Präsident Jürgen Mandl am Rednerpult beim Frühjahrs-Wirtschaftsparlament der Wirtschaftskammer Kärnten
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Flammender Appell für mehr Leistungsbewusstsein

Das Kärntner Wirtschaftsparlament stand ganz im Zeichen von Arbeitszeitdebatte und Mitarbeitermangel.

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Aktualisiert am 29.05.2024

Die Frühjahrssession des Kärntner Wirtschaftsparlaments – der Kammervollversammlung – stand heute Nachmittag im Zeichen aktueller wirtschaftspolitischer Fragen. WK-Präsident Jürgen Mandl informierte die knapp 100 Unternehmerinnen und Unternehmer in seiner Rede zur Lage der Wirtschaft über die Alarmstimmung, was die Wettbewerbsfähigkeit des Standortes betrifft. Neben den hohen Energiepreisen sind laut einer aktuellen Studie von Deloitte die hohen Arbeitskosten schuld daran, dass Unternehmen über Abwanderung oder Produktionsverlagerung nachdenken. Weitere Auslöser für die aktuelle Deindustrialisierungsdebatte in Österreich sind die enorme Regulierungswut der Bürokratie, der anhaltende Mangel an qualifizierten Arbeitskräften und die hohen Steuern und Abgaben.

Jeder dritte Job ist Teilzeit

Intensiv widmete sich Mandl dem Thema Arbeitszeiten, zumal die heimische Wirtschaft in den vergangenen Jahren seit der Corona-Pandemie 140.000 Vollzeit-Arbeitsstellen verloren habe. Gleichzeitig sei mittlerweile fast jeder dritte Arbeitsplatz ein Teilzeitjob. „Und das ist kein europäisches Phänomen, sondern ein österreichisches Problem“, warnte Mandl. Er erinnerte mit einem flammenden Appell daran, dass es in Österreich in 25 Jahren 500.000 nicht zu besetzende Arbeitsplätze geben werde: „Wenn wir es nicht schaffen, Menschen wieder für eine bessere Arbeitseinstellung zu gewinnen, wenn es uns nicht gelingt, qualifizierte Menschen hierherzubringen, dann können wir unsere Wirtschaftsleistung unter diesen Rahmenbedingungen nicht halten und sägen massiv an unserem Wohlstandsast!“

Gleichzeitig werde sich die Frage stellen, wie die Kindergärten, die Schulen, die Berufsausbildung, die Gesundheitsversorgung aufrechtzuerhalten sein würden. Neue Steuern einzuführen, werde jedenfalls keines dieser Probleme lösen, ist Mandl überzeugt: „Hier wird eine zutiefst ideologische Diskussion geführt, die nichts mit der unternehmerischen Realität zu tun hat!“ Sein Appell: „Wir müssen alles tun und einen gesellschaftlichen Kompromiss finden, um uns zurückzuholen, was wir uns über 70 Jahre erarbeitet haben!"

WK-Direktor Meinrad Höfferer präsentierte den Delegierten zum Wirtschaftsparlament die weiteren interessenpolitischen Schwerpunkte der Kammerarbeit von der Energiewende über die Raum- und Bauordnung bis zum neuen Wirtschaftsraum AREA Süd und den heiß umkämpften Saisonkontingenten im Tourismus.

Solide finanzielle Basis

Der vom Wirtschaftsparlament einstimmig beschlossene Rechnungsabschluss der Kammer für das Jahr 2023 weist einen Abgang von Euro 27.264,93 auf. Die Umsatzerlöse und sonstigen betrieblichen Erträge beliefen sich auf Euro 33.775.803,81 und waren um 0,3 % höher als der Voranschlag. Unter Berücksichtigung des Finanzerfolges lagen die Gesamteinnahmen bei Euro 34.929.300,88. Die gesamten betrieblichen Aufwendungen, der Personalaufwand und Materialaufwand, sowie die Zinsertragssteuer beliefen sich auf Euro 30.148.312,49. Die Investitionen haben Euro 4.084.998,06 betragen. Euro 723.255,26 wurde den zweckgebundenen Rücklagen zugewiesen. Somit ergibt sich der Abgang von 27.264,93. Die Wirtschaftskammer hat eine solide finanzielle Basis und kann ihre Investitionen in Bildungsmaßnahmen, Digitalisierung und notwendige Infrastruktur künftig umsetzen. Die Rechnungsabschlüsse der Fachgruppen weisen insgesamt einen Bilanzgewinn von Euro 531.104 aus.

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