Kärntens familienfreundlichste Betriebe ausgezeichnet
Vom Papamonat über Zuschuss zur Kinderbetreuung bis hin zu flexiblen Arbeitszeiten: In vielen Kärntner Betrieben wird Familienfreundlichkeit gelebt. Vier davon wurden als „Familienfreundlichster Betrieb Kärntens 2025“ ausgezeichnet. Mit dem Landespreis schafft die Wirtschaftskammer Kärnten mit „Frau in der Wirtschaft Kärnten“ Sichtbarkeit für gelebte Familienfreundlichkeit als wichtigen Wettbewerbs- und Standortfaktor.
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Kind krank? Kein Problem. Betreuung in den Sommerferien? Klappt dank flexibler Arbeitszeiten, ausgezahlten Zuschüssen und eigenen Kinderbereichen in der Firma. Papamonat? Der Chef unterstützt Väter dabei. Wiedereinstieg nach der Karenz? Mit maßgeschneiderten Programmen und ohne Karriereknick. Vier Kärntner Betrieben zeigen, wie vielfältig eine gelebte Vereinbarkeit im Alltag aussehen kann, und wurden mit dem Landespreis „Familienfreundlichster Betrieb Kärntens 2025“ ausgezeichnet. Sie beweisen, dass Familienfreundlichkeit unabhängig von Betriebsgröße oder Branche möglich ist und zu einem klaren Wettbewerbsvorteil wird.
Best-Practice-Beispiele als attraktiver Arbeitgeber
„Die ausgezeichneten Betriebe sind nicht nur attraktive Arbeitgeber: Sie sind Vorbilder und Impulsgeber für einen starken Wirtschaftsstandort Kärnten", sagt Astrid Legner, Vizepräsidentin der Wirtschaftskammer Kärnten und Landesvorsitzende von Frau in der Wirtschaft (FiW). „Wer heute die besten Talente gewinnen und halten will, muss auf Vereinbarkeit setzen. Unsere Preisträger zeigen, wie moderne Arbeitswelten aussehen können und ihre Innovationskraft strahlt weit über die Unternehmensgrenzen hinaus." Die Sieger sind in ihrer Kategorie für den Staatspreis „Familie & Beruf“ nominiert, der im Frühsommer 2026 vergeben wird.
Die Kärntner Gewinner wurden von einer sechsköpfigen Jury ermittelt: „Die Reihung fiel nicht leicht. Jeder nominierte Betrieb lebt Familienfreundlichkeit mit Herz und Engagement“, sagt FiW-Landesgeschäftsführerin Tanja Teleskalv. Jeder Landessieger erhielt eine individuell gestaltete Trophäe der Villacher Kunsthandwerkerin Astrid Gatto. Hierfür arbeitete sie mit Treibholz aus Kärntner Flüssen und verband dieses mit einem lächelnden Gesicht aus Glas. Das Lächeln steht symbolisch für die Zufriedenheit, die Vereinbarkeit in einen Betrieb bringt – sowohl für die Mitarbeitenden als auch für die Unternehmer. Jede Trophäe ist ein Unikat. Genauso wie die Siegerbetriebe.
Die 4 Landessieger in Kärnten
smarter software: Sieger in der Kategorie Mittelunternehmen
Das Klagenfurter Softwareunternehmen „S2 – Sm@rter Software Engineering & Consulting“ überzeugte die Jury mit einem durchdachten Gesamtpaket: Kinderbetreuungszuschuss von bis zu 1.000 Euro jährlich pro Kind, aktive Väterförderung mit Papamonat und Väterkarenz, ein eigener Kinderraum im Betrieb, flache Hierarchie auf Augenhöhe sowie flexible Gleitzeitmodelle schaffen Rahmenbedingungen, in denen sich Mitarbeitende wohlfühlen können. Im Lakeside Park gelten die Büroräumlichkeiten längst als Best-Practice-Beispiel. „Als Gründerteam wollten wir Arbeitsplätze schaffen, an denen wir uns und auch unsere Mitarbeiter wohlfühlen", erklärt Stefan Wagner von smarter software. Gemeinsam mit Stefan Ellersdorfer und Markus Jessenitschnig führt er das Unternehmen mit einem weiteren Standort in Spittal. „Wer die besten Talente und anspruchsvolle Kunden zusammenbringen will, muss auf allen Ebenen in Qualität investieren“, ist das Team überzeugt. In Klagenfurt sind aktuell 24 Mitarbeiter:innen beschäftigt, die Bürofläche im Lakeside Park soll demnächst verdoppelt werden.
wuapaa: Sieger in der Kategorie Kleinunternehmen
Die Klagenfurter Werbeagentur wuapaa setzt auf individuelle Lösungen bei Arbeitszeit, Karenz und Wiedereinstieg. „Familie ist ein wichtiger Teil des Lebens und daher auch ein wichtiger Teil der Personalpolitik", so Matija Kampuš von wuapaa. „Bei uns muss sich niemand zwischen Familie und Beruf entscheiden." Familienfreundlichkeit wird im Betrieb nicht als Zusatz gesehen, sondern als eine Investition in eine stabile und engagierte Teamkultur. „Familienfreundlichkeit stärkt das Wir-Gefühl, erhöht die Zufriedenheit und sorgt für langfristige Mitarbeiterbindung.“ Aktuell hat wuapaa 14 Mitarbeiter:innen in unterschiedlichen Beschäftigungsformen. Teilzeitbeschäftigte können hier genauso beruflich aufsteigen wie Wiedereinsteigerinnen nach der Karenz. Zusätzlich werden für die Mitarbeitenden Gutscheine, betriebliche Pensionskasse, Essenbons, private Nutzung von Firmeneigentum und Weiterbildungen geboten.
autArK: Sieger in der Kategorie Non-Profit-Organisation
Autark punktete mit Frauenförderungsplanung, familienorientierten Arbeitszeitmodellen, Weiterbildung, wertschätzender Unternehmenskultur, Arbeitsplatzsicherheit und betrieblicher Gesundheitsförderung. „Echte Wertschätzung beginnt dort, wo wir das private Leben unserer Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter ernst nehmen und aktiv unterstützen", betont Andreas Jesse, Geschäftsführer von Autark. „Ein familienfreundliches Arbeitsumfeld stärkt nicht nur das Wohlbefinden jedes einzelnen Menschen, sondern erhöht auch Motivation, Engagement und langfristige Bindung. Als soziales Dienstleistungsunternehmen sehen wir es als unsere Verantwortung, jene Haltung nach innen zu leben, die wir auch nach außen vertreten.“ Das Unternehmen setzt unter anderem auf strukturierte Maßnahmen, die Vereinbarkeit nicht dem Zufall überlassen, sondern systematisch fördern. Im Alltag ist das durchaus eine Herausforderung mit 33 Standorten in Kärnten und unterschiedlichen Fachbereichen. Viele kleine Mosaiksteinchen ergeben ein Ganzes.
Hilfswerk Kärnten: Sieger in der Kategorie Non-Profit-Organisation
Das Hilfswerk Kärnten beweist, dass Familienfreundlichkeit eine Frage der Haltung ist: Mit 150 verschiedenen Arbeitszeitmodellen, Kinderbetreuung in den Ferien und an Fenstertagen, eigene Akademie für Weiterbildung, Work-Life-Balance-App sowie einem Karenz- und Pensionistenpool schafft die Organisation maximale Flexibilität für ihre Mitarbeitenden. „Wir leisten seit Jahrzehnten Pionierarbeit in Sachen Familienfreundlichkeit", erklärt Elisabeth Scheucher-Pichler, Präsidentin des Hilfswerk Kärnten. Die Vielfalt der Arbeitszeitmodelle ermöglicht es, auf unterschiedlichste Lebenssituationen einzugehen, von der Kinderbetreuung bis zur Pflege von Angehörigen. Das wirkt sich in einer sehr geringen Fluktuation aus. Aktuell liegt die Frauenquote bei 98 Prozent mit über 1.000 Beschäftigten in ganz Kärnten.
Weitere Betriebe mit vorbildlicher Familienfreundlichkeit
Neben den vier Landessiegern wurden weitere Kärntner Unternehmen für ihre familienfreundlichen Maßnahmen gewürdigt:
APP Steuerberatung (Klagenfurt) mit Baby- und Karenzfrühstück, einer 4-Tage-Woche mit 36 Wochenstunden, betrieblicher Gesundheitsförderung, Onboarding-Prozessen sowie strukturierter Wissensweitergabe. „Wir sind überzeugt, dass nur in einem Umfeld, in dem sich jede:r wohlfühlt und die individuellen Lebenssituationen berücksichtigt werden, nachhaltiger Erfolg und echte Motivation entstehen können. Deshalb investieren wir laufend in Maßnahmen, die die Vereinbarkeit von Arbeit und Familie födern“, sagt Geschäftsführer Wolfgang Granig. Aktuell beschäftigt das Unternehmen 40 Mitarbeiter am Standort Klagenfurt.
Bad & Energie Zotter (Friesach) mit einer nachhaltigen und verantwortungsvollen Unternehmenskultur, die Familien in allen Lebenslagen unterstützt. Es gibt attraktive Arbeitszeitmodelle wie 4 oder 5 Tage Woche in Abwechslung, elternfreundliche Rückkehrprogramme nach der Elternzeit sowie strukturierte Wiedereinstiegsmodelle Pflegeunterstützung für Angehörige. „Als familienfreundlicher Arbeitgeber sind wir jederzeit bereit, gemeinsam mit unseren Mitarbeitenden individuelle und tragfähige Lösungen für sämtliche familienbezogenen Anliegen zu finden“, sagen Selina Zotter und Melanie Winkler-Zotter. Der Betrieb wird bereits in der dritten Generation geführt.
Handwerk-OK (Klagenfurt) mit flexiblen Arbeitszeiten und digitalen Prozessen, Anpassungen der Arbeitszeiten in den Ferien. „Damit zeigen wir, dass auch kleine Handwerksbetriebe zeitgemäß, familienfreundlich und zukunftsfähig sind“, sagt Stefan Skrinar, Geschäftsführer der RESK Handels GmbH und Handwerk-OK. Als familienfreundlicher Arbeitgeber setzt er auf digitale Infrastruktur, hohe Flexibilität und verlässliche Abstimmungsregeln zur Unterstützung von Mitarbeitenden mit Familie.
Hotel Schloss Lerchenhof (Hermagor) mit flexiblen Dienstplänen, Unterstützung bei Notfällen, Karenz- und Wiedereinstiegsbegleitung, Kantine, Fahrtkosten zwischen Wohnort und Arbeitsplatz werden übernommen, Weiterbildung, Nutzung der Schloss-Angebote, wertschätzende Familienkultur. „Im Schloss Lerchenhof arbeiten mehrere Generationen täglich zusammen. Familie, Rücksicht, gegenseitige Unterstützung und ein respektvolles Miteinander gehören zur DNA des Hauses“, sagt Inhaber Johann Steinwender. Der Betrieb beschäftigt zwölf Mitarbeiter.
Jaritz Transport (Ebenthal) mit Väterförderung und Papamonat, flexible und familienfreundliche Zeiteinteilung, Unterstützung bei Umzügen, private Nutzung der Büroausstattung oder Werkstatt, Sponsoring, Ferialpraktika und Vereinsunterstützung, Sondervereinbarungen für Langzeiturlaub, Integrationshilfen wie Sprachkurs oder Belohnung für den Erhalt der österreichischen Staatsbürgerschaft. „Wir sind ein Familienunternehmen in der zweiten Generation. Vor allem als Dienstleister muss uns bewusst sein, dass die Mitarbeiter das Herz und das Hirn des Unternehmens sind. Wir versuchen Familien und vor allem auch Väter mit ihren Söhnen einzubeziehen und zu unterstützen“, sagt Roman Jaritz. Der Betrieb beschäftigt 40 Mitarbeiter:innen aus 10 Nationen. „Wir wollen aufzeigen, dass es auch in der regionalen Logistik und klassischen Geschäftsbereichen möglich ist, Vereinbarkeit von Familie und Beruf zu unterstützen und fördern.“
Optik Buffa (Klagenfurt) mit angepassten Arbeits- und Urlaubszeiten an Zugzeiten, Kinderbetreuungszeiten und Urlaub der Partner:innen, einmal in der Woche wird von der Firma ein Mittagessen finanziert, gemeinsamer Ausflug. „Unsere Mitarbeitenden sind das Herz unseres Erfolgs. Ihr Engagement, ihre Loyalität und ihr täglicher Einsatz verdienen eine besondere Anerkennung. Familienfreundlichere Arbeitsbedingungen kommen nicht nur den Mitarbeitenden, sondern dem gesamten Betrieb zugute.“ Ines Hrassnig, Inhaberin Optik Buffa.
Seehotel Kärnterhof (Weissensee) mit wertschätzender Führungskultur, flexiblen Dienstplänen und Bereitstellung von Dienstwohnungen, kostenlosem Mittagessen und Buskarten, flexible Arbeitszeitgestaltung und individuelle Lösungen bei Betreuungsengpässen, Betriebsruhe über Weihnachten, Vermittlung von Ferienbetreuungsangeboten. „Für uns als Familie ist Familienfreundlichkeit eine gelebte Herzensangelegenheit. Wir begleiten unsere gemeinsame Belegschaft, von regionalen Kräften bis zu Saisonkräften, mit Wertschätzung, offenen Ohren und echter Fürsorge“, sagt Claudia Domenig.
Traussnig Spedition (Wolfsberg) mit Wiedereinstieg nach der Karenz, flexiblen Arbeitszeitmodellen, Weiterbildung und Unterstützung bei der Kinderbetreuung zum Beispiel durch Kooperationen mit Kindergärten und Krabbelgruppe. „Die Vereinbarkeit von Familie und Beruf ist bei uns fest im Leitbild verankert und wird aktiv durch unsere Führungskräfte und Werte-Veranstaltungen gelebt. Regelmäßige Mitarbeiterbefragungen sichern die Weiterentwicklung familienfreundlicher Maßnahmen“, sagt Geschäftsführer Philipp Traussnig.
Familienfreundlichkeit als Standortfaktor
95 Prozent der Beschäftigten erachten die Vereinbarkeit von Familie und Beruf bei der Jobauswahl als wichtig bis sehr wichtig. Betriebe, die auf Familienfreundlichkeit setzen, profitieren von einer um 80 Prozent gesteigerten Mitarbeiterbindung und um 52 Prozent mehr Bewerbungen. In Kärnten liegt die Erwerbstätigenquote bei rund 77 Prozent, mehr als zwei Drittel der Beschäftigten geben an, dass Vereinbarkeit ein entscheidendes Kriterium bei der Jobwahl ist.
Besonders relevant ist die unterschiedliche Arbeitszeit von Müttern und Vätern: 68 Prozent der Mütter in Österreich arbeiten in Teilzeit, während 90 % der Väter in Vollzeit tätig sind. Dies hat direkte Auswirkungen auf Personalplanung und Arbeitszeitmodelle. Aktuelle Daten zeigen, dass 31 Prozent der Eltern mit Kindern unter sechs Jahren Vereinbarkeitsprobleme haben. Für Unternehmen bedeutet dies einen klaren Bedarf an familienfreundlichen Maßnahmen, um qualifizierte Fachkräfte zu halten und zu gewinnen.
Kinderbetreuung ist zu einem Standortfaktor geworden. Während österreichweit bei den Drei bis Sechsjährigen eine nahezu vollständige Versorgung besteht, liegt die Quote bei unter Dreijährigen nur bei 36 Prozent. Diese Lücke beeinflusst, wann Eltern und besonders Mütter in den Beruf zurückkehren können. „Kärnten hat hier besonders großen Aufholbedarf“, sagt Legner.
Der Rückgang der Geburten und die steigende Kinderlosigkeit signalisieren einen zunehmenden Fachkräftemangel, was die Bedeutung von Mitarbeiterbindung und attraktiven Arbeitsbedingungen unterstreicht. Familien mit Kindern haben ein um 17 Prozent höheres Armutsrisiko als kinderlose Haushalte, was die Bedeutung fairer Gehälter und zusätzlicher Benefits verdeutlicht.
Wer heute qualifizierte Fachkräfte gewinnen und halten will, muss familienfreundliche Arbeitsbedingungen bieten. Flexible Arbeitszeiten, Kinderbetreuungsangebote und eine Kultur, die echte Vereinbarkeit ermöglicht. „Das sind keine Extras mehr, sondern Notwendigkeiten“, sagt Legner.
Weitere Informationen: www.familienfreundlichsterbetrieb.at