Neue Studie zeigt: Unterkärntens Ortskerne stehen vor entscheidenden Jahren
Wie entwickeln sich Handel, Kaufkraft und Ortszentren in den Bezirken Völkermarkt und Wolfsberg? Eine aktuelle Wirtschaftsstrukturanalyse liefert erstmals einen umfassenden Blick auf die wirtschaftliche Situation in Unterkärnten. Die Ergebnisse zeigen eine solide Ausgangslage, machen aber auch deutlich, wo Handlungsbedarf besteht – von Kaufkraftabflüssen über Leerstände bis hin zur Zukunft der Ortskerne.
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Die aktuelle Wirtschaftsstrukturanalyse der LEADER-Region Unterkärnten liefert ein umfassendes Bild über die Entwicklung des Handels, das Konsumverhalten sowie die wirtschaftlichen Rahmenbedingungen in den Bezirken Völkermarkt und Wolfsberg. Die Ergebnisse zeigen deutlich: Die Region verfügt über eine solide wirtschaftliche Basis, steht jedoch vor großen Herausforderungen durch demografische Veränderungen, Kaufkraftabflüsse und den Strukturwandel im Handel.
Für die Studie wurden 2.617 Konsumentinnen und Konsumenten befragt, 484 Handelsbetriebe analysiert und 106 Unternehmer:innen eingebunden. Ziel war es, belastbare Grundlagen für die Weiterentwicklung der Orts- und Stadtkerne sowie der Nahversorgung in Unterkärnten zu schaffen.
Kaufkraft über Kärntner Durchschnitt
Die Untersuchung zeigt, dass sich die Bevölkerungsentwicklung in beiden Bezirken bereits heute negativ auf die Handelsentwicklung auswirkt. Trotz dieser Entwicklung verfügt Unterkärnten weiterhin über eine beachtliche Kaufkraft. Der Kaufkraftindex liegt in Unterkärnten bei rund 90 Prozent des österreichischen Durchschnitts. Die einzelhandelsrelevante Kaufkraft beträgt rund 24.400 Euro pro Einwohner in den beiden Bezirken und liegt damit deutlich über dem Kärntner Durchschnitt von 23.650 Euro. Gleichzeitig zeigt die Studie, dass die Kaufkraft zunehmend außerhalb der Region ausgegeben wird. Neben dem Online-Handel zählen insbesondere die Ballungsräume Klagenfurt und Graz zu den stärksten Konkurrenten des regionalen Einzelhandels.
Tourismus als wichtigstes externes Potenzial
Als bedeutendste externe Kaufkraftquelle der Region identifiziert die Studie den Tourismus. Tagesgäste sowie Nächtigungstourist: innen zählen insbesondere in tourismusstarken Gemeinden zu den wichtigsten Kundengruppen des lokalen Einzelhandels. Die positive Entwicklung zeigt sich auch in den Nächtigungszahlen: In Unterkärnten verzeichnete der Tourismus seit 2025 ein Plus von rund 15 Prozent. Über beide Bezirke hinweg liegt die touristische Intensität bei 16,1 Nächtigungen pro Einwohner:in.
Wettbewerbsfähigkeit vieler Betriebe unter Druck
Besonders deutlich wird der Handlungsbedarf bei der Wettbewerbsfähigkeit des stationären Handels in den beiden Bezirken. Rund 22 Prozent der Handelsbetriebe weisen eine niedrige Wettbewerbsfähigkeit auf, weitere 46 Prozent befinden sich im mittleren Bereich. Nur 32 Prozent gelten als hoch wettbewerbsfähig.
Unternehmer:innen sehen Kaufkraft und Mietpreise kritisch
Die Unternehmer:innenbefragung bestätigt die strukturellen Herausforderungen. 50 Prozent der Betriebe beurteilen die Entwicklung der lokalen und regionalen Kaufkraftsituation als verschlechtert. Noch kritischer wird das Mietpreisniveau gesehen: Jeder zweite Betrieb spricht hier von einer Verschlechterung. Die Einschätzung der Mietpreisentwicklung ist dabei teilweise subjektiv geprägt. Die verfügbaren Marktdaten zeigen, dass sich die Mieten insgesamt im üblichen Rahmen bewegen und keine außergewöhnlichen Steigerungen erkennbar sind.
Auch die Konkurrenz durch den Online-Handel wird zunehmend spürbar. 45 Prozent der befragten Unternehmen sehen eine Verschlechterung ihrer Wettbewerbssituation durch digitale Anbieter. Gleichzeitig nutzen noch immer 35 Prozent der Handelsbetriebe keine digitalen Instrumente, während lediglich 24 Prozent über einen eigenen Online-Shop verfügen.
Ortskerne gemeinsam neu denken
In der Mehrzahl der Bezirksgemeinden sind die ortsbaulichen und infrastrukturellen Rahmenbedingungen in den Ortskernen als gut bis sehr gut zu bewerten. Trotz standortadäquater Mietpreisvorstellungen sind nur rund ¼ aller Leerflächen top marktfähig. Es braucht neue Ansätze in der Standortpolitik, beim Leerstandsmanagement und in der regionalen Zusammenarbeit. Empfohlen werden unter anderem interkommunale Ortsmarketing-Verbünde, innovative Nutzungskonzepte für Leerstände, gezielte Digitalisierungsmaßnahmen für Betriebe sowie eine stärkere touristische Vermarktung der Ortszentren.
Starke Bindung im Wolfsberger Lebensmittelhandel
Die Ergebnisse zeigen für den Bezirk Wolfsberg eine solide Gesamteigenbindung der Kaufkraft von 77 Prozent. Besonders hervorzuheben ist der Bereich der kurzfristigen Bedarfe (Nahversorgung), wo die Bindung sogar bei 90 Prozent liegt. Mit einem jährlichen Einzelhandelsumsatz von rund 347 Millionen Euro bleibt Wolfsberg ein zentraler Handelsstützpunkt, wobei die Stadt Wolfsberg das einzige bezirksübergreifende Einzugsgebiet aufweist. Ein wesentlicher Erfolgsfaktor ist der Tourismus, der mit 38,9 Millionen Euro den bedeutendsten externen Kaufkraftzufluss darstellt.
WK-Bezirksstellenobmann Wolfsberg Gerhard Oswald sieht die Ergebnisse als Bestätigung für die Qualität des regionalen Handels: „Die Menschen im Lavanttal vertrauen ihren regionalen Betrieben. Diese hohe Einkaufstreue basiert auf Qualität, Beratung und Engagement. Gleichzeitig müssen wir Kaufkraftabflüsse verringern und die Wettbewerbsfähigkeit unserer Betriebe stärken.“
Tourismushotspot Bezirk Völkermarkt
Mit rund 1,1 Millionen Nächtigungen verzeichnet der Bezirk Völkermarkt seit 2015 einen Zuwachs von 18,3 Prozent und zählt damit zu den dynamischsten Tourismusstandorten Kärntens. Die nächtigungsstärkste Gemeinde des Bezirks ist St. Kanzian am Klopeiner See. Mit rund 833.900 Nächtigungen im Jahr 2025 und einem Plus von 23,8 Prozent gegenüber 2015 entfallen rund drei Viertel aller Nächtigungen im Bezirk auf diese Tourismusgemeinde.
Auch die touristische Intensität – gemessen an den Nächtigungen pro Einwohner:in – unterstreicht die hohe wirtschaftliche Bedeutung des Tourismus im Bezirk. Mit einem Wert von 26,3 liegt Völkermarkt deutlich über dem Kärntner Durchschnitt von 22,9 sowie dem österreichweiten Wert von 17,1. Maßgeblich dazu beigetragen hat die starke touristische Entwicklung in St. Kanzian am Klopeiner See. „Der Tourismus bietet enormes Potenzial für den regionalen Handel. Dieses Potenzial muss künftig noch stärker genutzt und in Wertschöpfung für die Ortszentren umgewandelt werden“, so Rudolf Bredschneider, WK-Bezirksstellenobmann Völkermarkt.
Gemeinsam Verantwortung übernehmen
„Die Studie liefert nicht nur Zahlen, sondern konkrete Handlungsansätze. Jetzt gilt es, die Erkenntnisse gemeinsam umzusetzen. Gemeinden, Wirtschaft, Politik und Gesellschaft sind gleichermaßen gefordert, um die Orts- und Stadtkerne als Lebens-, Wirtschafts- und Begegnungsräume langfristig zu sichern“, so Valentin Blaschitz, Obmann der LAG Regionalkooperation Unterkärnten.