Zum Inhalt springen
Gruppenfoto
© WKK | Helge Bauer

Kärntens Banken und Versicherungen fordern weniger Bürokratie und klare Regeln für den digitalen Euro

Im Rahmen der Spartenkonferenz der Sparte Bank und Versicherung der Wirtschaftskammer Kärnten standen zentrale Zukunftsthemen des österreichischen Finanzsektors im Mittelpunkt. Neben der zunehmenden Regulierung diskutierten die Spitzenvertreter der Kärntner Banken und Versicherungen insbesondere die Entwicklung rund um den digitalen Euro, die Rolle von Nachhaltigkeit im Finanz- und Versicherungswesen sowie die Bedeutung der Banken und Versicherungen als Stabilitätsanker für Wirtschaft und Gesellschaft.

Lesedauer: 3 Minuten

Einen Moment bitte. Ladevorgang läuft ...
0:00
Audio konnte nicht geladen werden. Erneut versuchen
0:00
0:00
Aktualisiert am 10.04.2026

Für Spartenobmann Manfred Wilhelmer ist klar: „Banken und Versicherungen sind zentrale Partner für Unternehmen und private Haushalte. Sie ermöglichen Investitionen, sichern Risiken ab und tragen wesentlich zur Stabilität unseres Wirtschaftsstandortes bei. Gerade deshalb braucht die Branche Rahmenbedingungen, die Innovation ermöglichen und gleichzeitig wirtschaftlich umsetzbar bleiben.“ Allein in Kärnten beschäftigen die Banken und Versicherungen mehr als 5.000 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter und tragen rund 4,5 % zur gesamten Wirtschaftsleistung des Bundeslandes bei. 

Digitaler Euro: Chancen nutzen, Stabilität sichern

Ein zentrales Diskussionsthema der Spartenkonferenz war der geplante digitale Euro, der derzeit auf europäischer Ebene vorbereitet wird. Dieser soll als digitale Form von Zentralbankgeld das bestehende Zahlungssystem ergänzen. Wilhelmer sieht darin grundsätzlich eine interessante Entwicklung, mahnt jedoch eine sorgfältige Ausgestaltung ein: „Ein digitaler Euro kann den europäischen Zahlungsverkehr weiterentwickeln. Entscheidend ist aber, dass er einen echten Mehrwert für Kundinnen und Kunden sowie Unternehmen bietet. Gleichzeitig müssen die Stabilität des Bankensystems und die Rolle der Banken in der Finanzierung der Realwirtschaft gesichert bleiben.“ 

Nachhaltigkeit mit wirtschaftlichem Augenmaß

Auch die zunehmende Bedeutung von Nachhaltigkeit und nachhaltigen Finanzierungen war Thema der Konferenz. Banken und Versicherungen spielen eine zentrale Rolle bei der Finanzierung der Energiewende und bei der Begleitung von Unternehmen auf ihrem Transformationsweg. 

Im Rahmen der Konferenz gab es dazu auch einen Input zur Green Finance Alliance – einer Initiative der öffentlichen Hand für einen klimafreundlichen Finanzmarkt. Finanzunternehmen verpflichten sich dabei freiwillig, ihr Kerngeschäft schrittweise an den Pariser Klimazielen und an einer klimaneutralen Wirtschaft auszurichten. Aus Sicht der Branche sind solche Initiativen wichtige Impulsgeber – entscheidend ist jedoch, dass sie auf Freiwilligkeit, realistischen Übergangspfaden und wirtschaftlicher Tragfähigkeit basieren. „Der Finanzsektor ist ein wichtiger Hebel für die nachhaltige Transformation unserer Wirtschaft. Banken und Versicherungen unterstützen Unternehmen bei Investitionen in klimafreundliche Technologien und nachhaltige Projekte“, betont Wilhelmer. Gleichzeitig müsse Nachhaltigkeit auch wirtschaftlich tragfähig sein: „Nachhaltige Transformation kann nur gelingen, wenn die Unternehmen mitgenommen werden und daraus auch ein betriebswirtschaftlicher Nutzen entsteht. Nachhaltigkeit darf nicht zu einem reinen Regulierungsprojekt werden. Sie muss Investitionen ermöglichen, Innovation fördern und für Unternehmen wirtschaftlich darstellbar bleiben.“ Wichtig sei daher, dass Nachhaltigkeitsregeln praxistauglich bleiben und nicht zu zusätzlicher bürokratischer Belastung führen. Nur wenn ökologische Ziele mit wirtschaftlicher Vernunft verbunden werden, könne die Transformation langfristig erfolgreich umgesetzt werden. 

Weniger Regulatorik für mehr Wettbewerbsfähigkeit

Kritisch sieht die Branche die in den vergangenen Jahren deutlich gestiegene Regulierungsdichte auf europäischer und nationaler Ebene. Viele Vorschriften seien zwar aus Gründen der Stabilität sinnvoll, würden aber zunehmend Ressourcen binden und Investitionsspielräume einschränken. „Eine stabile Regulierung ist wichtig. Aber wir brauchen ein ausgewogenes Verhältnis zwischen Stabilität, Konsumentenschutz und unternehmerischer Freiheit. Zu viel Bürokratie schwächt letztlich die Wettbewerbsfähigkeit des Finanz- und Wirtschaftsstandortes und reduziert Spielräume für Innovation und Finanzierung“, so der Spartenobmann 

Bundessparte: Klarheit beim digitalen Euro notwendig

Im Rahmen der Spartenkonferenz war auch Eva Landrichtinger, Bundesspartengeschäftsführerin der Bundessparte Bank und Versicherung der Wirtschaftskammer Österreich, vertreten und unterstrich die Bedeutung klarer Rahmenbedingungen. „Der digitale Euro ist ein weitreichendes Projekt für das europäische Finanzsystem. Aus Sicht der Banken sind noch wesentliche Fragen offen – etwa zur konkreten Ausgestaltung, zum Nutzen für Kundinnen und Kunden und zu den Auswirkungen auf das bestehende Finanzsystem. Diese Fragen müssen sorgfältig geklärt werden, bevor endgültige Entscheidungen getroffen werden.“ 

Finanzsektor bleibt starker Partner der Wirtschaft

Abschließend betont Wilhelmer die zentrale Rolle der Branche für den Wirtschaftsstandort: „Banken und Versicherungen sind verlässliche Partner für Menschen und Unternehmen. Damit sie diese Rolle auch künftig erfüllen können, braucht es klare wirtschaftspolitische Entscheidungen: weniger Bürokratie, verlässliche Rahmenbedingungen und ein Umfeld, das Investitionen wieder erleichtert und ermöglicht.“

Weitere interessante Artikel
  • Tankstelle Zapfsäule
    Magistratstankstelle gehört der Sprit abgedreht
    Weiterlesen
  • WKK-Präsident Jürgen Mandl
    Mandl: Kärnten steht vor entscheidenden Jahren!
    Weiterlesen
  • Teilnehmer der Diskussionsrunde zum Wölfe in Kärnten
    Wölfe in Kärnten: vorausschauender Schulterschluss für die Zukunft wichtig
    Weiterlesen