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Pfuscher on tour
© coco_adobestock

Pfuscher haben Hochsaison: Wirtschaftskammer warnt vor dubiosen Haustürgeschäften

Mit Frühlingsbeginn startet nicht nur die Gartensaison – auch die Schattenwirtschaft blüht wieder auf. In Kärnten wird nun vermehrt mit Hinweisen auf dubiose Handwerker gerechnet, die Hausbesitzern spontane Fassaden-, Dach- oder Reparaturarbeiten oft zu überhöhten Preisen und ohne fachgerechte Ausführung anbieten. Das Erhebungsreferat der Wirtschaftskammer Kärnten warnt eindringlich und ruft dazu auf, Verdachtsfälle zu melden.

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Aktualisiert am 20.03.2026

Der vermeintlich freundliche Besuch an der Haustür kann schnell zur Kostenfalle werden. Zwei Männer bieten spontan an, das Dach zu reinigen und die Fassade vom „Winterdreck“ zu befreien. Die Arbeiten könnten sofort erledigt werden – schnell, unkompliziert und zu einem angeblich günstigen Preis. Ein Szenario, das immer wieder vorkommt und im Nachhinein kaum mehr zu korrigieren ist: Unter Zeitdruck wird einem solchen Angebot zugestimmt. Am Ende folgt jedoch eine Rechnung über mehrere tausend Euro für Arbeiten, die nur mangelhaft ausgeführt wurden.

Solche Fälle treten besonders im Frühjahr vermehrt auf. „Gerade im Frühjahr versuchen dubiose Anbieter verstärkt, mit spontanen Handwerksleistungen an der Haustür Aufträge zu bekommen“, erklärt Waldemar Wagner, Leiter des Erhebungsreferats der Wirtschaftskammer Kärnten. Insgesamt wurden im Vorjahr rund 600 Pfuscher-Meldungen erfasst, von denen über 100 Fälle zur Anzeige gebracht bzw. an den Schutzverband gegen unlauteren Wettbewerb sowie der Finanzpolizei gemeldet wurden. Der Hauptanteil der Schwarzarbeit liegt nach wie vor im Baubereich und Handwerk. Wagner ergänzt: „Die meisten Fälle gab es in den Bezirken Klagenfurt Stadt, Villach Land und Villach Stadt, die wenigsten im Bezirk Hermagor.“ Um den fairen Wettbewerb zu schützen, bekämpft die Wirtschaftskammer Kärnten mit dem Erhebungsreferat alle Formen der unbefugten Gewerbeausübung und der organisierten Schwarzarbeit. „Das Problem ist, dass es für Konsumentinnen und Konsumenten oft schwer erkennbar ist, ob es sich tatsächlich um ein gemeldetes Unternehmen handelt. Deshalb ist Wachsamkeit besonders wichtig. Wir empfehlen, sich über das Online-Firmenverzeichnis „Firmen A-Z“ zu informieren, ob mein Anbieter hier aufscheint und die gewerblichen Voraussetzungen erfüllt.“

Die Schattenwirtschaft floriert nicht nur im Baugewerbe und bei Handwerksbetrieben, sondern hat auch im Bereich der „haushaltsnahen Dienstleistungen“ sowie im Transportgewerbe und Gastgewerbe zugenommen. „Wir sind gesetzlich verpflichtet, begründeten Verdachtsfällen nachzugehen und arbeiten dabei auch mit Detekteien zusammen. Unser Schwerpunkt liegt auf der Bekämpfung von organisiertem Pfusch.“, betont Christian Starzacher, zuständiger Funktionär für das Erhebungsreferat.

Expertenmeinung

Das Problem reicht weit über einzelne Betrugsfälle hinaus. Pfusch schadet nicht nur Konsumenten, sondern auch der gesamten Wirtschaft. Laut aktuellen Berechnungen des Ökonomen Friedrich Schneider von der JKU Linz wird die Schattenwirtschaft in Österreich im Jahr 2026 rund 41,96 Milliarden Euro oder 7,91 Prozent des BIP erreichen. Das entspricht etwa 7,9 Prozent des Bruttoinlandsprodukts. Besonders betroffen sind Bau- und Handwerksbetriebe, die einen großen Teil dieses Bereichs ausmachen. Der öffentlichen Hand, rechnet Schneider vor, entgehen dadurch jährlich zwischen zwei und 3,5 Milliarden Euro an Steuern und Sozialversicherungsbeiträgen. „Gleichzeitig geraten seriöse Unternehmen unter Druck, weil sie mit illegalen Anbietern konkurrieren müssen, die weder Steuern noch Abgaben zahlen“, fügt Starzacher hinzu.

Auch für Konsumenten kann Pfusch schwerwiegende Folgen haben. „Ohne ordnungsgemäße Gewerbeberechtigung fehlen meist auch Haftpflichtversicherung und Gewährleistung. Werden Arbeiten unsachgemäß durchgeführt, können erhebliche Schäden am Gebäude entstehen – von undichten Dächern bis zu fehlerhaften Elektroinstallationen. Im schlimmsten Fall bleiben Betroffene auf den Reparaturkosten sitzen“, unterstreicht Starzacher. Gewerbetreibende, die ihre Leistungen zu fairen Bedingungen im freien Wettbewerb am Markt anbieten und damit Arbeitsplätze sichern, sind durch entgangene Aufträge ebenfalls Leidtragenden.

Meldung von Verdachtsfällen

Die Wirtschaftskammer Kärnten ist für Betroffene eine zentrale Anlaufstelle. Hinweise auf Pfusch oder unbefugte Gewerbeausübung werden dort entgegengenommen und an die zuständigen Behörden weitergeleitet. „Wer den Verdacht hat, dass Arbeiten ohne Gewerbeberechtigung durchgeführt werden, sollte das unbedingt telefonisch über die Pfuscher-Hotline von Montag bis Samstag in der Zeit von 8 und 17 Uhr unter 0676 / 88 5868 470, online unter wkktn.at/pfuschermeldung über das Meldeformular der Wirtschaftskammer Kärnten oder per Mail an erhebungsreferat@wkk.or.at melden“, betont Starzacher. „Pfusch ist kein Kavaliersdelikt. Er schadet Konsumenten, gefährdet Arbeitsplätze und verzerrt den Wettbewerb. Jede Meldung hilft, illegale Anbieter aufzudecken und faire Bedingungen für die heimische Wirtschaft zu sichern.“, so Starzacher abschließend.

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