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Peter Storfer, Obmann der Sparte Gewerbe und Handwerk in der Wirtschaftskammer Kärnten
© WKK, Sabine Biedermann

Kärntens Gewerbe und Handwerk: Stabilisierung ja, Aufschwung nein

 Aufträge und Umsätze sinken real um 3,7 Prozent. Kärnten liegt über dem Österreichschnitt. Spartenobmann Peter Storfer fordert Wirtschaftsimpulse. 

Lesedauer: 6 Minuten

Aktualisiert am 20.10.2026

Kärntens Gewerbe- und Handwerksbetriebe beweisen in einem weiterhin schwierigen wirtschaftlichen Umfeld Durchhaltevermögen. Von einer nachhaltigen Erholung kann allerdings noch keine Rede sein. Das zeigt die aktuelle Konjunkturbeobachtung der KMU Forschung Austria für das dritte Quartal 2026. Die heimischen Betriebe schlagen sich dabei besser als der österreichische Durchschnitt, kämpfen aber weiterhin mit einer schwachen Nachfrage und zurückhaltenden Investitionen.

Dabei zeigt sich ein unterschiedliches Bild in den einzelnen Branchen: Zu den klaren Gewinnern zählen Gesundheit und Wellness sowie Holz und Kunststoff. Besonders angespannt ist die Situation hingegen im Baugewerbe und im Bereich Kreativ/Design. Im Bauinstallations- und Ausbaugewerbe – dazu zählen beispielsweise Dachdecker, Spengler, Maler, Installateure, Elektriker und Holzbaubetriebe - läuft das Geschäft überwiegend saisonüblich, die Lage bleibt jedoch herausfordernd. Ähnlich verhält es sich bei Kfz/Mechatronik sowie im Lebensmittelgewerbe. Positive Erwartungen kommen vor allem von den Personaldienstleistern und aus dem Sicherheitsgewerbe. 

Weniger Aufträge trotz höherer Preise

Im ersten Halbjahr 2026 gingen die Auftragseingänge beziehungsweise Umsätze gegenüber dem Vorjahreszeitraum nominell um 0,9 % zurück. Damit fiel das Minus geringer aus als im ersten Halbjahr 2025 (-1,9 %). Auch im Österreichvergleich steht Kärnten besser da: Während bundesweit ein Rückgang von 1,8 % verzeichnet wurde, liegt Kärnten hinter Salzburg auf Platz 2. Die Zahlen zeigen allerdings auch, dass die wirtschaftliche Situation weiterhin angespannt ist. Da die Verkaufspreise im selben Zeitraum durchschnittlich um 2,9 % gestiegen sind, ergibt sich preisbereinigt ein realer Rückgang der Auftragseingänge und Umsätze von 3,7 %. Zwar konnten 22 % der Betriebe Zuwächse erzielen und bei 47 % blieb die Entwicklung stabil, 31 % mussten jedoch Rückgänge hinnehmen. „Unsere Kärntner Gewerbe- und Handwerksbetriebe beweisen in einem schwierigen wirtschaftlichen Umfeld enorme Widerstandskraft. Dass wir uns besser als der Österreichschnitt entwickeln, ist erfreulich. Gleichzeitig dürfen wir uns von einer leichten Stabilisierung nicht täuschen lassen. Die Betriebe brauchen wieder mehr Aufträge, mehr Planungssicherheit und vor allem Rahmenbedingungen, die Investitionen ermöglichen und wirtschaftliches Wachstum fördern“, betont Peter Storfer, Obmann der Sparte Gewerbe und Handwerk in der Wirtschaftskammer Kärnten. 

Geschäftslage stabilisiert sich – Nachfrage bleibt verhalten

Die Stimmung unter den Kärntner Gewerbe- und Handwerksbetrieben hat sich gegenüber dem Vorquartal kaum verändert. 22 % der Unternehmen beurteilen ihre aktuelle Geschäftslage als gut, 52 % als saisonüblich und 26 % als schlecht. Damit überwiegen weiterhin die negativen Einschätzungen, allerdings hat sich die Stimmung gegenüber dem Vorquartal nicht weiter verschlechtert.

Ein ähnliches Bild zeigt sich bei den Auftragsbeständen. In den investitionsgüternahen Branchen, zu denen unter anderem Bau-, Holz-, Metall- und Gebäudetechnikbetriebe zählen, reicht der vorhandene Auftragsbestand durchschnittlich für 11,9 Wochen Vollauslastung. Gleichzeitig könnten 34 % der Betriebe sofort zusätzliche Aufträge übernehmen. Es wären somit Kapazitäten vorhanden, um eine stärkere Nachfrage rasch zu bedienen. Besonders spürbar ist die Kaufzurückhaltung in den konsumnahen Branchen. Hier verzeichneten 31 % der Betriebe rückläufige Umsätze, während lediglich 11 % Zuwächse meldeten. Das zeigt, dass die verhaltene Nachfrage der privaten Haushalte weiterhin eine Belastung darstellt. 

Unternehmen blicken vorsichtig auf das Jahresende

Auch für die kommenden Monate bleibt die Zuversicht gedämpft. Für das vierte Quartal rechnen 62 % der Kärntner Gewerbe- und Handwerksbetriebe mit einer gleichbleibenden Geschäftsentwicklung. Ein Viertel erwartet rückläufige Aufträge beziehungsweise Umsätze, lediglich 13 % gehen von einer Verbesserung aus. Die Aussichten sind damit zwar etwas günstiger als vor einem Jahr, von einer breiten wirtschaftlichen Erholung kann aber noch nicht gesprochen werden. Bei der Personalplanung setzen die Unternehmen überwiegend auf Stabilität. 80 % wollen ihren Beschäftigtenstand halten, 14 % planen zusätzliche Einstellungen. Insgesamt ergibt sich daraus ein erwarteter Beschäftigungszuwachs von 1,2 %, der allerdings unter dem Vorjahreswert von 3,1 % liegt. Für Spartenobmann Storfer braucht es deshalb gezielte Maßnahmen, um die Konjunktur wieder anzukurbeln: „Unsere Betriebe wollen investieren, Arbeitsplätze sichern und jungen Menschen eine Zukunft im Handwerk bieten. Dafür brauchen sie aber auch die entsprechenden Rahmenbedingungen. Weniger Bürokratie, eine Entlastung bei den Arbeitskosten und stärkere Anreize für private und öffentliche Investitionen wären wichtige Schritte, um die Konjunktur wieder in Schwung zu bringen.“ 

Neue Impulse für nachhaltiges Wachstum notwendig

Für die kommenden Monate wird entscheidend sein, ob sich die erwartete schrittweise Erholung der Gesamtwirtschaft auch in zusätzlichen Aufträgen und einer stärkeren Investitionstätigkeit niederschlägt. Gerade angesichts der vorhandenen betrieblichen Kapazitäten könnten neue private und öffentliche Investitionen wichtige Impulse für Kärntens Gewerbe und Handwerk setzen. „Wir dürfen uns nicht damit zufriedengeben, dass es nicht mehr schlechter wird. Unser Ziel muss sein, dass es wieder spürbar aufwärtsgeht. Kärntens Gewerbe und Handwerk hat die Kompetenz, die Innovationskraft und die Fachkräfte dafür. Jetzt braucht es die richtigen Impulse, damit aus der Stabilisierung wieder echtes Wachstum werden kann“, so Storfer abschließend. 

Bauwirtschaft als Schlüssel für Wachstum und Wertschöpfung

Eine Schlüsselrolle bei der Belebung der Investitionstätigkeit kommt dabei der Bauwirtschaft zu. Sie ist nicht nur ein wichtiger Auftraggeber für zahlreiche Gewerbe- und Handwerksbetriebe, sondern auch ein zentraler Motor für Beschäftigung und regionale Wertschöpfung in Kärnten. Rund 40.000 Arbeitsplätze – und damit jeder vierte Arbeitsplatz in Kärnten – sind direkt bzw. indirekt mit der Branche verbunden. Die gesamte regionale Wertschöpfungswirkung beläuft sich auf 2,7 Milliarden Euro. Nach herausfordernden Jahren zeichnen sich erste Anzeichen einer Stabilisierung ab: Im dritten Quartal 2026 lag der Auftragsbestand in Kärnten um 1,6 % über dem Vorjahresniveau, österreichweit betrug das Plus lediglich 0,2 %. Die Erwartungen für das vierte Quartal bleiben jedoch verhalten. Für 2027 werden insbesondere vom geförderten und gemeinnützigen Wohnbau neue Impulse erwartet. Der freifinanzierte Neubau steht hingegen weiterhin unter Druck. Neben hohen Baukosten erschweren trotz des Auslaufens der KIM-Verordnung weiterhin strenge Kreditvergabekriterien privaten Bauherren die Finanzierung von Eigenheimen. Bei größeren Wohnbauprojekten stellen insbesondere hohe Eigenkapitalanforderungen und die notwendige Vorfinanzierung zusätzliche Hürden dar.

Zusätzliche Impulse könnte eine praxisorientierte Reform der Kärntner Bauordnung bringen. Storfer: „Kürzere Genehmigungsverfahren, durchgängig digitale Bauverfahren, weniger Nachweispflichten und Erleichterungen beim Bauen im Bestand würden Bauprojekte beschleunigen, Kosten senken und Investitionen erleichtern.“ Auch die vom Bund auf den Weg gebrachten Fördermaßnahmen für Sanierung und Heizungstausch sollen 2027 die Bautätigkeit unterstützen. Storfer: „Investitionen in Neubau und Sanierung wirken weit über die Bauwirtschaft hinaus. Sie sichern Arbeitsplätze, stärken unsere heimischen Betriebe und schaffen Wertschöpfung in den Regionen.“ 

Konjunkturbeobachtung Gewerbe und Handwerk Kärnten – 3. Quartal 2026

Die Auftragseingänge und Umsätze beziehen sich auf das erste Halbjahr 2026, die Geschäftslage und der Auftragsbestand auf das dritte Quartal sowie die Erwartungen und Personalplanungen auf das vierte Quartal 2026. 

  • Platz 2 für Kärnten bei der Entwicklung der Auftragseingänge und Umsätze im Bundesländervergleich. 
  • Auftragseingänge/Umsätze: Kärnten -0,9 %, Österreich -1,8 %; realer Rückgang in Kärnten -3,7 %. 
  • Geschäftslage: 22 % gut, 52 % saisonüblich, 26 % schlecht.

  • Auftragsbestand: -0,4 % gegenüber dem Vorjahresquartal.

  • Vollauslastung: durchschnittlich 11,9 Wochen. 
  • Freie Kapazitäten: 34 % könnten sofort zusätzliche Aufträge überneh 
  • Erwartungen für das 4. Quartal: 13 % steigend, 62 % stabil, 25 % rückläufig. 
  • Personalplanung: 14 % planen Einstellungen; erwartetes Beschäftigungsplus von 1,2 %.