Kärntens Meister-Elite wurde geehrt
Standing Ovations im Casineum Velden: Kärntens frischgebackene Meister:innen und Absolvent:innen von Befähigungsprüfungen wurden gestern Abend im feierlichen Rahmen von den zuständigen Spartenobleuten der WK-Kärnten geehrt.
Lesedauer: 4 Minuten
Die berufliche Bildung von der Lehre bis zum krönenden Abschluss in Form einer Meister- oder Befähigungsprüfung liegt stark im Trend. Das belegen aktuelle Zahlen. Im vergangenen Jahr haben sich 563 Kärntner:innen – das sind um rund 8,3 Prozent mehr als im Jahr davor - dieser großen Herausforderung erfolgreich gestellt. Sie alle haben die höchste Qualifikationsstufe in ihrem Beruf in der Tasche und sind nun tragende Säulen der Kärntner Wirtschaft. Für Peter Storfer, Obmann der Sparte Gewerbe und Handwerk in der Wirtschaftskammer Kärnten, war es eine besondere Freude die Laudatio zu halten und ihnen gemeinsam mit dem Obmann der Sparte Information & Consulting, Franz Ahm und Adolf Kulterer als Vertreter der Sparte Tourismus & Freizeitwirtschaft die Meisterbriefe und Urkunden persönlich zu überreichen: „In unserer Zeit wirtschaftlicher und gesellschaftlicher Herausforderungen braucht der Wirtschaftsstandort Menschen, die große Leidenschaft für ihren Beruf aufbringen und bereit sind, mehr zu leisten. Sie sind Garant für die international anerkannte hohe Qualität des Handwerks und der Dienstleistungen und auch dafür, dass Wissen und Fähigkeiten an die nächste Generation weitergegeben werden. Nur so können wir zukünftig im internationalen Wettbewerb bestehen.“ Abgerundet wurde der Abend mit einer Event-Styling-Präsentation der Friseurmeister:innen sowie dem Vortrag „Abenteuer Zukunft – so schreiben Sie Erfolgsgeschichte“ von Keynote-Speaker Cristián Gálvez.
Absolvent:innen nach Gewerbe
Spitzenreiter bei den Absolventen von Meisterprüfungen (alle Module abgelegt) sind: Kraftfahrzeugtechnik (24), Denkmal-, Fassaden- und Gebäudereinigung (12), Konditor (11), Friseur und Perückenmacher (Stylist) (10), Oberflächentechnik (6). Bei den Befähigungsprüfungen führen Versicherungsvermittlung (Versicherungsagent) (82), Baumeister (71), Gewerbliche Vermögensberatung (61) und Gastgewerbe, Ingenieurbüros, Immobilientreuhänder (Immobilienmakler) mit je (49) die Liste an.
Die Absolvent:innen (69 Prozent Männer und 31 Prozent Frauen) verteilen sich auf 25 verschiedene Gewerbe und sind zwischen 19 und 72 Jahren alt.
Höchste fachliche Qualifikation
Meister- und Befähigungsprüfungen sind das beste Rüstzeug für den Schritt in die Selbstständigkeit oder Führungsaufgaben in einem Unternehmen. Denn neben fachlichem Können vermitteln sie auch betriebswirtschaftliche und rechtliche Grundlagen sowie in vielen Fällen die Befähigung zur Ausbildung von Lehrlingen vermitteln. „Die Erfolgsquote bei den Prüfungen, die aus zwei bis fünf Modulen bestehen, liegt bei 72 Prozent. 21,9 Prozent haben mit Auszeichnung und 8,6 Prozent mit gutem Erfolg bestanden. Rund die Hälfte der Absolventen der letzten fünf Jahre hat ein Unternehmen gegründet, Arbeitsplätze geschaffen und trägt damit wesentlich zum Wohlstand unserer Gesellschaft bei“, so Benno Tosoni, Leiter der Meisterprüfungsstelle in der WK Kärnten.
Hohe Anforderungen und stetige Aufwertung
Storfer: „Die Einstufung der Meisterprüfungen (2018) und 31 Befähigungsprüfungen (2023) auf Stufe 6 des Nationalen Qualifikationsrahmens (NQR), der auch der Bachelor zugeordnet ist, verdeutlicht das hohe Niveau, das von den Absolvent:innen gefordert wird. Sie setzen ihre handwerklichen Fähigkeiten oder ihre Tätigkeiten nicht nur ein, sondern entwickeln sie auch weiter. Dies sichert die Qualität im Handwerk und in der Dienstleistung und macht sie zu Vorbildern für den Berufsnachwuchs.“
„Neben der Einstufung im NQR zeigt sich die zunehmende Anerkennung der beruflichen Bildung auch darin, dass der Meistertitel seit August 2020 offiziell in Dokumente eingetragen werden kann. Zunächst galt dies für alle Meisterprüfungen, seit August 2024 ist dies auch für 14 handwerksähnliche Befähigungsprüfungen möglich“ ergänzt Storfer. Ein weiterer Meilenstein ist die 2024 gesetzlich verankerte „Höhere Berufsbildung“. Damit wurde eine langjährige Forderung der Wirtschaftskammer umgesetzt und in Österreich ein eigenständiger berufspraktischer Bildungspfad geschaffen, der nahtlos an die Lehre anschließt und gleichwertig zum schulisch-akademischen Weg verläuft. Die erste Qualifikation „Technische Beratung für Energieeffizienz“ wird seit Herbst 2025 angeboten. Weitere Abschlüsse, etwa in den Bereichen Handel, E-Mobilität oder Veranstaltungstechnik, sind bereits in Entwicklung.
Starkes Signal
Ein weiteres starkes Signal gegen den Fachkräftemangel und ein wichtiges Bekenntnis zur beruflichen Bildung ist die seit 2024 geltende Übernahme der Prüfungsgebühren für den ersten und zweiten Antritt bei Meister-, Befähigungs- und Unternehmerprüfungen. „Ein nächster wichtiger Schritt zur längst fälligen Gleichstellung der weltweit anerkannten beruflichen Bildung mit schulischen und akademischen Abschlüssen wäre, wenn der Bund zukünftig auch die Kosten für die Vorbereitung auf die Meister- und Befähigungsprüfungen übernehmen würde“, so Tosoni.
Meister Alumni Club
Eine bemerkenswerte Erfolgsgeschichte ist der Meister Alumni Club (MAC). Im Oktober 2023 als Initiative der Wirtschaftskammern Österreichs gegründet, zählt die Plattform bereits 5.200 Mitglieder aus allen neun Bundesländern. In Kärnten sind es aktuell 250 Mitglieder. Der Club ist in kürzester Zeit ein vielfältiges Netzwerk geworden: Generationsübergreifend kommen hier die Mitglieder aus mehr als 100 Branchen zusammen. Peter Storfer freut sich über den großen Zuspruch: „Der Meister Alumni Club ist mir als Vorstandsmitglied eine Herzensangelegenheit. Unsere Mitglieder nutzen diese Plattform zur Vernetzung, zum Erfahrungsaustausch und zur besseren Sichtbarmachung von qualifiziertem Unternehmertum.“ Ziel ist es, die Gemeinschaft, den Wissensaustausch und die Sichtbarkeit der beruflichen Bildung zu stärken. „Unsere Mitglieder aus ganz Österreich erhalten Zugang zu vielfältigen Services wie Ausbilderplattform, Veranstaltungen und exklusiven Angeboten“, unterstreicht Peter Storfer.