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Mandl, Steinkellner und Sylle halten eine Tafel mit den wichtigsten Zahlen zu anstehenden Betriebsnachfolgen bis 2035
© WKK | Studiohorst

Betriebsnachfolge: Damit Zukunft nicht verloren geht

Bis 2035 stehen 3.700 Kärntner Betriebe vor einer möglichen Übergabe. Die WK Kärnten zeigt, wie Lebenswerke und damit auch Arbeitsplätze erhalten bleiben. 

Lesedauer: 5 Minuten

Aktualisiert am 28.10.2026

Als Kind war Markus Sylle auf den Baustellen seines Vaters mit dabei. Heute führt er gemeinsam mit ihm ein Unternehmen für Elektro-, Haus- und Heizungstechnik in Klagenfurt. Was bei Familie Sylle gelungen ist, wird für tausende Kärntner Betriebe in den kommenden Jahren zur entscheidenden Frage: Wer führt das Unternehmen weiter, wenn sich die bisherige Generation zurückzieht? Laut einer aktuellen Studie der KMU Forschung Austria stehen bis 2035 rund 3.700 Kärntner Arbeitgeberunternehmen vor einer möglichen Übergabe. Das entspricht jedem vierten Arbeitgeberbetrieb. Mit ihnen sind 39.900 Beschäftigte verbunden. 

WK-Präsident Jürgen Mandl machte beim Pressegespräch der Wirtschaftskammer Kärnten deutlich, was dabei auf dem Spiel steht: „Wer über Jahrzehnte ein Unternehmen aufgebaut hat, gibt nicht einfach einen Betrieb weiter, sondern ein Stück seines Lebens. Dahinter stehen Menschen, Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter, gewachsene Kundenbeziehungen und oft auch die Nahversorgung ganzer Gemeinden. Wenn ein Unternehmen keinen Nachfolger findet, droht all das verloren zu gehen. Deshalb müssen wir dafür sorgen, dass aus dem Ende einer Unternehmerlaufbahn nicht das Ende eines erfolgreichen Betriebs wird.“ 

Jeder vierte Arbeitgeberbetrieb vor Übergabe

Besonders viele potenzielle Übergaben erwartet die Studie im Kärntner Handel mit rund 800 Unternehmen, gefolgt von Beherbergung und Gastronomie mit 600 sowie Produktion und Bau mit jeweils 400 Betrieben. Allein in der Produktion arbeiten rund 9.600 Menschen in Unternehmen, für die bis 2035 eine Nachfolge anstehen könnte. Die Zahlen beschreiben mögliche Übergaben, nicht bevorstehende Betriebsschließungen.  

Dass der Generationenwechsel bereits in vollem Gange ist, belegt die jüngste Bilanz: Im Jahr 2025 wurden in Kärnten 545 Betriebe erfolgreich übergeben, um 5,6 Prozent mehr als im Jahr davor. Allerdings wird die Suche nach geeigneten Nachfolgern anspruchsvoller. Österreichweit erfolgen mittlerweile 55 Prozent der Übergaben außerhalb der Familie. Gleichzeitig erschweren Kaufpreis, notwendige Investitionen sowie steuerliche und bürokratische Anforderungen häufig den Wechsel. Mandl fordert deshalb bessere Rahmenbedingungen: „Wer bereit ist, einen bestehenden Betrieb weiterzuführen, darf nicht durch unnötige Bürokratie und finanzielle Hürden ausgebremst werden. Wir brauchen einfachere Verfahren, steuerliche Erleichterungen und bessere Finanzierungsmöglichkeiten. Es muss sich lohnen, ein Unternehmen zu übernehmen und in seine Zukunft zu investieren.“ 

Frühzeitig planen und Unterstützung nutzen

Die Wirtschaftskammer Kärnten begleitet Unternehmer bei der Betriebsübergabe ebenso wie Menschen, die einen bestehenden Betrieb übernehmen möchten. Das Angebot reicht von persönlichen Erstgesprächen im Servicezentrum und in den Bezirksstellen über rechtliche und wirtschaftliche Beratung bis hin zur Unterstützung bei der Nachfolgesuche. Über die kostenlose Nachfolgebörse werden Interessierte zusammengebracht. Für vertiefende Fragen stehen spezialisierte Übergabe-Consultants zur Verfügung, bei denen bis zu zehn Beratungsstunden kostenlos in Anspruch genommen werden können. Jutta Steinkellner, Leiterin des Servicezentrums der Wirtschaftskammer Kärnten, betont: „Eine Betriebsnachfolge ist kein Vorgang, den man nebenbei erledigt. Da geht es um den Wert des Unternehmens, Verträge, Mitarbeiter, Finanzierung und viele persönliche Fragen. Unsere Aufgabe ist es, sowohl Übergeber als auch Nachfolger frühzeitig zu begleiten, die richtigen Ansprechpartner zusammenzubringen und gemeinsam einen gangbaren Weg zu finden. Je früher man beginnt, desto mehr Möglichkeiten bleiben für eine gute Lösung.“

Wichtig ist dabei, dass die Übergabe nicht erst kurz vor dem geplanten Pensionsantritt zum Thema wird. Denn neben rechtlichen und finanziellen Fragen muss auch geklärt werden, wie Verantwortung übertragen wird und welche Vorstellungen beide Seiten – Übergeber und Übernehmer - von der Zukunft des Unternehmens haben. 

Mit 22 Jahren ins Unternehmertum

Wie eine solche Nachfolge innerhalb der Familie aussehen kann, schilderte Markus Sylle, Geschäftsführer der Sylle Elektro Haus- und Heizungstechnik GmbH sowie Landesinnungsmeister der Kärntner Mechatroniker. Der Klagenfurter fand nach einem zunächst anderen Ausbildungsweg über eine Lehre zum Elektro- und Gebäudetechniker sowie weitere Qualifikationen den Weg in das Unternehmen seines Vaters Walter. Bereits mit 22 Jahren übernahm er unternehmerische Verantwortung. 2025 gründeten Vater und Sohn die heutige GmbH, die sie gemeinsam führen. „Ich bin mit dem Betrieb meines Vaters aufgewachsen, aber es war nicht von Anfang an klar, dass ich selbst einmal Unternehmer werden würde. Heute ist es ein großer Vorteil, dass wir gemeinsam arbeiten. Ich kann auf seine Erfahrung zurückgreifen und gleichzeitig meine eigenen Ideen einbringen. Das Wichtigste ist, dass beide Generationen offen miteinander reden und einander auch Entscheidungen zutrauen. Eine Nachfolge funktioniert nur, wenn man bereit ist, Verantwortung weiterzugeben und zu übernehmen“, erzählt Sylle. 

Mittlerweile verfügt das Familienunternehmen über einen eigenen Standort mit Büro- und Lagerflächen, der weitere Entwicklungsmöglichkeiten eröffnet. Sylle möchte neue Geschäftsfelder erschließen und auch selbst einen Lehrling ausbilden. Sein Beispiel macht deutlich, dass eine Betriebsübernahme nicht nur Bestehendes erhält, sondern auch neue unternehmerische Perspektiven schaffen kann. „Erfolgreiche Nachfolge bedeutet nicht, dass alles so bleiben muss, wie es immer war. Die nächste Generation soll auf dem aufbauen können, was geschaffen wurde, und gleichzeitig die Freiheit haben, neue Wege zu gehen. Genau darin liegt die große Chance des bevorstehenden Generationenwechsels“, so Mandl abschließend.