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Immobilien-Obmann Paul Perkonig
© WKK/KK

Mehr Abgaben – weniger Wohnraum

Warum neue Abgaben keinen Wohnraum schaffen, und warum auch die Verschiebung daran nichts ändert. Die Kärntner Immobilienwirtschaft zu den geplanten Zweitwohnungs- und Aufenthaltsabgaben.

Lesedauer: 4 Minuten

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Aktualisiert am 26.03.2026

Die geplanten Neuregelungen rund um Zweitwohnungs- und Aufenthaltsabgaben sorgen in der Kärntner Immobilienwirtschaft für zunehmende Kritik. Die Fachgruppe der Immobilien- und Vermögenstreuhänder in der Wirtschaftskammer Kärnten sieht darin keinen wirksamen Beitrag zur Entspannung am Wohnungsmarkt – im Gegenteil. "Der Wunsch nach ausreichend verfügbarem und für die Bevölkerung gut finanzierbarem Wohnraum ist absolut nachvollziehbar. Aber neue Abgaben lösen das Problem nicht – sie verschärfen es“, betont es Fachgruppenobmann Paul Perkonig.

Verschiebung als erstes Signal, Probleme bleiben bestehen

Die angekündigte Verschiebung der Zweitwohnungsabgabe auf das Jahr 2027 wird von der Branche grundsätzlich begrüßt. Sie nimmt kurzfristig Druck aus dem System und schafft Zeit für eine sachliche Diskussion. Gleichzeitig ändert sie jedoch nichts an der grundsätzlichen Problematik der geplanten Maßnahmen. Mit dem neuen Gesetz sollen Gemeinden künftig deutlich höhere Abgaben auf Zweitwohnsitze sowie auf nicht oder nur eingeschränkt genutzte Wohnungen einheben können. Ziel ist es, bestehenden Wohnraum stärker zu aktivieren und zusätzliche Einnahmen für die öffentliche Hand zu generieren. Aus Sicht der Branche greift dieser Ansatz jedoch zu kurz: Perkonig: "Die eigentlichen Ursachen, steigende Baukosten, hohe Zinsen, strenge mietrechtliche Rahmenbedingungen und ein rückläufiger Neubau, bleiben unberührt. Wer glaubt, dass neue Abgaben automatisch mehr Angebot schaffen, irrt. Sie treffen vor allem jene, die ohnehin investieren oder investieren wollen.“

Unscharfe Daten, harte Eingriffe

Besonders kritisch sieht die Fachgruppe die mangelnde Datenbasis. Weder für Kärnten noch österreichweit gibt es verlässliche Zahlen zur tatsächlichen Nutzung von Wohnungen oder Zweitwohnsitzen. Studien zeigen sogar, dass gängige Methoden zur Erhebung Fehlerquoten von bis zu 60 % aufweisen.  Gleichzeitig wird mit den neuen Abgaben massiv in Eigentumsrechte eingegriffen – ohne gesicherte Grundlage. „Es ist nicht akzeptabel, auf Basis von Schätzungen und Modellrechnungen in Eigentum einzugreifen. Wohnraumpolitik braucht Fakten, nicht Annahmen.“ 

Nutzung ist vielfältiger als die Theorie

Ein zentraler Punkt der Kritik: Die tatsächliche Nutzung von Wohnraum ist deutlich vielfältiger, als es gesetzliche Modelle abbilden.

Wohnungen werden unter anderem genutzt:

  • für berufliche Aufenthalte oder Pendlerlösungen
  • für Studium oder familiäre Zwecke
  • für saisonale oder temporäre Nutzung
  • im Zuge von Sanierungen oder Übergangsphasen

Diese Realität wird in der Diskussion rund um die Zweitwohnungsabgabe oft zu wenig berücksichtigt. Zudem haben sich Lebensmodelle verändert: Mehrere Wohnsitze, flexible Arbeitsorte und temporäre Nutzung sind längst Teil des Alltags. 

Bürokratie statt Lösung

Neben der inhaltlichen Kritik sieht die Branche auch erhebliche praktische Probleme. Die Erhebung und Kontrolle der tatsächlichen Nutzung ist komplex, aufwendig und fehleranfällig. Der administrative Aufwand für Gemeinden steht in keinem Verhältnis zum erwarteten Nutzen.  Erfahrungen aus anderen Regionen zeigen zudem, dass solche Abgaben oft deutlich hinter den Erwartungen bleiben – sowohl in der Wirkung als auch bei den Einnahmen.

Gefahr für Investitionen und Wohnbau

Ein weiterer kritischer Punkt: Zusätzliche Abgaben wirken als Investitionsbremse. „Wohnraum entsteht nicht durch Druck, sondern durch Vertrauen und Planungssicherheit“, so Perkonig.  Eigentümer zusätzlich belastet werden,

  • sinkt die Investitionsbereitschaft
  • werden Sanierungen hinausgezögert
  • und es kommt langfristig weniger Angebot auf den Markt

Das Ergebnis: steigende Kosten statt Entlastung.

Was es stattdessen braucht

Die Kärntner Immobilienwirtschaft spricht sich klar für andere Maßnahmen aus:

  • gezielte Anreize zur Nutzung bestehender Immobilien
  • Förderungen für Sanierung und Revitalisierung
  • klare und einheitliche Definitionen
  • Verbesserungen im Mietrecht
  • Stärkung des Neubaus

„Nur ein ausreichendes Angebot sorgt für stabile Preise. Neue Abgaben schaffen keinen zusätzlichen Wohnraum“, bringt es Perkonig auf den Punkt. 

Dialog statt Vorfestlegungen

Im aktuellen Zusammenhang fordert die Branche zudem einen echten, ergebnisoffenen Dialog. Solange laufende Abstimmungsprozesse, wie etwa angekündigte Beteiligungsformate auf Landesebene, nicht abgeschlossen sind, dürfen keine Vorfestlegungen oder einseitigen Maßnahmen getroffen werden. Es braucht, so Perkonig, einen transparenten Prozess, der alle Betroffenen einbindet und auf fundierten Fakten basiert.

Fazit: Gut gemeint ist nicht gut gemacht

Die geplanten Zweitwohnungs- und Aufenthaltsabgaben verfolgen ein nachvollziehbares Ziel, gehen aus Sicht der Branche aber am Problem vorbei. Ohne fundierte Daten, klare Definitionen und wirtschaftlich sinnvolle Rahmenbedingungen droht ein System, das mehr Bürokratie schafft als tatsächliche Verbesserungen bringt. Auch eine zeitliche Verschiebung ersetzt keine inhaltliche Lösung. Entscheidend ist, dass die gewonnenen Monate für eine echte Überarbeitung und faktenbasierte Entscheidungsfindung genutzt werden. Die Forderung der Fachgruppe ist daher klar: Mehr Fakten. Mehr Differenzierung. Und Maßnahmen, die tatsächlich wirken.

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