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© WKK I Studiohorst

Kärntner Handel gewinnt wieder an Boden – Druck bleibt hoch

Sinkende Teuerung, reales Umsatzplus und rückläufige Insolvenzen sorgen für Entspannung. Margendruck  und Kaufkraftabfluss bleiben zentrale Herausforderungen.

Lesedauer: 3 Minuten

Aktualisiert am 17.09.2026

Der Kärntner Einzelhandel zeigt 2026 erste Anzeichen einer Stabilisierung. Die Teuerungsdynamik nimmt ab, reale Umsätze entwickeln sich positiver und auch beim Insolvenzgeschehen zeichnet sich eine Entspannung ab. Von einer nachhaltigen Erholung könne jedoch noch keine Rede sein, betonen die Sparte Handel der Wirtschaftskammer Kärnten und die KMU Forschung Austria.

Der Handel bleibt ein zentraler Wirtschaftsfaktor in Kärnten: 11.358 Betriebe sind in der Sparte Handel organsiert beschäftigen rund 33.000 Menschen. Rund 3.400 Unternehmen und mehr als 19.000 Beschäftigte entfallen auf den Einzelhandel. Der Handelsumsatz liegt bei rund 13,4 Milliarden Euro, davon 5,1 Milliarden Euro im Einzelhandel.

„Wir sehen erstmals wieder Licht am Horizont. Aber mehr Umsatz heißt noch lange nicht mehr Ertrag“, sagt KommR Raimund Haberl, Obmann der Sparte Handel in der Wirtschaftskammer Kärnten. „Personal, Energie, Mieten und Finanzierung bleiben teuer. Viele Betriebe arbeiten weiterhin mit sehr knappen Margen.“

Im Juli 2026 stiegen die Einzelhandelsumsätze österreichweit nominell um 2,7 Prozent und real um 2,3 Prozent gegenüber dem Vorjahresmonat. Gleichzeitig hat sich die Teuerungsdynamik deutlich abgeschwächt. Auch Wolfgang Ziniel von der KMU Forschung Austria sieht eine vorsichtige Stabilisierung: „Die rückläufige Teuerung hilft, nominelles Wachstum wieder stärker in reales Wachstum zu übersetzen. Gleichzeitig bleiben Kostendruck und Margenschwäche bestehen. Die Erholung ist daher noch fragil.“

Positiv entwickelt sich das Insolvenzgeschehen: Nach zwei Jahren mit steigenden Zahlen ist erstmals wieder eine Entspannung erkennbar. 

Bürokratie kostet Zeit und Geld

Zusätzlich zur wirtschaftlichen Belastung wächst für Handelsbetriebe der administrative Aufwand. Ein aktuelles Beispiel ist die neue EU-Verpackungsverordnung PPWR, deren erste Vorgaben seit 12. August 2026 gelten. Je nach Rolle eines Unternehmens entstehen zusätzliche Prüf-, Dokumentations-, Kennzeichnungs- und Aufbewahrungspflichten. Händler müssen sich unter anderem vergewissern, dass vorgeschriebene Angaben auf Verpackungen vorhanden sind; für Importeure und Erzeuger reichen die Verpflichtungen bis hin zu Konformitätsunterlagen und technischer Dokumentation.

Haberl: „Unsere Betriebe wollen sich um ihre Kunden, ihre Mitarbeiter und ihre Unternehmen kümmern – und nicht immer mehr Zeit mit Formularen, Nachweisen und Dokumentationspflichten verbringen. Nachhaltige Verpackungen sind ein wichtiges Ziel. Aber die Umsetzung muss einfach, verständlich und praxistauglich sein. Wenn neue Regeln vor allem zusätzlichen Verwaltungsaufwand produzieren, fehlt diese Zeit im täglichen Geschäft.“

Gerade kleinere Handelsunternehmen seien von neuen Vorgaben besonders betroffen. Viele Detailfragen zur PPWR sind zudem weiterhin in Klärung beziehungsweise von weiteren europäischen oder nationalen Regelungen abhängig. 

Fast jeder zweite Online-Euro fließt ins Ausland

Eine weitere große Herausforderung bleibt der Onlinehandel. Österreichweit werden rund 12,3 Milliarden Euro im E-Commerce ausgegeben. Davon fließen 47 Prozent beziehungsweise rund 5,8 Milliarden Euro an ausländische Anbieter. Rund 1,3 Milliarden Euro entfallen bereits auf chinesische Plattformen wie Temu, Shein oder AliExpress.

Haberl: „Wenn fast jeder zweite Online-Euro ins Ausland fließt, verlieren unsere Regionen Wertschöpfung. Gleichzeitig dürfen heimische Händler nicht mit immer mehr Auflagen belastet werden, während internationale Plattformen unter völlig anderen Voraussetzungen agieren. Unsere Unternehmen stellen sich dem Wettbewerb – aber es braucht faire Regeln und weniger überbordende Bürokratie.“

Der Ausblick bleibt verhalten. Die Stimmung im Einzelhandel hat sich zwar leicht verbessert, gleichzeitig bleibt die Konsumentwicklung ein wesentlicher Unsicherheitsfaktor. Haberl abschließend: „Der Kärntner Handel gewinnt wieder an Boden. Jetzt braucht es mehr Kaufkraft, faire Wettbewerbsbedingungen und vor allem Rahmenbedingungen, die unseren Unternehmerinnen und Unternehmern wieder mehr Zeit fürs Unternehmertum statt für Bürokratie geben.“