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Portrait von Stefan Sternad - im Hintergrund eine Bar
© WKK | Helge Bauer

Tourismus-KV: Arbeitgeberseite weist vida-Erzählung zurück

Sternad: „Die WK ist ihrer Linie treu geblieben – jetzt das Einlenken der Gewerkschaft als eigenen Triumph darzustellen, verdreht die Tatsachen.“

Lesedauer: 4 Minuten

Aktualisiert am 18.08.2026

Die Fachgruppe Gastronomie der Wirtschaftskammer Kärnten weist die Darstellung der Gewerkschaft vida zum Abschluss des Kollektivvertrags für Hotellerie und Gastronomie entschieden zurück. Aus Sicht der Arbeitgeberseite entsteht durch die aktuelle Aussendung ein Bild, das den tatsächlichen Verlauf der Verhandlungen nur unvollständig wiedergibt. „Im Frühjahr wurden die zusätzlichen Forderungen der Gewerkschaft von der Arbeitgeberseite klar zurückgewiesen. An dieser grundsätzlichen Verhandlungslinie hat sich nichts geändert“, hält Kärntens Gastronomie-Fachgruppenobmann Stefan Sternad fest. „Deshalb ist es schon bemerkenswert, wenn nun ausgerechnet das Einlenken der Gewerkschaft als Erfolg gewerkschaftlicher Protestaktionen verkauft wird.“

Die Arbeitgeberseite habe von Beginn an deutlich gemacht, dass ein Abschluss wirtschaftlich tragfähig, planbar und ohne zusätzliche strukturelle Belastungen für die Betriebe sein müsse. Gerade in einer Branche, die mit erheblichen Kostensteigerungen bei Personal, Energie, Lebensmitteln, Finanzierung und Bürokratie konfrontiert ist, könne ein Kollektivvertrag nicht losgelöst von der wirtschaftlichen Realität verhandelt werden. 

Kein Nachgeben bei den wesentlichen Arbeitgeberpositionen

„Wir haben uns weder durch öffentliche Kampagnen noch durch mediale Zuspitzungen von unserer Linie abbringen lassen“, so Sternad. Die Wirtschaftskammer habe insbesondere jene zusätzlichen Forderungen nicht akzeptiert, die eine dauerhafte weitere Verteuerung oder Verschlechterung der betrieblichen Rahmenbedingungen bedeutet hätten. Dass nun ein Abschluss möglich wurde, sei daher kein Beleg dafür, dass Protestmaßnahmen die Arbeitgeber zum Umdenken gezwungen hätten, sondern vielmehr dafür, dass am Ende wieder eine Lösung auf Basis wirtschaftlich vertretbarer Rahmenbedingungen gefunden werden konnte.„Sozialpartnerschaft funktioniert nicht nach dem Prinzip: Einer stellt maximale Forderungen, begleitet sie mit öffentlichen Angriffen und erklärt anschließend jeden Kompromiss zum eigenen Sieg“, sagt Sternad. „Sozialpartnerschaft bedeutet, dass beide Seiten aufeinander zugehen und Verantwortung für Beschäftigte und Betriebe übernehmen.“ 

Beschäftigte und Betriebe nicht gegeneinander ausspielen

Scharf zurückgewiesen wird auch die wiederholte Darstellung, wonach die wirtschaftliche Entwicklung im Tourismus automatisch bedeute, dass die Betriebe über entsprechend höhere finanzielle Spielräume verfügten. „Nächtigungszahlen und nominelle Umsätze sind keine Gewinnzahlen“, betont Sternad. „Wer Rekordumsätze nennt, aber gleichzeitig die massiven Steigerungen bei Löhnen, Wareneinsatz, Energie, Finanzierung und sonstigen Betriebskosten verschweigt, zeichnet bewusst ein unvollständiges Bild.“ Die Kärntner Gastronomie bekenne sich ausdrücklich zu fairer Bezahlung und guten Arbeitsbedingungen. Gleichzeitig müsse ein Kollektivvertrag auch für kleine Familienbetriebe, Wirtshäuser, Cafés und saisonale Unternehmen finanzierbar bleiben. „Unsere Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter sind das Herz unserer Betriebe. Gerade deshalb brauchen wir Lösungen, die Arbeitsplätze langfristig sichern – und keine Schlagzeilen, die Beschäftigte und Unternehmer gegeneinander ausspielen.“ 

„Am Ende zählt die Lösung – nicht die Siegesmeldung“

Für Sternad sollte mit dem Abschluss nun auch die Phase der öffentlichen gegenseitigen Schuldzuweisungen beendet werden: „Am Ende gibt es einen Kollektivvertrag, mit dem beide Seiten leben müssen. Die Arbeitgeberseite ist bei ihren wesentlichen Positionen geblieben und die Gewerkschaft hat letztlich einem Abschluss zugestimmt. Daraus im Nachhinein eine Geschichte zu konstruieren, wonach Protestaktionen die Wirtschaftskammer zum Einlenken gezwungen hätten, entspricht aus unserer Sicht nicht dem tatsächlichen Verlauf.“ 

„Entscheidend ist, dass unsere Kernforderungen gehalten haben“

Für Sternad ist am Ende vor allem das Ergebnis entscheidend: „Für uns war wesentlich, dass einer unserer zentralen Punkte durchgesetzt wurde: Der neue Kollektivvertrag kommt erst mit Herbst und nicht rückwirkend. Auch eine durchschnittliche Erhöhung von rund drei Prozent ist unter den gegebenen Rahmenbedingungen ein tragfähiger Kompromiss.“ Grundsätzlich müsse man sich nach diesen Verhandlungen aber die Frage stellen, wie eine funktionierende Sozialpartnerschaft künftig aussehen könne. „Ein Verhandlungspartner, der die gesamte Branche permanent schlechtredet, Unternehmer öffentlich unter Generalverdacht stellt und sich aus unserer Sicht nicht verlässlich an getroffene Vereinbarungen hält, verliert an Glaubwürdigkeit – bei den Arbeitgebern, aber letztlich auch bei den Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmern“, so Sternad. 

Dass nur ein vergleichsweise geringer Teil der Beschäftigten gewerkschaftlich organisiert sei, müsse für die Gewerkschaft Anlass zur Selbstreflexion sein. „Vielleicht sollte man sich dort auch die Frage stellen, warum man so viele Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer offenbar nicht mehr erreicht.“ Sternad betont gleichzeitig, dass Arbeitnehmerinteressen und Arbeitgeberinteressen in vielen Bereichen keineswegs Gegensätze seien: „Wir als Unternehmervertretung wollen gute Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter halten und ihnen auch etwas bieten können. Deshalb setzen wir uns beispielsweise für steuerfreie Prämien und zusätzliche Benefits ein, damit Leistungen tatsächlich bei den Beschäftigten ankommen, ohne dass jeder zusätzliche Euro durch Steuern und Abgaben massiv belastet wird.“ 

„Gute Betriebe brauchen gute Mitarbeiter – und gute Mitarbeiter brauchen wirtschaftlich gesunde Betriebe. Genau darum sollte es in einer modernen Sozialpartnerschaft gehen und nicht darum, wer am Ende die lautere Siegesmeldung verschickt.“

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