaftlichen Zukunft unserer Regionen. Deshalb müssen wir alles daransetzen, dass möglichst viele Übergaben gelingen.“
Tausende Arbeitsplätze mit der Nachfolge verbunden
Besonders viele potenzielle Übergaben erwartet die Studie im Kärntner Handel mit rund 800 Betrieben, gefolgt von Beherbergung und Gastronomie mit 600 sowie der Produktion und dem Bau mit je 400 Unternehmen. Gerade in der Produktion ist die Beschäftigungswirkung groß: Rund 9.600 Menschen arbeiten in Betrieben, für die bis 2035 eine Nachfolge anstehen könnte. Dass Unternehmensübergaben erfolgreich gelingen können, zeigt die jüngste Kärntner Bilanz: Im Jahr 2025 wurden 545 Betriebe erfolgreich übergeben – um 5,6 Prozent mehr als im Jahr davor. Doch der bevorstehende Generationenwechsel macht deutlich, wie wichtig es ist, sich rechtzeitig mit der Zukunft des eigenen Unternehmens auseinanderzusetzen.
Betriebsübernahme als Chance für die nächste Generation
Eine Nachfolge bedeutet nicht nur, Bestehendes zu bewahren. Sie bietet auch die Möglichkeit, ein Unternehmen mit neuen Ideen weiterzuentwickeln. Für Nika Basic, Vizepräsidentin der Wirtschaftskammer Kärnten und Landesvorsitzende der Jungen Wirtschaft, ist die Übernahme eines bestehenden Betriebs daher eine attraktive Alternative zur Neugründung. „Wer sich selbstständig machen möchte, muss nicht immer bei null anfangen. Ein bestehendes Unternehmen bringt vieles mit, das man sich sonst erst mühsam aufbauen muss: Kunden, erfahrene Mitarbeiter, funktionierende Abläufe und einen Platz am Markt. Gleichzeitig haben junge Unternehmerinnen und Unternehmer die Chance, eigene Vorstellungen umzusetzen, neue Technologien einzusetzen und den Betrieb in die Zukunft zu führen. Eine Nachfolge kann deshalb genauso spannend und innovativ sein wie eine Neugründung“, betont Basic. Dass Betriebsübernahmen auch neue wirtschaftliche Dynamik schaffen, bestätigt die Studie: Österreichweit erhöht mehr als die Hälfte der Nachfolgerinnen und Nachfolger nach der Übernahme die Investitionen, beispielsweise in Modernisierung und Digitalisierung.
Frühzeitig planen, Hürden abbauen
Allerdings wird die Suche nach geeigneten Nachfolgern zunehmend schwieriger. Österreichweit erfolgen bereits 55 Prozent der Übergaben außerhalb der Familie. Gleichzeitig sind die Finanzierung des Kaufpreises, notwendige Investitionen und steuerliche Belastungen wesentliche Herausforderungen. Mandl fordert deshalb bessere Rahmenbedingungen: „Wer einen bestehenden Betrieb übernimmt, trägt vom ersten Tag an große Verantwortung und muss häufig zusätzlich zum Kaufpreis in die Zukunft des Unternehmens investieren. Wir brauchen daher steuerliche Erleichterungen, bessere Finanzierungsmöglichkeiten und weniger bürokratische Hürden. Es darf nicht daran scheitern, dass jemand bereit ist, ein Unternehmen weiterzuführen, ihm aber unnötig Steine in den Weg gelegt werden.“
Die Wirtschaftskammer Kärnten begleitet sowohl Übergeber als auch potenzielle Nachfolger bei diesem wichtigen Schritt. Das Gründerservice unterstützt bei der frühzeitigen Planung, der Suche nach geeigneten Nachfolgern sowie bei Fragen zur Finanzierung und zu rechtlichen und steuerlichen Rahmenbedingungen. Auch die kostenlose Nachfolgebörse hilft dabei, Betriebe und Interessierte zusammenzubringen. Denn je früher die Übergabe vorbereitet wird, desto größer sind die Chancen, dass aus einem erfolgreichen Lebenswerk eine ebenso erfolgreiche unternehmerische Zukunft wird.