Kärntner Gewerbe und Handwerk bleibt unter Druck – leichte Stabilisierung bei Erwartungen
Das Kärntner Gewerbe und Handwerk steht weiterhin vor großen wirtschaftlichen Herausforderungen. Der aktuelle Konjunkturbericht der KMU Austria für das Gesamtjahr 2025 sowie das 1. Quartal 2026 zeigt: Die Betriebe kämpfen mit rückläufigen Umsätzen, pessimistischer Stimmung und hohen Kostenbelastungen. Gleichzeitig gibt es erste vorsichtige Signale einer Stabilisierung bei den Erwartungen.
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„Das Kärntner Gewerbe und Handwerk steckt weiterhin in einer schwierigen Phase: Reale Umsatzrückgänge, eine eingetrübte Stimmung und anhaltend hohe Kosten zeigen klar, dass eine wirtschaftliche Erholung noch nicht in Sicht ist“, fasst Peter Storfer, Obmann der Sparte Gewerbe und Handwerk in der Wirtschaftskammer Kärnten, die aktuelle Konjunkturbeobachtung der KMU Forschung Austria zusammen. Das Jahr 2025 verlief für die 20.000 Gewerbe und Handwerks-Betrieben mit ihren rund 68.000 unselbstständig Beschäftigten, darunter 3.500 Lehrlinge, insgesamt negativ. Zwar konnten einzelne Unternehmen ihre Umsätze steigern, dennoch ergibt sich im Durchschnitt ein Rückgang: Der nominelle Umsatz sank um 1,7 %, real – also preisbereinigt – sogar um 4,3 %. Im Detail meldeten 33 % der Betriebe Umsatzsteigerungen gegenüber 2024 um durchschnittlich 10,4 %, bei 30 % von ihnen blieb der Umsatz auf Vorjahresniveau und 37 % der Unternehmen verzeichneten Umsatzrückgänge um durchschnittlich 12,6 %. Was die Exportleistung betrifft, ist diese sehr niedrig: Lediglich 3 % realisierten Umsätze mit Exporten.
Grund für dieses Szenario ist, dass die steigenden Preise die wirtschaftlichen Verluste nicht ausgleichen konnten. Die Verkaufspreise wurden zwar um durchschnittlich 2,8 % erhöht, lagen jedoch immer noch unter der Inflationsrate von 3,6 %. Auch die Investitionstätigkeit blieb verhalten. „Nur 37 % der Betriebe investierten, im Schnitt rund 3.700 Euro je Beschäftigten. Viele arbeiten unter massivem Druck. Die Kosten steigen, während die reale Nachfrage schwach bleibt – das geht direkt auf die Substanz der Unternehmen“, so Storfer.
Erstes Quartal 2026: Stimmung weiter eingetrübt
Auch der Start ins Jahr 2026 brachte keine wesentliche Entspannung. Die Geschäftslage wird überwiegend negativ bewertet: Das Stimmungsbarometer liegt bei Minus 17 Prozentpunkten und hat sich gegenüber dem Vorquartal weiter verschlechtert.
Nur 13 % der Betriebe beurteilen ihre Lage als gut, während 30 % eine schlechte Geschäftssituation melden. Gleichzeitig sind auch bei den Umsätzen klare Rückgänge, insbesondere in konsumnahen Branchen, zu verzeichnen. „Die schwache Nachfrage, steigende Kosten und die anhaltende Unsicherheit schlagen sich deutlich in der Stimmung nieder. Viele Betriebe befinden sich gerade in einer sehr herausfordernden Situation“, betont Storfer.
Dringend notwendige Stimmungsaufheller
Vor diesem Hintergrund sind kurzfristige und mittelfristige Impulse dringend erforderlich. Die Betriebe brauchen klare Perspektiven und verlässliche Rahmenbedingungen, um wieder investieren und wachsen zu können. Zu den größten Herausforderungen im laufenden Jahr zählen weiterhin die hohen Steuern und Abgaben (52 %), hohe Arbeitskosten (47 %), steigende Preise bei Rohstoffen und Materialien (48 %), zunehmende Bürokratie (45 %) sowie der weiterhin anhaltende Fachkräftemangel (43 %). „Ohne gezielte Entlastungen und Impulse droht sich die wirtschaftliche Situation weiter zu verfestigen. Die Betriebe brauchen jetzt Rückenwind – nicht zusätzliche Belastungen“, bringt es der Spartenmann auf den Punkt Storfer. Auch die Bereitschaft zu investiert, schwindet zunehmend. Nur 32 % planen Investitionen in den kommenden Monaten.
Personalstand stabil mit leichtem Aufwind
Positiv ist hingegen die Lage auf dem Arbeitsmarkt. Trotz der extrem angespannten Lage bleibt dieser stabil und es besteht sogar die Bereitschaft, den Personalstand zu erhöhen. 31 % der Betriebe planen Personalaufbau. Insgesamt ergibt sich ein geplanter Beschäftigtenzuwachs von 13,8 %. Dies deutet darauf hin, dass viele Betriebe mittelfristig weiterhin an ihre Entwicklung glauben.
2. Quartal: leichte Stabilisierung auf niedrigem Niveau
Die Erwartungen für das zweite Quartal 2026 bleiben zwar insgesamt pessimistisch, zeigen aber eine leichte Verbesserung. Der Saldo liegt bei -9 Prozentpunkten und ist damit weniger negativ als im Vorjahr. Der Anteil der Betriebe, die mit vermehrten Auftragseingängen bzw. Umsätzen rechnen, hat sich im Vergleich zum ersten Quartal 2026 fast verdoppelt (von 9 % auf 17 %). Jene, die keine Veränderungen erwarten, ist demgegenüber geringfügig von 59 % auf 57 % gesunken. Insgesamt rechnen auch weniger Betriebe als im Vorquartal mit Rückgängen. Storfer: „Es gibt erste Anzeichen einer Stabilisierung, aber von einem Aufschwung sind wir noch weit entfernt. Die Entwicklung bleibt fragil.“
Investitionsgüternahe Branchen versus konsumnahe Branchen
Insgesamt hat sich die Lage innerhalb der Sparte Gewerbe und Handwerks unterschiedlich entwickelt: Während die investitionsgüternahen Branchen – etwa Bau, Metalltechnik oder Elektroinstallation – derzeit noch von bestehenden Auftragsbeständen profitieren und eine durchschnittliche Auslastung von rund zwölf Wochen aufweisen, fehlt es zunehmend an neuen Impulsen. 76 % des Gesamtauftragsbestandes entfielen im ersten Quartal 2026 auf private/gewerbliche Auftraggeber, 14 % auf öffentliche Bauprojekte, die über Generalunternehmer bzw. Bauträger (Genossenschaften) abgewickelt werden, und 10 % auf Direktvergaben durch Bund, Länder und Gemeinden. Die Auftragslage hat sich zwar leicht stabilisiert, die Dynamik bleibt jedoch verhalten. Demgegenüber stehen die konsumnahen Branchen deutlich stärker unter Druck. Hier macht sich die anhaltende Kaufzurückhaltung der privaten Haushalte unmittelbar bemerkbar: 40 % der Betriebe (2025: 27 %) verzeichnen rückläufige Umsätze, die negative Entwicklung hat sich somit im Vergleich zum Vorjahr nochmals verstärkt. Insgesamt zeigt sich damit ein gespaltenes Bild: Während sich investitionsgüternahe Bereiche aktuell noch stabilisieren, stehen konsumnahe Branchen unter Druck. Das könnte sich ohne zusätzliche wirtschaftliche Impulse zunehmend auf die gesamte Branche ausweiten.
Geopolitische Unsicherheiten und steigende Materialkosten verschärfen Lage
Zusätzlich belastet die aktuelle geopolitische Situation die Betriebe massiv. Konflikte und Unsicherheiten auf internationalen Märkten führen zu steigenden Energie- und Rohstoffpreisen, die sich direkt auf die Materialkosten auswirken.
Storfer: „Viele Betriebe befinden sich dadurch in einer schwierigen Position zwischen Auftraggebern und Lieferanten: Während steigende Kosten von Lieferanten weitergegeben werden, ist eine Weiterverrechnung an Auftraggeber oft nicht möglich.“
Auch rechtlich hat sich die Situation verschärft. Aktuelle Entwicklungen zeigen, dass Preissteigerungen in der Regel vom Auftragnehmer zu tragen sind und nur unter sehr eingeschränkten Voraussetzungen weitergegeben werden können. „Unsere Betriebe stehen hier zunehmend in einer Sandwich-Position. Die Risiken werden einseitig auf die Unternehmen abgewälzt, das ist auf Dauer nicht tragbar“, warnt Storfer.
Klare Forderungen der Sparte
Vor diesem Hintergrund fordert die Sparte Gewerbe und Handwerk:
- eine faire Risikoverteilung zwischen Auftraggebern und Auftragnehmern
- die verstärkte Anwendung von Preisgleitklauseln und indexbasierten Modellen
- spürbare Entlastungen bei Steuern und Abgaben
- weniger Bürokratie und schnellere Verfahren
- gezielte Maßnahmen gegen den Fachkräftemangel
„Das Gewerbe und Handwerk ist ein zentraler Motor unserer Wirtschaft. Damit die Betriebe wieder investieren und wachsen können, braucht es jetzt klare und verlässliche Rahmenbedingungen“, betont Storfer abschließend.