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Gruppenfoto der Sieger mit Gewinnerscheck über 5.000 Euro
© Felix Franz

EUDIS: Von der Idee zur Lösung für Europas Sicherheit

Zwei Tage, drei Defence-Challenges und internationale Teams: In Klagenfurt wurden beim EUDIS Defence Hackathon die besten Lösungen ausgezeichnet.

Lesedauer: 5 Minuten

Aktualisiert am 20.10.2026

Navigieren ohne Satellitensignal, autonome Systeme, die miteinander zusammenarbeiten, und neue Technologien zum Schutz von Soldat:innen: Drei Tage lang wurde in Klagenfurt entwickelt, getestet und verbessert. Beim EUDIS Defence Hackathon 2026, der erstmals in Österreich stattfand, arbeiteten internationale Teams im MAKERSPACE Carinthia und im Lakeside Park an konkreten Herausforderungen aus dem Verteidigungs- und Sicherheitsbereich. Klagenfurt war dabei einer von acht europäischen Austragungsorten der Herbstausgabe, was der Landeshauptstadt als Standort eine besondere europäische Sichtbarkeit gibt. Erstmals haben zwei Länder gemeinsam den EUDIS Defence Hackathon organisiert – nämlich Österreich und Slowenien. Unter dem Leitthema „Autonomy on the Battlefield“ präsentierten die Teams nach intensiven Arbeitsphasen am Samstag ihre Lösungen in zweiminütigen Pitches vor der Jury. Diese hat das Siegerprojekt ausgezeichnet und anlässlich der besonderen Zusammenarbeit zwischen Österreich und Slowenien den Sonderpreis „Alps Adriatic Star“ vergeben. 

Siegerprojekt: Roboter finden ihren Weg auch ohne GPS

Den ersten Platz sicherte sich das slowenische Team IRNAS Technologies d.o.o. aus Maribor. Seine Software ermöglicht es Bodenrobotern, sich auch dann zu orientieren, wenn Satellitensignale fehlen oder gestört werden. Dazu werden Messdaten verschiedener Sensoren zusammengeführt und Fehler bei der Positionsbestimmung laufend ausgeglichen. So können die Fahrzeuge selbstständig vorgegebene Strecken abfahren und eigene Routen planen, bei denen sie Hindernisse berücksichtigen. Während des Hackathons erprobte das Team die Lösung an einem Bodenroboter in der Drohnenhalle. In mehr als 150 Testfahrten verringerte es nach eigenen Angaben die Abweichung vom vorgesehenen Fahrweg von zunächst 37 Zentimetern auf rund einen Zentimeter. Als nächste Schritte sind Tests im Freien und auf unebenem Gelände geplant. Den Sonderpreis „Alps Adriatic Star“ erhielt die slowenische FireCat Group für spezielle Schutzkleidung mit Sensoren für Herzschlag, Atmung und Standorterfassung. 

WKÖ-Vizepräsidentin Carmen Goby sieht in solchen Formaten eine Chance, technologisches Know-how rascher in konkrete Anwendungen zu bringen: „Europa verfügt über hervorragende Unternehmen, Forschung und kluge Köpfe. Entscheidend ist, dass aus diesem Wissen auch Lösungen entstehen, die tatsächlich eingesetzt werden können. Gerade im Bereich Sicherheit und Verteidigung eröffnen sich neue technologische und wirtschaftliche Möglichkeiten. Dabei sollen auch Start-ups und kleinere Unternehmen Zugang zu diesem Markt bekommen. Der Hackathon in Klagenfurt bringt genau jene Menschen zusammen, die dafür Ideen, Know-how und Umsetzungsstärke mitbringen.“ Auch Wirtschaftslandesrat Sebastian Schuschnig gratulierte allen Teilnehmenden sowie insbesondere den Gewinnern zu ihren Leistungen und betonte: „Die Anforderungen an Sicherheit und Verteidigung verändern sich durch neue Technologien und KI rasant. Umso wichtiger ist es, dass wir auch in Kärnten unsere Kompetenzen in diesem Bereich weiter ausbauen und innovative Entwicklungen vorantreiben. Ich sehe das als wesentlichen Impuls für die Landessicherheit, aber auch als eine Chance für die Wettbewerbsfähigkeit und somit auch für die Zukunft unseres Wirtschaftsstandortes. Der Hackathon zeigt, wie durch technisches Know-how, Kreativität und Zusammenarbeit neue Lösungsansätze entstehen können.“ 

Drei Aufgaben, ein Ziel

Die Teams arbeiteten an drei unterschiedlichen Aufgabenstellungen. Bei „GNSS-Denied Navigation“ ging es darum, autonome Systeme auch dort sicher navigieren zu lassen, wo GPS und andere satellitenbasierte Positionssignale nicht verfügbar sind. „Swarm Coordination“ beschäftigte sich mit der Zusammenarbeit mehrerer Drohnen oder Roboter. Die in Klagenfurt definierte dritte Challenge „Soldier Protection“ suchte nach neuen Möglichkeiten, bestehende Schutzsysteme für Soldat:innen etwa durch Sensorik, künstliche Intelligenz und vernetzte Technologien weiterzuentwickeln.  

Für Peter Weidinger, Projektleiter des EUDIS Defence Hackathons in Klagenfurt vom Defence Innovation Hub Austria, war dabei entscheidend, dass es nicht bei Konzepten bleibt: „Wir wollten keine Lösungen, die nur auf einer Präsentationsfolie gut aussehen. Die Teams hatten konkrete Aufgabenstellungen, direkte Ansprechpartner aus dem militärischen Bereich und die Möglichkeit, ihre Ansätze zu testen und weiterzuentwickeln. In sehr kurzer Zeit wurde aus einer Idee ein Prototyp oder zumindest ein belastbarer Lösungsweg. Genau diese Geschwindigkeit brauchen wir, wenn Innovation tatsächlich in die Anwendung kommen soll.“ Der MAKERSPACE bot dafür insbesondere bei der Challenge „Soldier Protection“ Möglichkeiten zur Fertigung und Anpassung von Prototypen, während die Teams der beiden anderen Challenges im Lakeside Park arbeiteten. Innovationscoaches und Fachexpert:innen begleiteten die Teilnehmer:innen und unterstützten die beim Testen und bei der Vorbereitung auf die abschließenden Pitches.  

Wirtschaft und Landesverteidigung zusammenbringen

René Cerne, Oberstleutnant des höheren militärfachlichen Dienstes und Milizbeauftragter der Wirtschaftskammer Kärnten, betont die Bedeutung des direkten Austauschs zwischen Anwendern und Entwicklern: „Im militärischen Bereich entscheidet am Ende nicht, wie spektakulär eine Technologie klingt, sondern ob sie unter realen Bedingungen einen Nutzen bringt. Dafür müssen jene, die den Bedarf aus der Praxis kennen, früh mit Unternehmen, Entwicklerinnen und Entwicklern zusammenarbeiten. Genau das passiert hier: Herausforderungen werden klar formuliert, unterschiedliche Kompetenzen treffen aufeinander und Lösungen können sehr früh an den tatsächlichen Anforderungen gespiegelt werden.“ Cerne ist seit Jahren an der Schnittstelle zwischen Wirtschaft, Innovation und Landesverteidigung tätig. 

Organisiert wurde der EUDIS Defence Hackathon in Klagenfurt vom Defence Innovation Hub Austria (DIHA) in Partnerschaft mit dem Bundesministerium für Landesverteidigung. Er ist Teil des European Union Defence Innovation Scheme und wird im Rahmen des Europäischen Verteidigungsfonds finanziert. Ziel ist es, Unternehmen, Forschung, Entwickler:innen und Defence-Expert:innen zusammenzubringen und neue Technologien schneller an konkrete sicherheits- und verteidigungspolitische Anforderungen heranzuführen. Für die erfolgreichen Teams ist mit der Siegerehrung nicht Schluss: Die EUDIS-Initiative sieht Möglichkeiten zur weiteren Entwicklung und Begleitung der Lösungen vor. Auch die Verbindung zur Austrian Defence Innovation Challenge soll helfen, vielversprechende Ansätze nach dem Hackathon weiterzuführen.