Konjunktur hellt sich auf – Betriebe blicken zuversichtlich nach vorne
Das Kärntner Gewerbe und Handwerk zeigt im zweiten Quartal 2026 klare Zeichen der Erholung.
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Das Kärntner Gewerbe und Handwerk sendet nach einem schwierigen Jahresbeginn deutliche Signale der Stabilisierung. Die aktuelle Konjunkturbeobachtung der KMU Forschung Austria für das zweite Quartal 2026, basierend auf den Rückmeldungen von 205 Kärntner Betrieben mit insgesamt 3.019 Beschäftigten, zeigt eine spürbar bessere Geschäftsstimmung, steigende Auftragsbestände und vorsichtig optimistische Erwartungen. Auch im Österreichvergleich entwickelt sich Kärnten ausgehend von einem niedrigen Niveau überdurchschnittlich: Während die Auftragseingänge und Umsätze österreichweit im ersten Quartal 2026 gegenüber dem Vorjahr um durchschnittlich 2,1 Prozent zurückgingen, betrug der Rückgang in Kärnten lediglich 0,5 Prozent – nach minus 1,6 Prozent im Vorjahresquartal. Nur Salzburg verzeichnete mit minus 0,2 Prozent einen noch besseren Wert. „Die Betriebe schöpfen wieder Zuversicht. Jetzt darf die Politik diesen Aufwärtstrend nicht ausbremsen.“, so Peter Storfer, Obmann der Sparte Gewerbe und Handwerk in der WK Kärnten.
Wettbewerbsfähigkeit stärken
Die aktuelle Konjunkturentwicklung unterstreicht, dass die Unternehmen trotz herausfordernder wirtschaftlicher Rahmenbedingungen Verantwortung übernehmen und weiterhin auf Beschäftigung, Ausbildung und regionale Wertschöpfung setzen. „Unsere Betriebe haben sich in einem schwierigen wirtschaftlichen Umfeld als besonders widerstandsfähig erwiesen. Diese Entwicklung stärkt nicht nur die Unternehmen selbst, sondern den gesamten Wirtschaftsstandort Kärnten. Gerade deshalb ist es so wichtig, dass wir die derzeitige Stabilisierung nutzen und die Wettbewerbsfähigkeit des Standorts weiter stärken. Jeder zusätzliche Auftrag sichert Beschäftigung, schafft Wertschöpfung und stärkt den ländlichen Raum“, betont Storfer. Die Wirtschaftstreibenden profitieren von ihrer breiten Aufstellung und ihrer hohen Spezialisierung. Storfer ergänzt: „Gerade das Zusammenspiel aus leistungsstarken Bau- und Ausbaubranchen, Holz- und Metallbetrieben sowie einem stabilen Dienstleistungsbereich macht unsere Branche krisenfester als in vielen anderen Regionen Österreichs.“
Trendwende zeichnet sich ab
Nach den schwierigen Monaten zu Jahresbeginn verdichten sich die Anzeichen, dass sich die Konjunktur langsam stabilisiert. Bereits 24 Prozent der Kärntner Betriebe bewerten ihre Geschäftslage als gut, weitere 47 Prozent sprechen von einer saisonüblichen Entwicklung.
Nur noch 29 Prozent beurteilen ihre Situation als schlecht. Besonders erfreulich ist dabei die Entwicklung gegenüber dem Vorquartal: Der Pessimismus ist deutlich zurückgegangen und viele Unternehmen blicken wieder mit mehr Zuversicht auf ihre wirtschaftliche Entwicklung. „Wir sehen noch keine Hochkonjunktur, aber wir sehen eine klare Verbesserung. Die Nachfrage zieht an, die Auftragsbücher füllen sich wieder und die Betriebe gewinnen zunehmend Planungssicherheit. Genau diese Entwicklung brauchen unsere Mitgliedsbetriebe, um wieder verstärkt zu investieren und Arbeitsplätze zu sichern“, erklärt Storfer.
Branchenentwicklung: Erholung setzt sich fort
Die Erholung wird weiterhin vor allem von den investitionsnahen Branchen getragen. Das Baugewerbe, die Holz- und Kunststoffverarbeitung sowie das Bauinstallations- und Ausbaugewerbe profitieren von einer steigenden Nachfrage. Der Auftragsbestand liegt um 4,3 Prozent über dem Vorjahresniveau und die durchschnittliche Auslastung beträgt 13,4 Wochen. Gleichzeitig könnten 41 Prozent der Betriebe kurzfristig zusätzliche Aufträge übernehmen.
Auch für das dritte Quartal überwiegt vorsichtiger Optimismus: 19 Prozent der Betriebe rechnen mit steigenden Auftragseingängen oder Umsätzen, 62 Prozent erwarten eine stabile Entwicklung und 19 Prozent gehen von Rückgängen aus. Damit fällt der Ausblick für Kärnten deutlich besser aus als im Österreichschnitt. Während der investitionsnahe Bereich bereits einen positiven Erwartungssaldo erreicht hat, entwickelt sich auch der konsumnahe Bereich spürbar besser als noch im Vorquartal. „Besonders erfreulich ist, dass der ausgeprägte Pessimismus des vergangenen Jahres deutlich nachgelassen hat. Unsere Betriebe erwarten zwar keine rasche Hochkonjunktur, sie sehen aber wieder Perspektiven. Dieses Vertrauen ist die wichtigste Voraussetzung für Investitionen, Innovationen und Beschäftigung“, so Storfer.
Beschäftigung bleibt stabil
Der vorsichtig optimistische Ausblick spiegelt sich auch in der Personalplanung der Kärntner Betriebe wider. 21 Prozent wollen im dritten Quartal zusätzliche Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter einstellen, 76 Prozent planen mit einem konstanten Personalstand und lediglich drei Prozent rechnen mit einem Beschäftigungsabbau. Mit einem geplanten Beschäftigungszuwachs von 4,8 Prozent liegt Kärnten österreichweit an der Spitze und deutlich über dem Bundesdurchschnitt von 3,2 Prozent.
Vor allem Betriebe mit gut gefüllten Auftragsbüchern investieren in zusätzliche Arbeitskräfte. Die stärksten Personalaufbaupläne verzeichnen das Baugewerbe, die Holz- und Kunststoffverarbeitung sowie die Personaldienstleister und das Sicherheitsgewerbe. In konsumnahen Branchen steht hingegen überwiegend die Sicherung des bestehenden Personalstands im Vordergrund. „Wer heute Mitarbeiter sucht, glaubt an die Zukunft seines Unternehmens. Gerade in wirtschaftlich herausfordernden Zeiten ist das keine Selbstverständlichkeit. Unsere Betriebe investieren bewusst in qualifizierte Fachkräfte und schaffen damit die Grundlage für weiteres Wachstum“, betont Spartenobmann Peter Storfer.
Lehrlingsausbildung bleibt Schlüssel für die Fachkräftesicherung
Eine zentrale Rolle spielt dabei die Lehrlingsausbildung. Mit rund 20.000 Betrieben ist das Gewerbe und Handwerk auch die größte Arbeitgebersparte Kärntens und gleichzeitig der wichtigste Lehrlingsausbilder des Landes. Rund 3.300 Lehrlinge absolvieren derzeit ihre Ausbildung in einem Betrieb dieser Sparte. Damit wird mehr als jeder zweite gewerbliche Lehrling Kärntens im Gewerbe und Handwerk ausgebildet.
Vor diesem Hintergrund gewinnen auch die seit 1. Juli 2026 geltenden Änderungen bei der Lehrstellenförderung an Bedeutung. Für Betriebe, die mehrere Lehrlinge ausbilden, wird die Basisförderung für den zweiten und jeden weiteren Lehrling auf 75 Prozent der bisherigen Berechnungsgrundlage reduziert, sofern das förderrelevante Lehrjahr nach dem Stichtag endet. Gleichzeitig bleibt eine wichtige Ausnahmeregelung bestehen: Pro Betrieb und Kalenderjahr wird ein frei wählbarer Lehrling weiterhin zu 100 Prozent gefördert. „Für Betriebe mit mehreren Lehrlingen, bedeutet die Neuregelung dennoch höhere Eigenkosten.
Umso wichtiger ist es, die geänderten Fördersätze frühzeitig in die Ausbildungsplanung einzubeziehen und die Lehrlingsausbildung auch künftig als zentrale Investition in den Fachkräftenachwuchs zu sehen“, so Storfer. „Gerade angesichts des anhaltenden Fachkräftebedarfs ist jeder Ausbildungsplatz eine Investition in die Zukunft unserer Betriebe und des Wirtschaftsstandortes Kärnten.“ Hintergrund der Anpassung sind die inflationsbedingt gestiegenen Kosten bei gleichzeitig unverändertem Förderbudget des Bundes für die Jahre 2027 und 2028. Ab 2029 wird das jährliche Fördervolumen erhöht, alle übrigen Förderbestandteile bleiben unverändert.
Rahmenbedingungen müssen jetzt verbessert werden
Die Bereitschaft der Betriebe, Personal aufzubauen und in die Ausbildung des Fachkräftenachwuchses zu investieren, ist ein starkes Signal. Damit dieses Engagement nicht nachlässt, müssen die wirtschaftlichen Rahmenbedingungen jetzt konsequent verbessert werden. „Jetzt sind die richtigen wirtschaftspolitischen Weichenstellungen gefordert. Weniger Bürokratie, leistbare Energie und Investitionsanreize sind entscheidend, damit unsere Unternehmen weiterhin investieren, ausbilden, Arbeitsplätze schaffen und unseren Wohlstand sichern können“, fordert Storfer abschließend.