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Portrait von Stefan Sternad - im Hintergrund eine Bar
© WKK | Helge Bauer

Sternad zu Gastro-Insolvenzen: „Das ist ein Warnsignal" 

56 Insolvenzfälle in Kärntens Gastronomie in nur neun Monaten. Fachgruppenobmann Sternad fordert  rasche Entlastung bei Arbeit, Abgaben und Bürokratie.

Lesedauer: 4 Minuten

Aktualisiert am 14.10.2026

Die aktuellen Insolvenzzahlen des Alpenländischen Kreditorenverbands (AKV) zeichnen ein alarmierendes Bild: In Kärnten stieg die Zahl der Unternehmensinsolvenzen in den ersten drei Quartalen 2026 insgesamt um 12,87 Prozent auf 342 Fälle. Besonders stark betroffen ist die Gastronomie: Über 56 Gastbetriebe wurde ein Insolvenzverfahren eröffnet – im Vergleichszeitraum 2025 waren es 36. Das entspricht einem Anstieg von rund 56 Prozent. Die Verbindlichkeiten der insolventen Gastronomiebetriebe belaufen sich auf rund 26,5 Millionen Euro. Für Stefan Sternad, Obmann der Fachgruppe Gastronomie der Wirtschaftskammer Kärnten, ist diese Entwicklung längst mehr als eine statistische Momentaufnahme: „Wenn die Insolvenzfälle gegenüber dem Vorjahreszeitraum um mehr als die Hälfte steigen, können wir nicht mehr einfach von einer normalen Marktbereinigung sprechen. Das ist ein deutliches Warnsignal. Unsere Betriebe werden gleichzeitig von hohen Personal-, Waren-, Energie- und Finanzierungskosten sowie einer enormen Abgaben- und Bürokratielast getroffen.“ 

Umsatz ist nicht Gewinn

Die Zahlen passen für Sternad zum jüngsten Stimmungsbarometer der Kärntner Gastronomie: 71,4 Prozent der Befragten berichten von einer sinkenden Besuchshäufigkeit, 60 Prozent von geringeren Gesamtausgaben pro Besuch. „Wir haben bereits im September darauf hingewiesen: Gäste zählen reicht nicht – entscheidend ist, was im Betrieb bleibt. Volle Terrassen, Nächtigungsrekorde oder nominell steigende Umsätze sagen nichts darüber aus, ob nach Wareneinsatz, Personal, Energie, Miete, Finanzierung und Steuern überhaupt noch genug bleibt, um davon leben und den Betrieb weiterführen zu können.“

Besonders bedenklich sei, dass kärntenweit über alle Branchen hinweg immer mehr Insolvenzverfahren mangels ausreichender Masse gar nicht eröffnet werden können. Die Zahl dieser Fälle stieg von 120 auf 161. Gleichzeitig sind laut AKV zunehmend kleinere Unternehmen betroffen. „Das zeigt, dass bei vielen Unternehmern die Reserven schlicht aufgebraucht sind. Gerade kleine, familiengeführte Betriebe können Kostensteigerungen nicht unbegrenzt vorfinanzieren oder an ihre Gäste weitergeben“, so Sternad.

Dabei nimmt Sternad auch die eigene Branche in die Pflicht: „Natürlich müssen wir sauber kalkulieren, unsere Angebote weiterentwickeln und auf veränderte Gästegewohnheiten reagieren. Das gehört zu unserer Verantwortung als Unternehmer. Aber wir können nicht jede zusätzliche Belastung mit noch mehr persönlichem Einsatz auffangen. Auch der Arbeitstag eines Wirtes hat irgendwann ein Ende.“ 

„Ich kann diese Lippenbekenntnisse nicht mehr hören“

Für Sternad fehlt es längst nicht mehr an Hinweisen auf die Probleme: „Wir sprechen diese Themen seit Jahren an. Wir erklären, wo es hakt, legen Vorschläge vor und fordern konkrete Entlastungen. Viel zu wenig davon kommt tatsächlich in den Betrieben an. Ehrlich gesagt: Ich kann diese Lippenbekenntnisse, wie wichtig unsere Gastronomie ist, nicht mehr hören, wenn daraus keine spürbaren Konsequenzen folgen.“ Sein Appell richtet sich an die Entscheidungsträger auf allen politischen Ebenen: „Wer auch in Zukunft ein Gasthaus, ein Restaurant, ein Café oder eine Bar in seiner Nähe haben will, muss jetzt seinen Beitrag dazu leisten, dass diese Betriebe wirtschaftlich überleben können. Wertschätzung muss sich auch in politischen Entscheidungen zeigen.“

Dabei gehe es auch um die persönliche Perspektive der Unternehmer: „Gastronomie lebt von Menschen, die ihren Beruf mit Leidenschaft ausüben. Aber Leidenschaft ersetzt kein Einkommen. Wenn Arbeitsaufwand, Verantwortung und persönliches Risiko in keinem vernünftigen Verhältnis mehr zu dem stehen, was am Ende bleibt, stellt man sich irgendwann die Sinnfrage. Wir müssen dafür sorgen, dass es wieder Freude macht, einen Betrieb zu führen – auch beim Blick auf die Zahlen.“ 

„Wer Gastronomie erhalten will, muss Unternehmertum wieder möglich machen“

Sternad fordert deshalb einen klaren wirtschaftspolitischen Kurswechsel: „Wir brauchen eine spürbare Senkung der Lohnnebenkosten, weniger Steuern und Abgaben auf Arbeit, eine echte Entbürokratisierung und Rahmenbedingungen, die Investitionen wieder ermöglichen. Gleichzeitig brauchen saisonale Betriebe Instrumente, mit denen sie ihre Mitarbeiter über schwächere Saisonränder hinweg im Unternehmen halten können. Und vor allem: keine neuen Belastungen.“

Gerade bei den Personalkosten sei die Grenze vielerorts erreicht. „Gute Mitarbeiter müssen gut bezahlt werden. Aber Arbeit muss für Arbeitnehmer und Arbeitgeber finanzierbar bleiben. Hohe Lohnnebenkosten verteuern jeden Arbeitsplatz, ohne dass dieses Geld beim Mitarbeiter netto ankommt.“

Wirtschaftliche Rahmenbedingungen entscheidend

Für Sternad ist klar: „Jedes Wirtshaus, das wirtschaftlich gesund weitergeführt werden kann, ist besser als ein weiterer Eintrag in der Insolvenzstatistik. Wir wollen keine Betriebe künstlich am Leben erhalten. Aber wir müssen verhindern, dass grundsätzlich lebensfähige Unternehmen an Kosten, Abgaben und Bürokratie scheitern. Wer regionale Gastronomie, Arbeitsplätze und lebendige Ortskerne erhalten will, muss dafür sorgen, dass die Menschen hinter diesen Betrieben von ihrer Arbeit leben können. Dafür brauchen wir jetzt Entscheidungen. Die Bedeutung der Gastronomie haben wir lange genug erklärt.“