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Drei Frauen flankiert von zwei Männern
© WKK | marygoodfoto, Maria Wawrzyniak

Mentoring für Migrant:innen: „Ich wollte etwas zurückgeben“

Was berufliche Integration erfolgreich macht, zeigt sich nicht nur in Zahlen, sondern auch in persönlichen Geschichten. Das Programm „Mentoring für Migrant:innen“ verbindet Menschen, Erfahrungen und Potenziale und wirkt nachhaltig. Einer, der das aus eigener Erfahrung bestätigen kann, ist Alberto Frisiero: Er war einst Mentee und ist heute bereits zum fünften Mal Mentor. „Ich hatte damals das Glück, einen Mentor zu haben, der mir wirklich geholfen hat – fachlich wie menschlich. Deshalb war für mich sofort klar: Ich möchte etwas zurückgeben.“

Lesedauer: 5 Minuten

Aktualisiert am 23.01.2026

Wenn Erfahrung Türen öffnet, entstehen Chancen – für Menschen ebenso wie für Betriebe. Genau das zeigte die diesjährige Auftaktveranstaltung des Programms „Mentoring für Migrant:innen“, das von der Wirtschaftskammer Kärnten, dem Arbeitsmarktservice Kärnten (AMS) und dem Österreichischen Integrationsfonds/Integrationszentrum Kärnten (ÖIF) gemeinsam umgesetzt wird. In der mittlerweile 13. Runde starteten 28 Mentoring-Tandems gemeinsam in eine neue Begleitphase. Ziel ist es, gut ausgebildete Menschen mit Migrationshintergrund durch persönliche Begleitung, Netzwerke und praxisnahe Unterstützung beim Einstieg in den Kärntner Arbeitsmarkt zu unterstützen. 

Vom Mentee zum Mentor: gelebte Wirkung

Alberto Frisiero ist ein Beispiel dafür, wie nachhaltig „Mentoring für Migrant:innen“ wirken kann. Der gebürtige Italiener hat selbst als Mentee vom Programm profitiert und ist heute bereits zum fünften Mal als Mentor dabei. „Ich hatte Glück – ich hatte einen guten Mentor, mit dem ich mich perfekt verstanden habe. Er war für mich ein echter Mehrwert“, schildert Frisiero. Der Kontakt besteht bis heute, auch privat. Als die Wirtschaftskammer Kärnten ihn fragte, ob er selbst Mentor werden möchte, habe er nicht lange überlegt. „Die Erfahrung als Mentee hat mir sehr geholfen. Außerdem weiß ich aus eigener Erfahrung, mit welchen Herausforderungen Migrant:innen konfrontiert sind“, sagt Frisiero. Diese reichen von fehlenden Netzwerken und Unsicherheiten im Bewerbungsprozess bis hin zu ganz praktischen Fragen des Alltags. „Mentoring für Migrant:innen“ bedeute daher weit mehr als fachliche Unterstützung. „Die Bedürfnisse der Mentees sind sehr unterschiedlich“, erklärt Frisiero. „Für manche geht es darum, Kontakte zu Unternehmen herzustellen. Andere brauchen Hilfe bei Lebensläufen, bei vertraglichen Themen oder auch im privaten Bereich, etwa bei Versicherungen, Banken oder Wohnen.“ Dass Mentor:innen und Mentees einander vorab nicht kennen, sei dabei kein Hindernis. Frisiero lobt in diesem Zusammenhang die Auswahl der Wirtschaftskammer und die Arbeit von Projektmanagerin Birgit Hochreiter, die „Mentoring für Migrant:innen“ bereits seit Jahren mit großem Engagement und hoher Professionalität begleitet und für die perfekte Auswahl der Tandems verantwortlich ist: „Mentor:innen und Mentees passen immer gut zusammen. Genau das macht den Erfolg dieses Programms aus.“ 

28 Tandems, internationale Vielfalt, gefragte Qualifikationen

Heuer nehmen 28 Mentoring-Paare am Programm teil – so viele wie noch nie. Die Mentees kommen aus neun Nationen: Ukraine, Indien, Russland, Iran, Aserbaidschan, Polen, Slowakei, Rumänien und Syrien. Mehr als die Hälfte der Teilnehmenden stammt aus der Ukraine. Internationalität zeigt sich auch auf Seiten der Mentor:innen: Sie vertreten ebenfalls neun Nationen, darunter Österreich, Irland, Italien, Polen und die Niederlande. Einige von ihnen bringen selbst Migrationserfahrung mit. 

Auch fachlich ist die Bandbreite groß. Vertreten sind unter anderem MINT-Berufe wie Informatik, Elektronik, Raumfahrt und Computerwissenschaften, aber auch Pharmazie, Journalismus, Wirtschaft und Social Media. Diese Vielfalt verdeutlicht das Potenzial, das durch gezielte Begleitung für den Kärntner Arbeitsmarkt nutzbar gemacht werden kann. 

Gemeinsame Verantwortung für den Arbeitsmarkt

Für WK-Präsident Jürgen Mandl ist das Projekt „Mentoring für Migrant:innen“ ein Beispiel dafür, wie Integration gelingen kann, wenn Wirtschaft und Gesellschaft gemeinsam Verantwortung übernehmen. „Gerade in Zeiten des Fachkräftemangels ist es entscheidend, vorhandene Kompetenzen sichtbar zu machen und gezielt in den Arbeitsmarkt einzubinden. ,Mentoring für Migrant:innen‘ zeigt, wie dieses Zusammenspiel erfolgreich funktionieren kann.“ 

Auch Hemma Kircher-Schneider, Leiterin der Außenwirtschaft in der Wirtschaftskammer Kärnten, sieht im Programm einen nachhaltigen Mehrwert für den Standort: „Das Programm verbindet berufliche Integration mit Internationalisierung. Es schafft Perspektiven für Menschen und stärkt gleichzeitig die Wettbewerbsfähigkeit unseres Wirtschaftsstandorts.“ AMS-Landesgeschäftsführer Peter Wedenig betont weiterhin die arbeitsmarktpolitische Bedeutung des Projekts: „Aktuell steigt die Nachfrage nach Arbeitskräften. Zugleich ist es wesentlich, das regionale Arbeitskräftepotenzial gut zu nutzen. Maßnahmen wie ‚Mentoring für Migrant:innen‘ tragen unter diesen Aspekten entscheidend dazu bei, offene Stellen erfolgreich zu besetzen. Das Programm nutzt das Potenzial von Menschen mit Migrationshintergrund. Diese werden sowohl von Mentor:innen aus der Wirtschaft unterstützt als auch bedarfsorientiert durch spezifische arbeitsmarktpolitische Maßnahmen, um sie noch besser auf den Einstieg in den Arbeitsmarkt vorzubereiten.“ 

Ein Arbeitsplatz stellt sich immer wieder als weit mehr als nur „für den eigenen Lebensunterhalt sorgen“ heraus. Bedeutend ist vor allem der Kontakt zu den Kolleg:innen, sagt Martin Häusl, Leiter des ÖIF-Integrationszentrums in Kärnten: „Erwerbstätigkeit spielt eine entscheidende Rolle für erfolgreiche Integration, weil sie wirtschaftliche Selbsterhaltungsfähigkeit ermöglicht und langfristige Perspektiven eröffnet. Mit dem Programm Mentoring für Migrant:innen begleitet der ÖIF Menschen mit Migrationshintergrund gezielt auf ihrem Weg in den österreichischen Arbeitsmarkt. Umso erfreulicher ist es, dass in diesem Jahr mit 28 Mentoring-Tandems der bislang umfangreichste Durchgang realisiert werden kann.“ 

Erfolgsgeschichte mit langer Tradition

Das Programm „Mentoring für Migrant:innen“ wurde 2008 von der Wirtschaftskammer Österreich nach kanadischem Vorbild ins Leben gerufen und hat sich seitdem zu einem Vorzeigeprojekt entwickelt. In Kärnten nahmen bereits mehr als 220 Migrant:innen erfolgreich am Programm teil. Viele von ihnen fanden im Anschluss eine feste Anstellung, andere sammelten erste Arbeitserfahrungen in Form von Praktika oder Volontariaten. Einige Absolvent:innen haben sich mittlerweile selbstständig gemacht – und sind heute als Mentor:innen Teil des Programms. Dass „Mentoring für Migrant:innen“ wirkt, zeigt sich auch an der Geschichte von Alberto Frisiero. „Gerade in Kärnten ist dieses Programm sehr wichtig, da Fachkräfte fehlen und wir das Potenzial von Migrant:innen nutzen müssen“, sagt er. Es ist damit weit mehr als eine Maßnahme – es ist eine Erfolgsgeschichte, die weitergeschrieben wird.

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